Nahost

Wie viel Schaden hat Iran den US-Stützpunkten im Nahen Osten zugefügt?

In Vergeltung hat Iran US-amerikanische Stützpunkte in sechs Ländern mit Raketen und Drohnen angegriffen, darunter Bahrain und Katar. Während Washington von sechs getöteten US-Soldaten spricht, ist es Teheran mit seinen Attacken gelungen, Ausrüstung im Milliardenwert zu zerstören.
Wie viel Schaden hat Iran den US-Stützpunkten im Nahen Osten zugefügt?© Urheberrechtlich geschützt

Nur wenige Stunden nach dem Start der US-Operation "Epic Fury" gegen Iran starteten die Streitkräfte Teherans Vergeltungsschläge gegen amerikanische Militärbasen im Nahen Osten. Dabei wurden Ausrüstung im Wert von Milliarden US-Dollar zerstört und nach amerikanischen Angaben sechs US-Soldaten getötet.

"Wir werden es den zionistischen Verbrechern und den niederträchtigen Amerikanern heimzahlen, dass sie Iran angegriffen haben", sagte Ali Laridschani, Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, zu Beginn der Vergeltungsschläge am Samstag. "Die tapferen Soldaten und die große Nation Iran werden den zum Untergang verurteilten Unterdrückern der internationalen Ordnung eine unvergessliche Lektion erteilen."

Wie viele Stützpunkte unterhalten die USA im Nahen Osten? Die USA betreiben ein Netzwerk von 19 permanenten und temporären Militärbasen im Nahen Osten. Die größte – der Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar – beherbergt 10.000 Soldaten und dient als vorgeschobenes Hauptquartier des US Central Command (CENTCOM).

Die acht permanenten US-Stützpunkte befinden sich in Bahrain, Ägypten, dem Irak, Jordanien, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort halten sich laut Angaben seit Mitte des Jahres 2025 jederzeit zwischen 40.000 und 50.000 US-Soldaten auf.

Diese Stützpunkte umschließen Iran im Westen und Süden und werden derzeit durch die Präsenz der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und USS Gerald R. Ford im Persischen Golf verstärkt. Diese atomgetriebenen Flugzeugträger verfügen über eine Besatzung von insgesamt mehr als 10.000 Mann und führen über 130 Kampfflugzeuge mit.

Alle US-Stützpunkte in der Region wurden vom iranischen Militär als "legitime Ziele" bezeichnet, und Einrichtungen in sechs Ländern wurden bereits von iranischen Raketen und Drohnen angegriffen.

Welche US-Stützpunkte stehen auf der iranischen Zielliste?

Bahrain

Iran griff am Samstag den US-Marinestützpunkt in Bahrain mit ballistischen Raketen und Schahed-Kamikaze-Drohnen an. Der Stützpunkt, Hauptquartier der Fünften Flotte der US-Marine, wurde am Sonntag ebenfalls von Drohnen angegriffen. Satellitenaufnahmen zeigen Schäden an mehreren Lagergebäuden und Radaranlagen.

In einem Video ist zu sehen, wie eine Schahed-Drohne in eine Radarkuppel des Typs AN/TPS-59 stürzt und das 300 Millionen Dollar teure System zerstört. Das im Jahr 2007 installierte Radar wurde damals von Lockheed Martin beschrieben als "das weltweit einzige mobile Radar mit 360-Grad-Abdeckung, das für die Erkennung taktischer ballistischer Raketen zertifiziert ist".

Wie aus einer Auswertung von Satellitenfotos durch die New York Times hervorgeht, wurden neben einer zweiten Radarkuppel auch mehrere große Gebäude zerstört.

Iran griff am Wochenende zudem mehrere Ziele in der bahrainischen Hauptstadt Manama an, darunter den internationalen Flughafen Bahrain. Am Montag wurde im Hafen von Bahrain ein US-amerikanischer Tanker getroffen, was einen kurzen Brand auslöste und einem Hafenarbeiter das Leben kostete.

Irak

Der US-Militärstützpunkt am internationalen Flughafen Erbil im Irak wurde am Samstag und Sonntag anhaltendem Beschuss ausgesetzt. "Am Sonntagmorgen zeigten Satellitenbilder vier beschädigte oder zerstörte Gebäude in einem kleinen Bereich des Stützpunktes. Die Brände loderten dort jedoch offenbar bis in die frühen Morgenstunden des Montags weiter", berichtete die New York Times.

Zudem wurden Drohnenangriffe in der Nähe des US-Konsulats in der Stadt beobachtet. Das Ausmaß der Schäden an beiden Orten ist unklar. Iranische Staatsmedien behaupteten, das Konsulat sei zerstört worden. Die USA bestätigten zwar keine Beschädigung des Gebäudes, das US-Außenministerium warnte jedoch Amerikaner davor, sich in der Gegend aufzuhalten.

In den letzten Jahren gerieten amerikanische Stützpunkte im Irak in Zeiten der Spannungen zwischen Washington und Teheran immer wieder unter Beschuss von iranisch-nahen Milizen. Das US-Außenministerium erklärte am Montag, dass "weiterhin Berichte über Raketen, Drohnen und Geschosse im irakischen Luftraum eingehen".

Jordanien

Das jordanische Militär gab am Samstag bekannt, zwei ballistische Raketen über dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti abgefangen zu haben. Es habe "keine Opfer, sondern lediglich Sachschaden" gegeben. Unbestätigte Videoaufnahmen deuten jedoch darauf hin, dass mindestens eine der Raketen ihr Ziel getroffen hat.

Zwei Wochen vor Beginn der Militäroperationen gegen Iran waren Dutzende US-Kampfflugzeuge, darunter F-35, auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti eingetroffen.

Kuwait

Am Samstag traf ein Hagel iranischer Raketen den Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait. Das kuwaitische Verteidigungsministerium gab zwar bekannt, alle Raketen seien abgefangen worden, doch Videoaufnahmen zeigen mehrere Rauchsäulen, die vom Stützpunkt aufsteigen, und Satellitenbilder belegen Schäden an mehreren Gebäuden, deren Dächer teilweise eingestürzt sind. Zudem wurden Drohnenangriffe auf Camp Buehring, etwa 50 Kilometer nördlich von Kuwait-Stadt, und den Marinestützpunkt Mohammed Al-Ahmad, eine von den US-Streitkräften genutzte kuwaitische Einrichtung, dokumentiert.

Am Sonntag wurden vier US-Soldaten bei einem Angriff auf Camp Arifjan im Süden Kuwaits getötet, wie US-Kriegsminister Pete Hegseth am Montag gegenüber Reportern erklärte. Hegseth sagte, eine iranische Rakete habe "ein befestigtes taktisches Operationszentrum getroffen, aber es handelt sich um leistungsstarke Waffen". Laut Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) wurden bei dem Angriff mindestens vier weitere Soldaten verletzt.

Am Montagmorgen wurden drei amerikanische F-15-Kampfjets über Kuwait abgeschossen. Das Pentagon bezeichnete den Vorfall als "Friendly Fire". CENTCOM teilte mit, dass die Jets "irrtümlich von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen wurden" und dass sich alle sechs Besatzungsmitglieder mit dem Schleudersitz retten konnten und sich in stabilem Zustand befinden.

Katar

Am Samstag waren in Doha Explosionen zu hören, und ballistische Raketen durchbrachen die amerikanische Luftverteidigung und trafen den 40 Kilometer entfernten Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid. Eine dieser Raketen traf eine AN/FPS-132-Frühwarnradaranlage, eine von nur sechs weltweit. Das katarische Verteidigungsministerium bestätigte gegenüber Al Jazeera die Beschädigung der Anlage im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar.

Im vergangenen Juni hatte Iran Al-Udeid mit einer Salve Raketen beschossen – eine weitgehend symbolische Vergeltungsmaßnahme für die Bombardierung seiner nuklearen Infrastruktur durch die USA.

Vereinigte Arabische Emirate

Seit Samstag hat Iran Hunderte von Drohnen und Dutzende von Raketen auf Ziele in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten abgefeuert, darunter auch auf den internationalen Flughafen Dubai.

Am Samstag stieg dichter Rauch vom Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in Abu Dhabi auf, während am Sonntag im Hafen von Dschabal Ali in Dubai ein Großbrand ausbrach. Al-Dhafra beherbergt amerikanische Tanker und Aufklärungsdrohnen, und Dschabal Ali ist einer der am häufigsten von der US-Marine besuchten Häfen. Satellitenbilder des Hafens von Dschabal Ali zeigten am Sonntag eine Rauchsäule, "die von einem großen Gebäude innerhalb eines umzäunten Erholungsgebiets der US-Marine aufstieg", berichtete die New York Times.

Saudi-Arabien

Das saudische Verteidigungsministerium gab bekannt, am Sonntag iranische Raketen über dem Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan abgefangen und am Montag mehrere Drohnen abgeschossen zu haben, die den Stützpunkt ins Visier genommen hatten. Wie der Stützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten beherbergt auch der Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan amerikanische Tank- und Unterstützungsflugzeuge. Reuters beobachtete Mitte Februar mehr als 40 dieser Flugzeuge auf dem Stützpunkt.

Es ist unklar, ob Raketen oder Drohnen den Stützpunkt getroffen haben oder ob herabfallende Trümmerteile Schäden verursacht haben.

Die iranischen Angriffe auf Saudi-Arabien konzentrieren sich hauptsächlich auf die Ölinfrastruktur des Königreichs. Die Produktion in der Raffinerie Ra's Tanura – der größten in Saudi-Arabien – wurde am Montag nach einem Drohnenangriff am Morgen vorübergehend eingestellt.

Wie viele US-Soldaten sind gefallen?

Bis Montagabend wurden sechs US-Soldaten seit Beginn der Kampfhandlungen am Samstag als gefallen bestätigt. Vier starben beim iranischen Angriff auf Camp Arifjan. Den Tod zweier weiterer Soldaten bestätigte das US-Militär am Montag, ohne zu sagen, welche Einrichtung es war, aus der ihre Leichen geborgen worden waren. 

Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch Generalstabschef Dan Caine erklärten, der Konflikt könne noch einige Zeit andauern und es könnten weitere Amerikaner sterben. "Leider wird es wahrscheinlich noch mehr geben, bevor es vorbei ist", sagte Trump. 

Im Gespräch mit Rick Sanchez von RT äußerte der ehemalige US-Offizier Stanislav Krapivnik am Montag Zweifel an den Angaben des Pentagons. "Ich garantiere Ihnen, dass es weit mehr als drei Tote gibt", sagte er, bevor der vierte Tod bestätigt wurde.

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) behaupteten am Samstag, in der ersten Runde der Vergeltungsschläge "mindestens 200 US-Soldaten" getötet oder verletzt zu haben.

Hat Iran einen US-Flugzeugträger getroffen? Laut unbestätigten Berichten iranischer Medien gelang es den Revolutionsgarden am Sonntag, die USS Abraham Lincoln mit vier ballistischen Raketen zu treffen. Die USA wiesen diese Behauptung zurück. Das CENTCOM erklärte: "Die Lincoln wurde nicht getroffen. Die abgefeuerten Raketen verfehlten ihr Ziel nicht einmal annähernd."

Die Erklärung des CENTCOM bestätigt jedoch, dass Raketen auf den Flugzeugträger abgefeuert wurden.

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