Europa

Weltärztepräsident Montgomery fordert Exportverbot für AstraZeneca außerhalb der EU

Der Streit um die Liefermenge von Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca mit der EU dauert an. Um der EU genügend Impfstoff zu sichern, fordert der Weltärztepräsident nun, man müsse dem Unternehmen verbieten, den Impfstoff "außerhalb der EU auszuliefern".
Weltärztepräsident Montgomery fordert Exportverbot für AstraZeneca außerhalb der EUQuelle: www.globallookpress.com © Frank Hoermann / SVEN SIMON

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca steht in der EU kurz vor der Zulassung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will voraussichtlich heute ihre Entscheidung bekannt geben. Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery betrachtet das sehr skeptisch. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) kritisiert er das Unternehmen für dessen Lieferpolitik deutlich: "Das Verhalten von AstraZeneca ist unterirdisch."

"Es kann nicht sein, dass das Unternehmen seine Lieferzusagen für Großbritannien genau einhält, für die EU aber nur einen Bruchteil der zugesagten Impfdosen liefert."

Daher brauche es eine "harte" Reaktion der EU, damit genug Impfdosen zur Verfügung stehen:

"Wenn der Impfstoff auf kontinentaleuropäischem Boden produziert wird, muss man dem Unternehmen verbieten, ihn außerhalb der EU auszuliefern."

AstraZeneca steht aktuell in der Kritik, weil es von den ursprünglich versprochenen 80 Millionen Dosen für die EU nun nur 31 Millionen liefern will. Ein Krisengespräch zwischen der EU-Kommission und dem Impfstoffhersteller ging am Mittwoch ohne Ergebnis zu Ende. Die EU-Kommission vermisst nach eigenen Aussagen eine "plausible Erklärung", warum der Pharmakonzern AstraZeneca vorerst nicht die erwartete Zahl an Corona-Impfstoffdosen liefern wird. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte: "Wir wollen wissen, was los ist."

Am Donnerstag gab die belgische Gesundheitsbehörde bekannt, dass ihre Mitarbeiter das AstraZeneca-Werk in Seneffe (Belgien) inspizieren werden. Hintergrund dessen ist ein Verdacht der EU-Kommission, dass AstraZeneca möglicherweise bewusst weniger Impfstoff an die EU liefert, um ihn teurer an andere Nicht-EU-Länder zu verkaufen. Der Pharmakonzern streitet das vehement ab und verweist auf technische Probleme im Werk in Belgien. Die Untersuchung soll zeigen, ob tatsächlich Produktionsprobleme in Seneffe vorliegen. Bislang liegen keine Ergebnisse vor.

Von der Leyen besteht darauf, dass die EU mit AstraZeneca klare Liefermengen vereinbart habe. Das Unternehmen habe versichert, dass andere Verpflichtungen einer Erfüllung dieses Vertrags nicht entgegenstünden. AstraZeneca hingegen behauptet, dass nie Garantien für bestimmte Liefermengen abgegeben worden seien. Klarheit könnte eine Teil-Veröffentlichung des Vertragswerks bringen, die heute erfolgen soll. Einige geschäftliche Passagen bleiben jedoch geschwärzt.

Der Impfstoff von AstraZeneca geriet zudem in die Kritik, da seine Wirksamkeit für Personen über 65 Jahren von Studien nicht verlässlich bestätigt werden kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt daher, den Impfstoff nur für Personen zwischen 18 und 64 Jahren einzusetzen.

Als Konsequenz der STIKO-Empfehlung sprach sich die SPD-Vorsitzende Saskia Esken gegenüber der Funke Mediengruppe dafür aus, den Impfstoff von AstraZeneca nur an Patienten unter 65 Jahren zu verabreichen.

"Wir müssen zum einen umgehend alternative Impfstoffe für über 65-Jährige beschaffen und zum anderen die Impfreihenfolge für den in Kürze eintreffenden AstraZeneca-Impfstoff neu koordinieren."

So könnten damit etwa "vor allem Klinik- und Pflegepersonal" geimpft werden und somit "von den nun freien Ressourcen profitieren".

Kritik an der Empfehlung der STIKO kommt dagegen aus Großbritannien. Der britische Premierminister Boris Johnson bezieht Position für AstraZeneca:

"Unsere eigene Zulassungsbehörde hat sehr klargemacht, dass der Oxford/AstraZeneca-Impfstoff sehr gut und wirksam ist und bereits nach einer Dosis eine sehr hohe Schutzwirkung bietet – und sogar noch mehr nach zwei Dosen."

Mehr zum Thema - AstraZeneca reduziert Impfstofflieferungen an EU um 60 Prozent – Spahn warnt vor Schuldzuweisungen

Sehr geehrte RT DE-Leser,

wir sind auf einen neuen Dienst für die Kommentarfunktion umgestiegen.

Da wir die Privatsphäre unserer Leser respektieren und Ihre Daten nicht an eine Drittplattform übermitteln werden, müssen Sie sich erneut registrieren. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit und hoffen, dass sie sich weiterhin mittels der Kommentarfunktion über aktuelle Themen austauschen und informieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre RT DE-Redaktion