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Weißrusslands Innenministerium zu Protesten: Keine Toten, fast 100 Verletzte, 3.000 Festnahmen

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk und in anderen Städten der ehemaligen Sowjetrepublik ist es in der Nacht nach der Präsidentschaftswahl zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Das Innenministerium dementiert Gerüchte, wonach es einen Toten gegeben haben soll.
Weißrusslands Innenministerium zu Protesten: Keine Toten, fast 100 Verletzte, 3.000 FestnahmenQuelle: Reuters © VASILY FEDOSENKO

Nach der turbulenten Nacht mit Protestaktionen und Zusammenstößen mit der Polizei hat das weißrussische Innenministerium seine Statistiken zu Verletzten und Festgenommenen bekanntgegeben. Wie Olga Tschemodanowa, Pressesprecherin der Behörde, mitteilte, sei es in 33 Ortschaften der Republik zu "nicht genehmigten massenhaften Veranstaltungen" gekommen. Dabei seien etwa 3.000 Menschen festgenommen worden, rund 1.000 allein in der Hauptstadt Minsk.

Nach Angaben der Behörde wurden bei den massenhaften Protestaktionen in der Nacht zum Montag 39 Sicherheitsbeamte und mehr als 50 Zivilisten verletzt. Man betonte, dass es dabei keine Toten gegeben habe:

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Die Menschenrechtsorganisation Wesna hatte zuvor mitgeteilt, dass ein junger Mann durch die Gewalteinwirkung von Sicherheitskräften ums Leben gekommen sei. Laut Medienberichten soll ein Mann von einem Polizeiwagen überfahren worden und an einem Schädel-Hirn-Trauma gestorben sein. Augenzeugen filmten eine Szene, wie ein Gefangenentransporter einen Menschen überfuhr. Der Zustand des Opfers war bislang ungewiss. Später stellte sich heraus, dass der Mann nicht getötet wurde. Er sagte gegenüber Journalisten, dass er von den Polizisten bei der Festnahme verprügelt worden war. Er sei in ein Krankenhaus eingeliefert und medizinisch behandelt worden. Danach sei er nach Hause gegangen, teilt der Mann mit.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Wesna befinden sich in Krankenhäusern von Minsk Dutzende Verletzte. Auf Videos und Fotos im Internet waren blutende Schwerverletzte zu sehen.

Zuvor hatte das Innenministerium den Einsatz von Spezialtechnik und Blendgranaten gegen die Demonstranten bestätigt.

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