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Wiener Karlsplatz: Jugend feiert – Polizei räumt und riegelt den Bereich ab

Im vierten Wiener Bezirk am Karlsplatz im Bereich des Resselparks versammelten sich in der Nacht zu Samstag viele Jugendliche, um zu feiern. Nach vermeintlichen Sachbeschädigungen räumte die Polizei den Bereich. Seit Samstagabend gilt dort ein generelles Platzverbot.
Wiener Karlsplatz: Jugend feiert – Polizei räumt und riegelt den Bereich abQuelle: www.globallookpress.com © Leopold Nekula/VIENNAERPORT Source: www.imago-images.de

Im vierten Wiener Bezirk am Karlsplatz im Bereich des Resselparks versammelten sich am späten Freitagabend viele Jugendliche, um zu feiern. Die Nachtgastronomie ist in der österreichischen Hauptstadt mittlerweile bereits seit mehr als einem Jahr geschlossen, was die Regierung offiziell mit Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus begründet. Große Menschenmengen im öffentlichen Raum gehören in Wien daher mittlerweile zum Alltag, insbesondere an den Wochenenden.

In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte die Polizei unter Einsatz von Helmen und Schilden den Karlsplatz sowie den umliegenden Resselpark geräumt, wie der ORF berichtet. Auslöser des Polizeieinsatzes seien laut einem Sprecher der Landespolizeidirektion Wien Sachbeschädigungen gewesen, nachdem erneut "eine große Ansammlung von Menschen gefeiert hat". Personen sollen auf Statuen geklettert sein. Was genau beschädigt worden sein soll, wurde nicht bekannt.

Die Darstellung der Polizei wird auf den sozialen Netzwerken jedoch von zahlreichen Nutzern zurückgewiesen. Vielmehr sei es die Polizei selbst gewesen, die die Situation eskaliert habe. So heißt es etwa in einem Beitrag auf Twitter:

"Um die Ereignisse am Karlsplatz zusammenzufassen: Kids wollten feiern. Die Polizei wollte das unterbinden. Ist dafür ohne Anlass mit Schildern & Helmen in die Menge rein. Das wurde mit Flaschenwürfen beantwortet. Sie mussten sich erst zurückziehen & haben dann zurückgeschlagen."

Ein anderer Nutzer schreibt:

"Es war am Karlsplatz wirklich friedlich. Vielleicht nicht durchgehend coronakonform. Aber friedlich. Bis die Polizei anrückte und alles eskalierte."

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verteidigte indes das Vorgehen der Polizei:

"Es ist völlig inakzeptabel und unverständlich, dass strafbare Handlungen gesetzt und die daraufhin einschreitenden Polizisten mit Glasflaschen oder pyrotechnischen Gegenständen beworfen und verletzt werden. Darüber hinaus haben die Angriffe auf die Polizistinnen und Polizisten gezeigt, dass Aktivistinnen und Aktivisten aus dem linksextremen Bereich als Drahtzieher dieser Attacken fungieren. Dieses Verhalten ist strafbar, antidemokratisch und ein Zeichen mangelnder Solidarität mit jenen in unserer Gesellschaft, die nach wie vor besonders geschützt werden müssen."

Die Räumung erfolgte in der Nacht gegen 1.30 Uhr. Acht Polizeibeamte seien bei dem Einsatz verletzt worden. Eine Beamtin habe so viele Flaschen an den Kopf geworfen bekommen, dass sie eine Gehirnerschütterung erlitt, obwohl sie einen Schutzhelm trug. Es habe vier Festnahmen und 67 Anzeigen gegeben, so die Polizei.

Seit Samstag 19 Uhr gilt in dem Bereich ein Platzverbot. Dieses sei notwendig, da "aufgrund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, es werde in Wien 4., Bereich Resselpark (…) eine allgemeine Gefahr für Leben oder Gesundheit oder eine allgemeine Gefahr für Eigentum oder Umwelt in großem Ausmaß entstehen", wie es in der entsprechenden Verordnung heißt. Polizeisprecher Daniel Fürst sagte gegenüber der ORF-Sendung "Wien heute", dass es bereits nach den ersten Stunden eine neue Einschätzung der Lage geben werde. Das Platzverbot kann bis zu drei Monate lang gelten.

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