Europa

EU lenkt im Impfstoffstreit zwischen London und Brüssel ein: Keine EU-Kontrollen in Nordirland

Ausgerechnet die heikle Frage um die nordirisch-irische Grenze gerät in den Fokus um den Impfstoffstreit zwischen Großbritannien und der EU. Brüssel will den Export von Vakzinen künftig kontrollieren. An der EU-Außengrenze zu Nordirland sorgt dies aber für Irritationen.
EU lenkt im Impfstoffstreit zwischen London und Brüssel ein: Keine EU-Kontrollen in NordirlandQuelle: Reuters © PHIL NOBLE

Als Reaktion auf massive Lieferkürzungen des Impfstoffherstellers AstraZeneca will die EU künftig stärker überwachen, wohin und wie viel man den in der EU produzierten Impfstoff exportiert. In einer ersten Erklärung klang es jedoch, als wolle Brüssel für dieses Vorhaben an der irisch-nordirischen Grenze Kontrollen durchführen und damit einen Notfallmechanismus des sogenannten Nordirland-Protokolls aktivieren. Der offenbar weder mit Dublin noch mit London abgestimmte Schritt rief Empörung in Großbritannien und vor allem in Nordirland hervor. Die EU wollte sich mit diesem Schritt wohl davor schützen, dass über Nordirland als Hintertür doch unreguliert Impfstoffdosen nach Großbritannien gelangen.

Erst am späten Freitagabend lenkte die EU-Kommission ein und versprach in einer Mitteilung, bei ihren Exportkontrollen von Impfstoffen das Nordirland-Protokoll "unberührt" zu lassen. Man werde die Schutzmaßnahmen-Klausel des Protokolls nicht aktivieren.

Der Streit hatte sich in den Stunden zuvor zur diplomatischen Krise zwischen London und Brüssel entwickelt. Boris Johnson sprach von "schwerer Besorgnis", Nordirlands Regierungschefin Arlene Foster sogar von einem "Akt der Feindlichkeit". In der Nacht zum Samstag berichtete dann EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von "konstruktiven Gesprächen" mit Johnson und teilte auf Twitter ferner mit:

"Wir sind uns im Prinzip einig geworden, dass es keine Beschränkungen beim Export von Impfstoffen durch Unternehmen geben soll, wenn diese ihre vertraglichen Pflichten erfüllen."

Von der Leyen twitterte außerdem, sie habe sich mit dem irischen Premier Micheal Martin auf einen "zufriedenstellenden Weg" für die Überwachung der Impfstoffexporte geeinigt. Weitere Details sollten im Laufe des Samstags bekannt gegeben werden.

Die Europäische Union und das Vereinigte Königreich haben nur eine einzige Landgrenze, die zwischen dem EU-Mitgliedsland Irland und der britischen Provinz Nordirland verläuft. Im Zuge der Brexit-Verhandlungen ist jedoch vereinbart worden, dass an dieser Grenze keinesfalls Kontrollen stattfinden sollen, um den zerbrechlichen Frieden in der ehemaligen Bürgerkriegsregion Nordirland nicht zu gefährden. (dpa)

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