Europa

Polen kauft als erstes EU- und NATO-Mitgliedsland türkische Kampfdrohnen

Polen bekommt als erstes EU- und NATO-Land künftig bewaffnete Drohnen aus türkischer Produktion. Dies verkündeten sowohl das polnische Verteidigungsministerium am Wochenende, als auch der polnische Präsident Duda bei einem Besuch in Ankara am Montag.
Polen kauft als erstes EU- und NATO-Mitgliedsland türkische KampfdrohnenQuelle: AFP © Birol Bebek

Polen wird 24 bewaffnete Drohnen aus der Türkei kaufen, erklärte der polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak am vergangenen Samstag. Damit ist Polen das erste NATO-Mitgliedsland, das unbemannte Luftfahrzeuge aus türkischer Produktion bestellt. Es handelt sich um die Bayraktar TB2-Drohnen, von denen die ersten bereits im nächsten Jahr geliefert werden sollen. Sie werden mit Panzerabwehrgeschossen bewaffnet sein. 

Das gesamte Paket inklusive Personalschulung habe einen Umfang von rund 270 Millionen Dollar, teilte das Ministerium in Warschau mit.

Błaszczak habe laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber staatlichem Radio erklärt, die Bayraktar TB2-Drohnen hätten sich in Kriegen "bewährt" und hinzugefügt, dass die unbemannten Flugkörper von einem Militärunternehmen gewartet werden würden, ohne weitere Details zu nennen. Die Türkei hatte ihre hochmodernen bewaffneten Drohnen in den vergangenen Jahren etwa während der Militäroffensive "Frühlingsschild" 2020 in Nordsyrien eingesetzt.

Der polnische Präsident Andrzej Duda reiste Anfang der Woche zu einem offiziellen Besuch nach Ankara, bei dem auch der Kaufvertrag unterzeichnet wurde. Nach dem Treffen erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei der Pressekonferenz: 

"Mit dem vorhin unterschriebenen Dokument wird die Türkei zum ersten Mal in ihrer Geschichte unbemannte Drohnen in ein Land exportieren, das Mitglied der NATO und der Europäischen Union ist."

Duda ergänzte, dass die militärische Zusammenarbeit zwischen NATO-Partnern etwas "ganz Natürliches" sei. Der türkische Präsident lobte die Kampfdrohnen seines Landes und sagte, "wir sind eines der besten drei, vier Länder der Welt" bei der Hardware. Erdoğan fügte hinzu, dass man sich freue, "diese Erfahrungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten mit unserem NATO-Verbündeten Polen zu teilen".

Seit 2014 sind die Bayraktar TB2-Drohnen Bestandteil der türkischen Armee. Inzwischen wurden die unbemannten Kampfflieger des türkischen Rüstungsunternehmens Baykar Technologies in mehrere andere Länder verkauft, wie etwa in die Ukraine, nach Katar oder Aserbaidschan.

In den vergangenen Jahren wurde die Flotte an unbemannten Luftfahrzeugen in der türkischen Armee intensiv ausgebaut. Vor allem wird dabei auf die heimische Drohnentechnologie gesetzt. Neben Bayraktar verfügen die türkischen Streitkräfte auch über das Modell Anka-S.

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