Europa

Zu teuer und ungewollt: Die Schwierigkeiten der Ukraine mit dem AstraZeneca-Impfstoff

Lange hat die Ukraine auf einen Impfstoff gewartet. Doch die kürzlich begonnene Kampagne stößt schon auf Schwierigkeiten. Die Skepsis gegenüber dem Impfstoff ist groß, aber auch ein weiteres Problem macht der ukrainischen Regierung zu schaffen.
Zu teuer und ungewollt: Die Schwierigkeiten der Ukraine mit dem AstraZeneca-ImpfstoffQuelle: AFP © Sergei SUPINSKY

Medizinische Einrichtungen in der Ukraine haben einige der COVID-19-Impfstoffe weggeworfen, nachdem Ärzte nicht zu ihren geplanten Terminen für Impfungen erschienen waren, sagten Abgeordnete der Regierungspartei am 1. März.

In der nördlichen Stadt Tschernihiw erklärten sich nur 87 von 280 Ärzten bereit, sich impfen zu lassen, sagte der Sekretär des Stadtrats in einem Facebook-Post am 24. Februar.

Die Ukraine hatte gerade ihre Impfkampagne gegen das Coronavirus für ihre 41 Millionen Einwohner gestartet, nachdem sie die erste Charge von 500.000 Dosen erhalten hatte. Das Vakzin von AstraZeneca wurde am "Serum Institute" in Indien hergestellt.

Die ukrainische Regierung hatte medizinisches Personal für die Verabreichung der ersten Dosen priorisiert, zitierte aber Statistiken, die zeigen, dass mindestens 47 Prozent der Bürger den Impfstoff nicht wollen.

Der Leiter des Gesundheitsausschusses des Parlaments, Mykhailo Radutskyi beklagte, dass es "schlecht" ist, dass die Behörden einige der COVID-19-Impfstoffe wegwerfen müssen, er sagte aber auch: "Es gibt keine andere Möglichkeit... Wenn eine Person nicht kommt, kann sie (die Impfstoffampulle) für 2 bis 3 Stunden geöffnet bleiben, danach muss sie entsorgt werden."

Die ukrainische Regierung hatte die Europäische Union und die EU-Mitgliedsstaaten um Hilfe bei der Beschaffung von Impfstoffen gebeten, da sie den Kauf des Impfstoffs Sputnik V aus Russland aufgrund der schwierigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ablehnt.

Im Februar hatte die Europäische Kommission die Absicht Polens unterstützt, die Ukraine mit einer zusätzlichen Charge von 1,2 Millionen Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca zu versorgen.

Korruption bei der Beschaffung?

Das Gesundheitsministerium stimmte im Dezember auch zu, 1,9 Millionen Dosen von Chinas Sinovac zu 18 Dollar pro Dosis über einen ukrainischen Vermittler, das Pharmaunternehmen Lekhim, zu kaufen.

Anti-Korruptions-Aktivisten mahnten, der Deal sei teuer gewesen, und ein Staatsanwalt sagte am Mittwoch, das ukrainische Anti-Korruptions-Büro habe eine Untersuchung darüber eingeleitet, ob die Regierung zu viel bezahlt hätte.

Tests auf Antikörper haben aber gezeigt, dass bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht habe. Dies teilte die Laborkette Sinewo Medienberichten zufolge mit.

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist aus Angst vor Nebenwirkungen traditionell misstrauisch gegenüber Impfstoffen. Es wird vermutet, dass es erst dadurch im Jahr 2019 zu einem Masernausbruch kam. Offizielle Stellen sprechen von ca. 1,3 Millionen COVID-19-Fällen, etwa 25.000 Menschen sollen in der Ukraine verstorben sein.

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(rt/reuters)

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