Nahost

USA und Iran tauschen erneut Angriffe aus – Kampfpause offenbar beendet

Iran ignorierte Trumps Warnung vor härteren US-Angriffen und attackierte erneut US-Militärstützpunkte in der Region. Irans Oberster Führer kündigte den USA "unvergessliche Lektionen" an. Nach einer einmonatigen Kampfpause flammten die Kämpfe wieder auf – und trieben die Ölpreise nach oben.
USA und Iran tauschen erneut Angriffe aus – Kampfpause offenbar beendet

Die USA und Iran befinden sich am Mittwoch wieder auf Kriegskurs. Beide Seiten haben den bislang schwersten Schlagabtausch seit Wochen geführt. Washington drohte mit weiteren und noch verheerenderen Angriffen, während Teheran einen US-Angriff verurteilte, bei dem nach iranischen Angaben fünf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden.

Das US-Zentralkommando erklärte, die amerikanischen Streitkräfte hätten am Dienstag Stellungen der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) angegriffen. Zu den Zielen gehörten Luftabwehrsysteme, Radaranlagen, maritime Einrichtungen, Kapazitäten zum Verlegen von Seeminen sowie Kommunikationsanlagen. Iranische Medien berichteten von mehreren Angriffen auf Ziele in der Nähe der Straße von Hormus. Über diese strategisch wichtige Wasserstraße hatte Teheran zuvor Tanker bedroht, die sie ohne iranische Genehmigung passieren.

Iran widersetzte sich der Warnung von US-Präsident Donald Trump, dass die USA Iran auf einer "viel härteren und höheren Ebene" treffen würden, und griff erneut US-Militärstützpunkte in der Region als Vergeltung an. Irans Oberster Führer Modschtaba Chamenei erklärte, die iranischen Streitkräfte hätten für die USA "unvergessliche Lektionen" vorbereitet.

Teheran erklärte in der Nacht zum Mittwoch, US-Ziele in Jordanien und im Irak angegriffen zu haben. Iranische Medien berichteten zudem über einen Angriff auf Bahrain. Die IRGC erklärte, dabei eine große Zahl amerikanischer Soldaten in Jordanien getötet zu haben. Zwei US-Vertreter sagten Reuters gegenüber jedoch, dass nach ersten Erkenntnissen keine amerikanischen Soldaten getötet worden seien. Das jordanische Militär teilte mit, dass seine Luftabwehr 13 ballistische Raketen bekämpft habe, die in den jordanischen Luftraum eingedrungen seien. 

Die IRGC erklärte zudem, ihre Bodentruppen hätten kombinierte Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Stützpunkte im nordirakischen Erbil durchgeführt. Dabei seien mehrere US-Soldaten getötet worden. Weder die irakische Regierung noch die USA bestätigten diese Angaben.

Besonders schwerwiegend sind die von Iran gemeldeten zivilen Opfer. Nach Angaben des Iranischen Roten Halbmonds wurden bei einer Hochzeit nahe Sirik an der Küste der Straße von Hormus fünf Menschen getötet und 50 weitere verletzt.

Die Nachrichtenagentur Mehr berichtete, dass sich unter den Todesopfern ein vierjähriges Kind befinde. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA sprach unter Berufung auf einen Provinzvertreter sogar von 68 Verletzten. Die US-Regierung hat sich zu dem Vorfall bislang nicht offiziell geäußert.

Das iranische Außenministerium betonte, der Angriff müsse im Zusammenhang mit einer Reihe vorheriger "Gräueltaten" gesehen werden. Dazu zähle auch der US‑Angriff auf eine Mädchenschule in Minab, bei dem am ersten Kriegstag 160 Kinder getötet worden seien. Unabhängig davon wurden nach Angaben iranischer Staatsmedien bei US-Raketenangriffen auf drei Orte in der Provinz Chuzestan sieben Menschen getötet und acht weitere verletzt.

Das US-Militär hat am Dienstag im Rahmen seiner jüngsten Angriffswelle zwei iranische Tanker in Staatsbesitz angegriffen. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters erfolgte der Angriff als Vergeltung für iranische Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus.

Damit würden die USA einen neuen Kurs einschlagen: Erstmals seien iranische Tanker nicht deshalb angegriffen worden, um einen Verstoß gegen die US-Seeblockade zu verhindern, sondern als direkte Reaktion auf iranische Angriffe auf Tanker, hieß es bei Axios. Ein US-Regierungsvertreter sagte, dass Präsident Trump dafür eine neue Strategie nach dem Prinzip "Tanker gegen Tanker" gebilligt habe. Sie soll Iran von weiteren Angriffen auf Tanker abschrecken, die die Straße von Hormus passieren.

Die iranische Wirtschaft ist durch den Krieg schwer angeschlagen. Gleichzeitig haben die US-Streitkräfte einen erheblichen Teil ihrer weltweiten Bestände an weitreichenden Präzisionsraketen verbraucht. Dies hat in Washington Sorgen über die amerikanische militärische Einsatzbereitschaft für mögliche künftige Konflikte ausgelöst. 

Während Washington mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen und einer zusätzlichen Schwächung der iranischen Wirtschaft droht, steht auch die US-Regierung unter wirtschaftlichem Druck. Der Krieg hat die Treibstoffpreise steigen lassen – ausgerechnet vor den Kongresswahlen im November.

Die erneuten US-Luftangriffe sorgten zudem an den Finanzmärkten für Unruhe. Asiatische Aktien gaben nach, während die Ölpreise auf den höchsten Stand seit fünf Wochen stiegen. Gleichzeitig kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren.

Mehr zum Thema  Iran-Krieg: Chamenei fordert Golfstaaten zum gemeinsamen Kampf gegen den "wahren Feind" auf

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.