Europa

Mohammed-Karikaturen im Unterricht: Norwegische Lehrerin findet Worte wichtiger als Zeichnungen

Der französische Lehrer Paty wurde in der Öffentlichkeit nahezu enthauptet. Der Mord war eine Reaktion darauf, dass er es gewagt hatte, seinen Schülern Mohammed-Karikaturen zu zeigen. In Norwegen fordern viele Lehrer dazu auf, es Paty gleichzutun. Eine Lehrerin setzt auf andere Methoden.
Mohammed-Karikaturen im Unterricht: Norwegische Lehrerin findet Worte wichtiger als ZeichnungenQuelle: www.globallookpress.com © Michael Weber/imagebroker.com

Samuel Paty hatte es den muslimischen Schülern freigestellt, sich die Karikaturen aus der Feder des Satiremagazins Charlie Hebdo nicht ansehen zu müssen, falls sie sich hierdurch beleidigt fühlen könnten. Es folgten Drohungen und schließlich der brutale Mord in der Öffentlichkeit. In Frankreich entbrannte einmal mehr eine Diskussion um die Meinungsfreiheit. 

Kjersti Marie Heldaas unterrichtet  in der Sekundarstufe II Norwegisch, Geografie und Sozialwissenschaften. In einem Gastbeitrag in der norwegischen Zeitung Aftenposten setzt sie sich mit dem Fall Patys auseinander. Sie selbst aber sei vorsichtig und zeige zunächst keine Karikaturen. Der Beitrag entstand aus der Debatte im Land, wie mit dem Thema Meinungsfreiheit umgegangen werden soll.

In Norwegen, so Heldaas, argumentierten viele Lehrer, dass es jetzt an der Zeit sei, die Karikaturen zu zeigen. Allein schon aus Respekt gegenüber Paty. 
Gegenüber RT sagte Heldaas, dass sie die Karikaturen passend findet im Unterricht, "wenn es einen guten Plan gibt, wofür sie genutzt werden". In ihrem Unterricht, wenn es um Meinungsfreiheit geht, beginnt sie mit einem älteren Text, in dem das Christentum kritisiert wird:

"Um den Schülern zu zeigen, dass wir Texte haben, die sehr kritisch mit unserer Kultur umgehen." 

Dies nutzt sie als Basis, um dann in die Gegenwart überzugehen, wie heute kritisch mit Religion umgegangen wird: 

"Wenn ich wollte, könnte ich den Schülern die Mohammed-Karikaturen zeigen." 

Aber sie findet es einfach, darüber zu sprechen, ohne die Karikaturen zeigen zu müssen. 

Das Satiremagazin Charlie Hebdo ist durch seine bissigen Karikaturen bekannt. Am 7. Januar 2015 wurde die Redaktion in Paris Opfer eines islamistisch motivierten Terroranschlags. Elf Personen wurden dabei getötet. Die Karikaturen hatten zu internationalen Protesten geführt. 

"Methodenfreiheit ist wichtig"

In Aftenposten schreibt die Lehrerin:

"Ich selbst habe beschlossen, erstmal zu warten, bis ich die Karikaturen zeige." 

Der Mord an Paty habe sie sich selbst verletzlich fühlen lassen. Es sei ein Angriff auf ihren Berufsstand gewesen. 

Falsch sei es nicht, Karikaturen zu zeigen, so Heldaas. Aber die Karikaturen können nicht das Ziel des Unterrichts sein, betont sie im Interview mit RT.

In Norwegen überlässt die Ministerin für Bildung und Integration, Guri Melby, jedem einzelnen Lehrer das Einbeziehen der Karikaturen im Unterricht. Melby versprach den Lehrer ihre Unterstützung – ganz gleich, wie sie sich entscheiden. 

"Das Unangenehme diskutieren"

Bislang sei die Meinungsfreiheit in der norwegischen Schule eine Selbstverständlichkeit gewesen: 

"In letzter Zeit haben wir es als selbstverständlich angesehen, dass wir ziemlich frei und ungehindert über das Thema unterrichten konnten. Wir können über Tabuthemen sprechen und dies mit einem Gefühl der Sicherheit und des Wissens, dass wir den Schülern durch Kontextualisierung ein Gesamtbild vermitteln, das sie in kritischem Denken schult." 

Dies bedeute auch, man müsse "das Unangenehme diskutieren". Dass nun die Redefreiheit der Lehrer bedroht sei, darüber müsse gesprochen werden. 

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