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Tausende Menschen demonstrieren in Minsk für Staatschef Alexander Lukaschenko

Nach zahlreichen Protesten gegen Wahlbetrug und Polizeigewalt hat am Sonntag in Weißrussland erstmals eine Unterstützungsdemo für den Staatschef Alexander Lukaschenko stattgefunden. Der Präsident sprach vor Tausenden Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk.
Tausende Menschen demonstrieren in Minsk für Staatschef Alexander LukaschenkoQuelle: Sputnik © WIKTOR TOLOTSCHKO

Am Sonntag hat es in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine Kundgebung zur Unterstützung des amtierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko gegeben. Auf dem Unabhängigkeitsplatz versammelten sich Tausende Menschen. Die Aktion begann jedoch gut eine Stunde später als ursprünglich geplant. Die Demonstranten riefen "Für Lukaschenko". Viele trugen T-Shirts, auf denen "Wir sind uns einig" stand. Es wurden weißrussische Nationalflaggen geschwenkt. Die Kundgebung dauerte ungefähr anderthalb Stunden.

Von der Bühne sprachen einfache Bürger, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Politiker. Weißrusslands Innenminister Juri Karajew warnte seine Landsleute vor der Teilnahme an illegalen Demonstrationen, denn jede nicht genehmigte Aktion könne zu einem Gedränge mit Toten führen. Außerdem sagte der Minister, dass der Kern der Protestler aus dem Ausland finanziert werde. Karajew nannte sogar konkrete Summen: Demnach sollen Männer je 12 US-Dollar und Frauen je 24 US-Dollar für ihre Teilnahme an den Protestkundgebungen bekommen:    

Die Menschen werden einfach ausgenutzt. Man lenkt ihren Verstand und ihr Unterbewusstsein.

Der Innenminister schloss auf der Kundgebung seinen Rücktritt aus, weil dies das Personal demoralisieren und die Sicherheitslage im Land gefährden werde:

Wir schützen die Staatlichkeit, all diese Gebäude, darunter das Haus der Regierung, die für den Staat funktionieren, aber auch Polizeireviere vor einer Ergreifung.

Gleichzeitig kündigte Karajew die Untersuchung aller Fälle von Polizeigewalt und Amtsmissbrauch an.

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Auch Staatschef Alexander Lukaschenko wandte sich an die Anwesenden und das Volk. Er bedankte sich bei seinen Unterstützern. Nach eigenen Worten habe Lukaschenko sie erstmals seit 25 Jahren zusammengerufen, damit sie nicht ihn, sondern ihre Heimat verteidigten:

NATO-Truppen rasseln mit Panzerwagenraupen vor den Türen Weißrusslands. Litauen, Polen und die Ukraine befehlen uns, eine Neuwahl durchzuführen. Wenn wir uns von denen am Gängelband führen lassen, werden wir ins Trudeln geraten. Wir werden als Nation zugrunde gehen!

Lukaschenko erklärte erneut, dass hinter den Unruhen ausländische Drahtzieher stünden. Es sei schlicht unmöglich, ein Wahlergebnis von mehr als 80 Prozent der Stimmen zu verfälschen.

Gleichzeitig hatte auch die Opposition ihre Anhänger ebenfalls zu einer Demonstration am Sonntagnachmittag aufgerufen. Um die Stele "Heldenstadt Minsk" versammelten sich Zehntausende Menschen.

Sie forderten eine neue Präsidentschaftswahl und die Freilassung aller Festgenommenen. Ähnliche Aktionen fanden auch in anderen weißrussischen Städten statt.

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