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"Leben wieder hochfahren" – Dänemark will digitalen Corona-Impfpass

Die Regierung in Kopenhagen kündigte an, einen digitalen Corona-Pass mit Impfdaten auf den Weg zu bringen – in etwa "drei, vier Monaten". Laut Beschreibungen könnte es eine Art Extra-Pass sein, den man künftig auf seinem Smartphone bei sich haben könnte.
"Leben wieder hochfahren" – Dänemark will digitalen Corona-ImpfpassQuelle: AFP © Claus Fisker / Ritzau Scanpix

Der dänische Finanzminister Morten Bødskov erklärte bei einer Pressekonferenz in Kopenhagen, die dänischen Unternehmen müssten wieder in die Spur kommen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Und ein wichtiger Teil davon sei ein digitaler Impfpass, wie er am Mittwoch erklärte.

Laut der Ankündigung der Regierung soll in etwa "drei, vier Monaten" ein digitaler Corona-Pass mit Impfdaten zum Einsatz kommen, um das öffentliche Leben im Land hochzufahren. Bis Ende Februar können die Dänen demnach ihren Status online überprüfen und ihre Impfpässe ausdrucken.

Laut der Beschreibung des Finanzministers Bødskov könnte es sich dabei zum eine Art Extra-Pass handeln, den man künftig auf seinem Smartphone bei sich haben könne und der "dokumentiert, dass Sie geimpft wurden". Der Minister ergänzte: 

"Wir können zu den ersten in der Welt gehören, die ihn haben, und können ihn dem Rest der Welt zeigen."

Die Regierung plant, mit Wirtschaftsverbänden wie dem Verband der dänischen Industrie, der die großen dänischen Unternehmen vertritt, sowie der dänischen Handelskammer zusammenzuarbeiten, um das neue System einzuführen.

Bødskov betonte, dass die Gesellschaft weitermachen müsse, wenn die Menschen geimpft worden seien. Offenbar soll der Impfpass zunächst vor allem Dienstreisenden das Leben erleichtern. So erklärte der Minister am Mittwoch, dass es darum gehe, "die richtige technologische Lösung zu finden, damit wir Möglichkeiten im Bereich der Kultur sowie in der dänischen Gesellschaft bekommen. Und das damit auch diejenigen, die reisen müssen, etwa aus geschäftlichen Gründen, auch eine Chance haben, dies zu tun".

Der Finanzminister betonte jedoch zugleich, dass andere Auflagen wie etwa die Abstandsregeln oder das Tragen von Masken durch die digitalen Pässe nicht aufgehoben werden würden.

Auch Schweden will offenbar bis zum Sommer einen digitalen Impfpass einführen, mit dem man unter anderem seine Corona-Impfungen nachweisen kann. Mehrere Behörden seien mit der Umsetzung beauftragt worden, teilte die schwedische Regierung am Donnerstag mit. Ziel sei es, dass die digitale Infrastruktur für die Nachweise bis zum 1. Juni steht. Digitalisierungsminister Anders Ygeman sagte am Donnerstag:

"Mit einer digitalen Impfbescheinigung wird es schnell und einfach, durchgeführte Impfungen nachzuweisen."

Seine Regierung wies darauf hin, dass solche Impfnachweise künftig von manchen Ländern bei der Einreise oder auch in anderem Zusammenhang – etwa bei Kultur- und Sportveranstaltungen – gefordert werden könnten.

Tatsächlich hatten bereits mehrere Staaten wie etwa Belgien, Zypern, Griechenland und Spanien Interesse an Passplänen bekundet, die Reisenden dabei helfen sollten, die verhängten Quarantäneauflagen zur Vermeidung einer Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus in den jeweiligen Ländern zu umgehen. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuletzt im Januar mitgeteilt, sie sei "vorerst" gegen die Einführung von Impfpässen, da es "zu viele grundlegende Unbekannte" über die Effektivität von Impfstoffen gebe.

Kritiker dieser Art von Pässen verweisen stets darauf, dass jene die Rechte der Europäer gefährdeten, indem sie die Menschen aufgrund ihres Gesundheitszustandes in Kategorien einteilten, den Nichtgeimpften den Zugang zu öffentlichen Diensten verwehrten und die Tür für eine Gesundheitsüberwachung öffneten, die das Recht des Einzelnen auf Privatsphäre verletzte.

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