Europa

Orbán: Coronavirus nur mit Impfungen aufzuhalten, nicht allein mit Lockdowns

Der ungarische Ministerpräsident steht innenpolitisch aufgrund der Corona-Statistiken seines Landes unter Druck, einen härteren Kurs einzuschlagen. Er kann jedoch auf die zweitschnellste Impfrate in der gesamten Europäischen Union verweisen.
Orbán: Coronavirus nur mit Impfungen aufzuhalten, nicht allein mit LockdownsQuelle: AFP © BARTOSZ SIEDLIK

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat erklärt, dass Lockdowns bei der Verhinderung einer Ausbreitung des Coronavirus ineffektiv sind, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Der Spitzenpolitiker erklärte in einem Interview, das am Mittwochabend teilweise ausgestrahlt wurde:

"Abriegelungen oder Sperrungen können seine Ausbreitung nur verlangsamen, aber nicht aufhalten."

Orbán steht in seinem Land in der Kritik. Die Opposition wirft ihm vor, angesichts der dritten Pandemiewelle zu wenig zu unternehmen. Ungarn meldete am Mittwoch 302 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus, was einen zehnprozentigen Anstieg gegenüber dem Vortag markiert. Eine EU-Agentur berichtete laut der Nachrichtenagentur Associated Press am Montag, dass das Land innerhalb eines zweiwöchigen Zeitraums weltweit die höchsten Todeszahlen pro Kopf in Zusammenhang mit dem Virus aufweist. Im Gesamtverlauf weist Ungarn weltweit die dritthöchste pandemiebezogene Todesrate auf.

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Der Forderungen mehrerer Ärzte, einen härteren Lockdown umzusetzen, widersetzte sich die ungarische Regierung bisher. Am vergangenen Freitag erklärte Orbán:

"Ich habe keinerlei Zweifel, dass wir in Ungarn einen Sommer der Freiheit erleben werden."

Zudem verwies er darauf, dass das Land die zweitschnellste Impfrate innerhalb der Europäischen Union vorlegt.

Um diese hohe Impfrate zu erreichen, verließ sich das Land nicht allein auf die durch die EU zugesicherten Impfkontingente, sondern erwarb auch eigenständig weitere Impfdosen aus China und Russland. Zum Teil massiver Kritik aus anderen EU-Staaten zum Trotz. Mitte März hatte der ungarische Außenminister kritisiert, dass das Land Ziel einer "großen politischen Attacke" geworden sei, weil man bei der Beschaffung von Impfstoffen "nach Osten statt nach Westen geschaut" habe.

Auch Orbán äußerte sich mehrfach kritisch über das EU-Impfprogramm, welches er als zu langsam einstuft.

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