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"Unsterbliches Regiment" im ukrainischen Parlament – Abgeordnete protestieren gegen Nazi-Ehrung

Mit einer medienwirksamen Aktion haben die Abgeordneten der Oppositionsplattform gegen die Umschreibung der ukrainischen Geschichte protestiert. Sie verurteilen die Verehrung der Nazi-Kollaborateure und riefen die Ukrainer auf, am Tag des Sieges auf die Straße zu gehen.

Abgeordnete der Partei "Oppositionsplattform – Für das Leben" sind bei einer Plenarsitzung des ukrainischen Parlaments Werchowna Rada mit Porträts der Teilnehmer des Zweiten Weltkrieges auf die Tribüne gekommen. Der Abgeordnete Wadim Rabinowitsch sagte in einer kurzen Rede, dass die Ukraine ihre wahren Helden nicht vergessen sollte. Als nächstes sprach der Politiker und Ex-Präsidentschaftskandidat über die Großväter, die "keine Angst hatten, dem Tod in die Augen zu schauen, um des Sieges willen".

Rabinowitsch merkte an, dass er ein Foto von seinem Vater und den Verwandten seiner Kollegen und "hervorragenden Kommandeuren" der UdSSR mitgebracht habe. Er sagte:

"Wir sind die Nachfahren der Sieger. (…) Wie konnte es sein, dass auf den Straßen unserer Städte Anhänger der SS-Divisionen marschieren? Wie konnte es sein, dass in der Ukraine, die den größten Beitrag zum Sieg der Sowjetarmee geleistet hatte, die Denkmäler für die heldenhaften Befreier abgerissen und für die Mörder, die die Ukraine verraten hatten, errichtet werden?"

Damit spielte der Oppositionspolitiker auf den Marsch zu Ehren der SS-Division "Galizien" an, die am Tag zuvor zum ersten Mal in der ukrainischen Hauptstadt stattgefunden hatte. Die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS "Galizien" wurde im Frühjahr-Sommer 1943 aus Freiwilligen in Lemberg gebildet. Der traditionelle Eid der SS verlangte einen Treueeid, unter anderem auf den "Führer" Adolf Hitler.

"Galizien" zählte bis zu 53.000 freiwillige Kämpfer und wurde in den Jahren 1943 bis 1945 gegen die anrückenden Verbände der Roten Armee eingesetzt. Viele ihrer Angehörigen schlossen sich Verbänden der faschistischen Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) an. Lange Zeit galt deren Verehrung als westukrainisches Phänomen, und die Märsche der "Galizien"-Anhänger kamen nicht über die Grenzen der Region hinaus.

Die Aktion der Oppositionsplattform erinnerte stark an den populären Massenmarsch "Unsterbliches Regiment". Die Teilnehmer der Aktion gehen am Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus am 9. Mai auf die Straße und tragen Schilder mit den Fotos der Kriegsteilnehmer aus ihren Familien. Sie hat ihren Ursprung in Russland, inzwischen zieht sie Millionen Teilnehmer an und findet in Dutzenden Städten auf der ganzen Welt statt.  

"Wir in der Ukraine sind eine absolute Mehrheit. Und wir müssen es am 9. Mai demonstrieren, damit es alle sehen! Keiner wird vergessen, nichts wird vergessen", sagte Rabinowitsch und schloss seine Rede mit einem Satz aus der Radioansprache des Vorsitzenden des Rates der Kommissare der UdSSR Wjatscheslaw Molotow ab, die er am Tag des Überfalls der Hitler-Truppen auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 gehalten hatte:

"Unsere Sache ist gerecht, der Feind wird zerschlagen. Der Sieg wird unser sein!"

Die deutsche Botschafterin in der Ukraine, Anka Feldhusen, hat den Marsch zu Ehren der Waffen-SS-Division in einer Twitter-Botschaft ebenso verurteilt.

"Die Divisionen der Waffen-SS waren während des Zweiten Weltkriegs an den grausamen militärischen Verbrechen und dem Holocaust beteiligt. Freiwilligenorganisationen, die heute in der Ukraine arbeiten und für sie kämpfen, sollten mit ihnen nicht in Verbindung gebracht werden", schrieb sie.

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