Europa

Streit mit Briten um Fischgründe: Merkel fordert Kompromisse zum Schutz deutscher Autos

Die Zeit für einen "Brexit-Deal" mit den Briten wird knapp. Strittig bleibt eine Regelung der Fischereirechte. Die Bundeskanzlerin fordert hier Zugeständnisse, um die deutsche Automobilbranche zu schonen. Überzeugungsarbeit muss sie bei ihrem französischen Kollegen Macron leisten.
Streit mit Briten um Fischgründe: Merkel fordert Kompromisse zum Schutz deutscher AutosQuelle: www.globallookpress.com © Markus Schreiber

Der EU-Chefunterhändler Michael Barnier blickt wenig optimistisch in die Zukunft, wenn es um eine Brexit-Vereinbarung mit Großbritannien geht. Bis zum 31. Dezember müsste es einen Kompromiss geben, damit ein "No-Deal-Brexit" abgewendet werden kann. Es geht um die Regelung des Handels und die strittigen Fischereirechte. 

Die EU fischt jährlich 760.000 Tonnen in den Gewässern von EU und Großbritannien. Der Anteil Großbritanniens macht 90.000 Tonnen pro Jahr aus. Während vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron erwartet wird, die Rechte seiner Fischer bei den Brexit-Verhandlungen zu schützen, will die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Automobilbrache ihres Landes schonen. In privaten Unterhaltungen soll Merkel bereits versucht haben, Macron von der Wichtigkeit der Automobilproduktion zu überzeugen. 

Scheidet Großbritannien ohne eine Einigung aus der Europäischen Union aus, könnten 100.000 Arbeitsplätze allein in der Textilindustrie innerhalb der EU verloren gehen. Alle Folgen eines harten Brexits lassen sich nicht absehen. Der Chefunterhändler Barnier wird in den nächsten Tagen in London verhandeln. Er sieht es jedoch wenig Basis für Verhandlungen, wenn die britische Regierung nicht zu Kompromissen bereit ist.   

Der britische Premierminister Boris Johnson fordert einen Marktzugang zur EU mit möglichst wenig Einschränkungen. Die Unterstützer des Brexits in London sehen in der Haltung der EU eine "extreme Position", die ein Abkommen verhindern und fordern von Johnson Unnachgiebigkeit. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich unsicher über den Ausgang der Verhandlungen: 

Dies sind entscheidende Tage für Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich. Aber ehrlich gesagt kann ich Ihnen heute nicht sagen, ob es am Ende eine Einigung geben wird. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um eine Einigung zu erzielen. (...) Aber wir sind nicht bereit, die Integrität des Binnenmarktes in Frage zu stellen, der der wichtigste Garant für Wohlstand und Reichtum in Europa ist. 

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