Europa

Hacker greifen französische Websites an und verbreiten islamistische Propaganda

Nach der brutalen Ermordung eines Lehrers durch einen mutmaßlichen Islamisten kündigte Macron schärfere Kontrollen von Moscheen an. Nun haben Hacker auf französischen Internetseiten islamistische Propaganda verbreitet. Die Cyberangriffe sollen aus Bangladesch kommen.
Hacker greifen französische Websites an und verbreiten islamistische PropagandaQuelle: Reuters © Christian Hartmann

In Frankreich haben Hacker Dutzende französische Internetseiten angegriffen und dort islamistische Propaganda verbreitet. Unter anderem wurden Botschaften wie "Sieg für Mohammed, Sieg für den Islam und Tod für Frankreich" gepostet. Betroffen waren vor allem Websites, die der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt sind, wie die Internetauftritte von Rentnervereinigungen, Unternehmen und Rathäusern. Aber auch bekanntere Seiten im Internet wie die Facebook-Auftritte der französischen TV-Sender TF1 und TV5Monde fielen den Cyberangriffen zum Opfer.

Außerdem wurde eine Bildmontage von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron veröffentlicht, die diesen als Schwein zeigt. Auf einer anderen Website wurde "Operation muslimischer Hacker gegen Frankreich wegen Beleidigung des Propheten Mohammed und öffentlicher Schändung des Islam" in grünen Buchstaben angezeigt.

Zudem wurden in den sozialen Medien Beiträge wie #Du_hast_die_Freiheit_des_Ausdrucks_und_wir_sind_frei_zu-enthaupten Hunderte Male geteilt. Andere Meldungen forderten Frankreich dazu auf, "um Vergebung zu bitten", da sonst eine "Apokalypse droht". Nach Angaben von Europe 1 scheinen diese Beiträge von Bots erstellt worden zu sein.

Der Grund für die Hackerangriffe dürfte im Streit um Macrons Reaktion auf die brutale Enthauptung des Lehrers Samuel Paty durch einen mutmaßlich islamistischen Attentäter begründet liegen. Paty hatte im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Macron kündigte anlässlich des Mordes an, muslimische Einrichtungen künftig schärfer zu kontrollieren, und hielt daran fest, dass das Zeigen von Karikaturen möglich sein müsse. In der arabischen Welt sorgte dies für eine Welle der Empörung. Mehrere Länder, darunter die Türkei, riefen zum Boykott französischer Waren auf.

Bereits am Sonntag hatte die französische Anlaufstelle für die Opfer von Cyberattacken den Hinweis veröffentlicht, dass eine "Welle von Cyberattacken" auf "viele französische Websites" geplant sei. Der Experte Gérôme Billois erklärte dazu:

Mehrere Dutzend Websites, vielleicht hundert, sind betroffen. Es handelt sich um eine klare politische Botschaft.

Billois erinnerte auch daran, dass nach islamistischen Anschlägen im Januar 2015 zu einer Welle ähnlicher Cyberattacken auf französische Internetseiten gab. Nach Angaben des European Strategic Intelligence and Security Center (ESIC) geht man bisher davon aus, dass diese Angriffe von Hackern aus Bangladesch stammen.

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