Europa

Studie unter Jugendlichen: Corona-Maßnahmen führen zu massiver Zunahme von Depressionen

Lockdown, keine Schulen, kein Sport: Eine Studie aus Österreich zeigt, dass dies Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Jugendlichen hat. So habe gut jeder Sechste suizidale Gedanken. Mehr als die Hälfte würde unter depressiven Symptomen leiden.
Studie unter Jugendlichen: Corona-Maßnahmen führen zu massiver Zunahme von DepressionenQuelle: www.globallookpress.com © Frank May / picture alliance

Im Rahmen einer Studie hat die Donau-Universität Krems in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien im Februar 3.052 Schülerinnen und Schüler (ab 14 Jahre) aus ganz Österreich zu ihrer psychischen Gesundheit befragt. Die Ergebnisse seien alarmierend und zeigen, dass die Corona-Maßnahmen psychische Symptome vervielfacht haben. 

Der Studienleiter Christoph Pieh erklärte in einer Mitteilung auf der Website der Donau-Universität:

"Die Häufigkeit depressiver Symptome, Angstsymptome, aber auch Schlafstörungen hat sich mittlerweile verfünf- bis verzehnfacht, Tendenz steigend."

Die Ergebnisse sind laut ihm besorgniserregend. "Insbesondere, dass so ein hoher Anteil an Jugendlichen aktuell suizidale Gedanken hat", sagte Studienleiter Pieh von der Donau-Universität Krems.

Laut Studie würden 56 Prozent unter einer depressiven Symptomatik leiden. Die Hälfte leide unter Ängsten, ein Viertel unter Schlafstörung und 16 Prozent hätten suizidale Gedanken. Das wäre gut jeder sechste befragte Jugendliche.

Psychosozialen Folgen der Pandemie stärker bei politischen Entscheidungen berücksichtigen

Der Studienautor Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien, erklärte: 

"Ganz besonders alarmierend ist die Tatsache, dass rund 16 Prozent entweder täglich oder an mehr als der Hälfte der Tage suizidale Gedanken angeben. Das ist im Vergleich zu den letzten verfügbaren Daten aus Österreich ein deutlicher Anstieg."

Die Experten sehen einen "dringenden Handlungsbedarf". Zudem appellierten sie eindringlich an die Politik, "bei zukünftigen Entscheidungen die psychosozialen Folgen der Pandemie stärker zu berücksichtigen".

Mehr als fünf Stunden am Tag am Handy

Unter anderem zeigten die Ergebnisse der Studie, dass einerseits die körperliche Bewegung der Jugendlichen in der COVID-19-Pandemie "deutlich" abgenommen habe, während andererseits bei der Handynutzung ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen sei. Demnach würde rund die Hälfte der Schülerinnen und Schülern täglich fünf oder mehr Stunden am Smartphone verbringen. Der Studienleiter und auch Experte für Gesundheitsforschung, Pieh, betonte hierzu: 

"Das ist umso bedenklicher, als dass mit steigender täglicher Handynutzung auch die Häufigkeit psychischer Beschwerden deutlich zunimmt."

Im Vergleich zu 2018 habe sich die Zeit der Handynutzung etwa verdoppelt. Die Experten betonten, dass neben einer raschen und je nach Schwere angepassten psychischen Betreuung auch die körperliche Bewegung gefördert werden solle. Demnach komme hier den Schulen "eine wichtige Rolle zu, die deutlich über den Unterricht hinausgeht". Pieh erklärte dazu: 

"Die Öffnung der Schulen ist ein wichtiger Schritt, einerseits um den sozialen Kontakt und persönlichen Austausch zu ermöglichen, andererseits um den Schülerinnen und Schülern auch eine regelmäßige Tagesstruktur und -ablauf zu bieten."

Der Experte für Kinder- und Jugendpsychiatrie betonte, dass nun erforderlich sei, "die Aufmerksamkeit auf die Einhaltung eines Tag-Nacht-Rhythmus mit ausreichendem Schlaf, auf körperliche Betätigung und die Wiederaufnahme sozialer Kontakte" zu legen. Wenn aber die Probleme zu groß werden, sollte Hilfe in Anspruch genommen werden.

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