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Proteste in Weißrussland dauern an: Ruptly-Stringer wieder auf freiem Fuß

In vielen weißrussischen Städten gehen Menschen weiterhin auf die Straße, um ihre Ablehnung gegen die Wahlergebnisse im Land zum Ausdruck zu bringen. In mehreren Videos ist zu sehen, wie Menschen in Minsk, Grodno und Brest das Ende der Polizeigewalt forderten.
Proteste in Weißrussland dauern an: Ruptly-Stringer wieder auf freiem FußQuelle: AFP © SERGEI GAPON / AFP

Massenhafte Kundgebungen gegen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Weißrussland reißen nicht ab. Die vierte Protestnacht in Folge verlief zwar ruhiger, dennoch kam es weiterhin zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Das Innenministerium gab am Donnerstagmorgen bekannt, dass die Unruhen im Land an ihrer Massenhaftigkeit verloren hätten. Die Gewaltbereitschaft gegenüber den Sicherheitskräften bleibe aber nach wie vor hoch. Demnach wurden seit dem 9. August im Laufe der nicht genehmigten Kundgebungen insgesamt 103 Beamte verletzt. Von ihnen mussten 28 in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Zwei Verkehrspolizisten erlitten Verletzungen, als sie von Autofahrern angefahren wurden. Nach Angaben der Behörde wurden in der vergangenen Nacht ungefähr 700 Menschen festgenommen. Das war der niedrigste Kennwert seit dem Ausbruch der Proteste.

In vielen Städten bildeten sich Menschenketten gegen die Polizeigewalt. Ihnen schlossen sich auch Ärzte an. Im Internet kursieren mehrere Videos, auf denen mutmaßliche ehemalige und aktive Militärs und Polizisten ihre Uniformen und Dienstmarken in den Müll werfen. Die Echtheit der Videos ist jedoch nicht überprüft. Protestler erprobten inzwischen eine neue Taktik, indem sie versuchten, Straßen zu blockieren. Autofahrer unterstützten diese Aktionen.

Am Donnerstagmorgen teilte Margarita Simonjan, Chefredakteurin von RT, mit, dass zwei Stringer (freiberufliche Journalisten) der Videonachrichtenagentur Ruptly nun wieder auf freiem Fuß seien. Die Redaktion habe vier Tage lang keinen Kontakt zu ihnen gehabt. Simonjan bedankte sich bei allen, die sich für die Freilassung der Reporter eingesetzt hatten. Die Ruptly-Stringer hatten am Sonntag die Eröffnung der Wahllokale in Minsk gefilmt.

Zuvor hatten sich viele Medien über gewaltsame Festnahmen ihrer Mitarbeiter beschwert. Einige Reporter wurden angegriffen und verprügelt, obwohl sie den Sicherheitskräften ihre Presseausweise zeigten. Allein am Mittwoch wurden insgesamt sechs ausländische Reporter in Gewahrsam genommen. Zwei polnische Korrespondenten und ein italienischer Journalist wurden allerdings noch am selben Tag wieder freigelassen.

Am 10. August hatte Marija Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums der Russischen Föderation, erklärt, dass ihre Behörde die Situation mit der Festnahme von Journalisten in Russland genau beobachte. Der russische Journalistenverband bezeichnete alle Angriffe auf Medienschaffende in Weißrussland als illegal und rief die örtlichen Behörden auf, alle festgenommenen Journalisten wieder auf freien Fuß zu setzen.

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