Europa

Europa: Immer größere Ablehnung von Hydroxychloroquin

Frankreich, Italien und Belgien wollen den Einsatz des Malaria-Medikaments an COVID-19-Erkrankten untersagen. In Großbritannien überwiegen zunehmend die Sicherheitsbedenken – und deutsches Ministerium gibt Tablettenspende an Pharmakonzern zurück.
Europa: Immer größere Ablehnung von HydroxychloroquinQuelle: Reuters © Diego Vara

In Frankreich dürfen COVID-19-Erkrankte nicht mehr mit der Malaria-Arznei Hydroxychloroquin behandelt werden. Einen entsprechenden Erlass veröffentlichte die Regierung am Mittwoch, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Zuvor hatten Frankreichs Hoher Rat für öffentliche Gesundheit und die Behörde für Arzneimittelsicherheit ANSM von der Behandlung mit dem Medikament abgeraten und die Aussetzung entsprechender klinischer Studien eingeleitet.

Seit Ende März durften in Frankreich Patientinnen und Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen unter strenger ärztlicher Aufsicht mit der Malaria-Arznei behandelt werden. Diese Ausnahmeregelung wurde nun gekippt. "Ob beim Hausarzt oder im Krankenhaus, dieses Medikament darf Patienten, die an COVID-19 leiden, nicht verschrieben werden", so das Gesundheitsministerium.

Im Journal The Lancet hatten Forscher zuletzt auf Grundlage einer umfassenden Datenanalyse berichtet, dass sich die Malaria-Arzneien Hydroxychloroquin und das sehr ähnliche Chloroquin wahrscheinlich nicht zur Behandlung von COVID-19 eignen und die Wirkstoffe womöglich sogar die Todesrate erhöhen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte Tests mit dem Medikament Hydroxychloroquin daraufhin vorerst aus.

Auch Italien und Belgien haben sich nun gegen eine Verwendung des Wirkstoffes ausgesprochen. Die belgische Gesundheitsbehörde warnte davor, das Medikament außerhalb laufender registrierter klinischer Studien einzusetzen. Italiens Gesundheitsbehörde erklärte, dass es zu wenig Beweise für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gäbe und dass es deswegen außerhalb von klinischen Studien verboten werden sollte.

Die italienische Arzneimittelagentur (AIFA) wies darauf hin, dass bisherige Tests "auf ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen mit geringem oder keinem Nutzen" hinweisen würden. "In Erwartung des Erhalts soliderer Beweise aus den klinischen Studien, die sowohl in Italien als auch in anderen Ländern der Welt im Gange sind", werde die Entscheidung getroffen, die Genehmigung für die Verwendung des Medikaments in Krankenhäusern und auch privat auszusetzen, so die AIFA.

Die britische Arzneimittelbehörde erklärte am Mittwoch, dass eine Hydroxychloroquin-Studie der Universität Oxford weniger als eine Woche nach ihrem Beginn aufgrund von Sicherheitsbedenken "pausiert" worden sei. Andere Studien mit dem Medikament zur Behandlung von COVID-19 seien weiterhin "unter genauer Beobachtung".

Das Bundesgesundheitsministerium wiederum hat gespendete Tabletten des Medikaments an die Pharmabranche zurückgegeben. Wie das Magazin Business Insider berichtet, hat das Ministerium auf Anfrage mitgeteilt, dass "aufgrund aktueller Erkenntnisse" ein Teil der zur Verfügung gestellten Arzneimittel an die Hersteller zurückgegeben worden sei. Diese stünden dann wieder zur Behandlung anderer Diagnosen als COVID-19 zur Verfügung. Ein Ministeriumssprecher bestätigte den Schritt am Mittwoch.

Die Firma Bayer hatte im April mitgeteilt, acht Millionen Tabletten zu spenden. Es gebe Hinweise darauf, dass es zur Behandlung bei COVID-19-Patienten geeignet sein könnte, hieß es damals in einer Mitteilung. Das Gesundheitsministerium erklärte nun laut Business Insider, dass man die Entwicklung und Risikoeinschätzung zur Anwendung chloroquin- und hydroxychloroquinhaltiger Arzneimittel bei COVID-19-Erkrankten sehr genau beobachte und hierzu in engem Kontakt mit der zuständigen Bundesoberbehörde stehe.