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Nach Plagiatsvorwürfen: Österreichische Arbeitsministerin tritt zurück

Die österreichische Familien- und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) ist wegen Plagiatsvorwürfen zurückgetreten. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Montag den Wiener Volkswirtschaftsprofessor Martin Kocher als neuen Arbeitsminister angelobt.
Nach Plagiatsvorwürfen: Österreichische Arbeitsministerin tritt zurückQuelle: www.globallookpress.com © Tobias Steinmaurer

Der Plagiatsprüfer Stefan Weber hatte am 7. Januar Auszüge aus Aschbachers Diplomarbeit veröffentlicht. Er sei auf die Idee gekommen, ihre wissenschaftliche Arbeit unter die Lupe zu nehmen, nachdem ihm bei ihren TV-Auftritten holperiges Deutsch und eine fehlerhafte Grammatik aufgefallen waren, erklärte Weber in seinem Blog. Er resümierte: "Die Arbeit ist eine einzige wissenschaftliche Katastrophe und daher besser dem Bereich der Nicht-Wissenschaft zuzuordnen". Zwei Tage später gab die ÖVP-Politikerin ihren Rücktritt bekannt.

Aschbacher begründete ihre Entscheidung mit einer Vorverurteilung durch "Medien und die politischen Mitstreiter". Sie wolle ihre Familie vor Anfeindungen schützen. Die 37-Jährige wies Webers Vorwürfe zurück. Sie habe ihre Diplomarbeit und Dissertation stets "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst und der Beurteilung durch anerkannte Professoren vertraut.

Die Politikerin hat zwei akademische Titel. Ihre Dissertation hatte sie im vergangenen Mai an der Technischen Universität Bratislava (STU) in der Slowakei eingereicht. Die STU erklärte, sie werde Aschbachers Doktorarbeit eingehend prüfen, wie die slowakische Nachrichtenagentur TASR am Sonntag meldete. Ihre Diplomarbeit schrieb die Politikerin bereits im Jahr 2006 an der Fachhochschule in Wiener Neustadt. Laut Weber soll etwa ein Fünftel der Arbeit plagiiert sein. Er warf der Ministerin in seinem Blog im scharfen Ton auch "Kauderwelsch" und Mangel an Deutschkenntnissen vor. 

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz twitterte, Aschbacher habe als Arbeits- und Familienministerin "in einer nie dagewesenen Krisensituation tagtäglich mit vollstem Einsatz gearbeitet". Er respektiere ihre Entscheidung zurückzutreten. 

Aschbachers Nachfolger für das Ressort als Arbeitsminister ist der Ökonom Martin Kocher. Er wurde am Montag angelobt. Der 47-Jährige leitete bisher das Wiener Institut für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung (IHS) als eines der renommierten Sozial- und Wirtschaftsforschungsinstitute Österreichs. Bis 2017 war er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig. Bei seiner Vorstellung sagte Kocher, er habe das Angebot, in das Kabinett von Kurz einzutreten, nur wegen der besonderen wirtschaftlichen Umstände angenommen. Die pandemiebedingt tiefe Wirtschaftskrise werde für einige Zeit andauern. Das mache es umso wichtiger, Expertise einzubringen.

Aschbachers bisherige Ressorts für Familie und Jugend übernimmt die für Integrations- und Frauenfragen zuständige Ministerin im Kanzleramt Susanne Raab.

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