Europa

Polizei räumt illegales Zeltlager von 450 Migranten in Pariser Innenstadt

In Paris hat die Polizei ein illegales Migrantenlager mitten in der Innenstadt geräumt und stieß dabei mit Aktivisten zusammen, die gegen die Räumung protestierten. Die Migranten hätten das Lager errichtet, um Unterkunft zu fordern, so die Unterstützer.
Polizei räumt illegales Zeltlager von 450 Migranten in Pariser InnenstadtQuelle: Reuters © Charles Platiau

Reihen von Zelten wurden am Montag auf dem Place de la République im Zentrum von Paris aufgebaut. Das Lager wurde von Utopia56, einer Gruppe zur Unterstützung von Migranten, organisiert. Die Aktivisten behaupten, dass die etwa 450 Migranten im Lager obdachlos wurden, nachdem die Polizei vergangene Woche 2.000 Personen aus einer Barackensiedlung im Vorort Saint-Denis entfernt hatte.

Kurz nach dem Aufbau der Zelte traf die Bereitschaftspolizei vor Ort ein und begann mit der Räumung des Lagers. Die Räumung verlief nicht ganz reibungslos. Mehrere Menschen weigerten sich, das Lager zu verlassen und wurden von der Bereitschaftspolizei vertrieben, während die Protestierenden, die sich zwischen der Polizei und den Zelten positionierten, mit Schlagstöcken und Schilden angegriffen wurden. Das Portal actu.fr berichtete, dass einige Mitglieder des Stadtrates von Paris anwesend waren und versuchten, die Räumung zu stoppen.

Utopia56 hat die französische Regierung aufgefordert, sofort 1.000 Unterbringungsplätze für obdachlose Migranten bereitzustellen und ein sogenanntes ständiges Aufnahmesystem einzurichten, um mehr Migranten unterbringen zu können.

Die Gesamtzahl der in Paris lebenden illegalen Migranten ist unbekannt. Eine Gruppe für Migrantenrechte schätzte im vergangenen Jahr, dass rund 2.000 auf den Straßen der französischen Hauptstadt lebten. Ein Bericht der Regierung aus dem Jahr 2018 gibt an, dass zwischen 150.000 und 400.000 Migranten allein in der Vorstadtregion Seine-Saint-Denis entweder obdachlos sind oder in Unterkünften leben. 

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