Nahost

Israelischer Flaggenmarsch in palästinensischen Gebieten: "Tod den Arabern!"

Einige israelische Ultranationalisten zeigten sich trotz eines Verbots entschlossen, am Mittwoch einen Flaggenmarsch durch palästinensische Gebiete der Jerusalemer Altstadt zu veranstalten. Im vergangenen Mai folgte der Krieg zwischen Israel und Gaza.
Israelischer Flaggenmarsch in palästinensischen Gebieten: "Tod den Arabern!"Quelle: AP © AP Photo/Ariel Schalit

Israelische Nationalisten schwenkten am Mittwoch Flaggen, als sie sich darauf vorbereiteten, zum Damaskustor zu marschieren, einem Versammlungsort für Palästinenser und einem Tor zur Altstadt. Damit setzten sie sich über ein polizeiliches Verbot der Veranstaltung hinweg, die einer der Auslöser für den Krieg zwischen Israel und Gaza im letzten Jahr war. Noam Nisan, einer der Organisatoren des geplanten Marsches, hatte gegenüber dem öffentlichen Rundfunk Kan erklärt, dass der Marsch wie geplant am Mittwoch stattfinden wird, obwohl es keine Erlaubnis gebe.

Die israelische Polizei teilte mit, dass zahlreiche Beamte in der historischen Altstadt Jerusalems, in der sich religiöse Stätten von Juden, Christen und Muslimen befinden, im Einsatz waren. Die Ordnungskräfte befürchteten, dass die ohnehin schon angespannte Lage in der Stadt während des jüdischen Pessach-Festes und des muslimischen Fastenmonats Ramadan durch Konfrontationen weiter angeheizt werden könnte, vor allem rund um das Gelände der Al-Aqsa-Moschee, die den Juden als Tempelberg bekannt ist.

Das auf einem Hügel gelegene Heiligtum in der Altstadt Jerusalems ist das drittwichtigste des Islam, während es für Juden die heiligste Stätte ist, an der in der Antike zwei Tempel standen. Dieses Gebiet ist der emotionale Nullpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts und ein Brennpunkt früherer Gewaltausbrüche.

Laut der Hamas, die den Gazastreifen regiert, trage Israel "die volle Verantwortung für die Folgen", wenn es dem Marsch erlaube, "sich unseren heiligen Stätten zu nähern", ohne jedoch konkret zu werden. Mehrere nationalistische israelische Politiker erklärten, sie würden an dem Marsch teilnehmen, darunter der ultranationalistische Parlamentsabgeordnete Itamar Ben Gvir, ein Schüler des verstorbenen Rabbiners Meir Kahane und ein häufiger Provokateur in den sensiblen palästinensischen Vierteln Ost-Jerusalems. Der israelische Premierminister Naftali Bennett betonte, er werde Ben Gvir die Teilnahme an der Kundgebung untersagen.

Eine ähnliche Situation im vergangenen Mai eskalierte, nachdem israelische Nationalisten nach Ansicht von Palästinensern rund um die Moschee mit ihrem Fahnenmarsch in der Altstadt provoziert hatten. Die Ereignisse lösten einen 11-tägigen Krieg zwischen Israel und der Hamas aus, dessen Folgen bis heute nachwirken.
Die israelisch-palästinensischen Spannungen haben sich in den letzten Wochen nach tödlichen Anschlägen und Militäroperationen im Westjordanland verschärft. Am Montag feuerten Palästinenser zum ersten Mal seit Monaten eine Rakete aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels ab, woraufhin Israel mit Luftangriffen reagierte. Es folgten tagelange Zusammenstöße zwischen der israelischen Polizei und Palästinensern an der heiligen Stätte in Jerusalem.

Insbesondere der Fall einer unbewaffneten Mutter rief große Bestürzung und Empörung hervor. Ghada Sabateen, Lehrerin, Witwe und Mutter von sechs Kindern, erlag ihren Verletzungen, nachdem israelische Streitkräfte sie nahe einem Kontrollpunkt im Westjordanland unweit der Stadt Betlehem mehrfach angeschossen und damit letztlich ums Leben gebracht haben.

Die 47-Jährige habe sich laut Israels Armee trotz Warnschüssen in die Luft und Aufforderungen, zurückzubleiben, auf verdächtige Weise genähert. Die Soldaten hätten ihr deshalb in den Unterkörper geschossen. Den Angaben zufolge wurde die Frau erstversorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Wie das palästinensische Gesundheitsministerium mitteilte, erlag sie dort ihren Verletzungen. Sabateen war nach Angaben ihrer nun verwaisten Kinder größtenteils blind, auf Amateuraufnahmen ist zu sehen, wie sie bei dem Vorfall mit den israelischen Armeeangehörigen die Hände hebt. Sie könnte demnach auf die Soldaten zugelaufen sein, weil sie nach den Warnschüssen verwirrt und in Panik geraten war. Auch israelische Medien bestätigten, dass die Palästinenserin nicht bewaffnet war. Medien zitieren ihre Kinder, wonach die Lehrerin "voller Liebe und Freundlichkeit" gewesen sei und immer versucht habe, sich aus Konflikten herauszuhalten. In einem außergewöhnlichen Schritt hatte ein US-Diplomat, der Leiter des Referats für palästinensische Angelegenheiten, öffentlich auf den Vorfall reagiert und die seitens Israel angekündigte Aufklärung begrüßt.

Auch waren zuvor im April laut deutscher Medien junge Männer getötet worden, teilweise handelte es sich um Minderjährige, die in anderen Berichten wohl als Kinder bezeichnet würden. Ein 14-Jähriger ist nahe Bethlehem getötet worden und ein 20-Jähriger während eines Militäreinsatzes in Silwad nahe Ramallah. Außerdem ist ein 17-jähriger Palästinenser nach Beschuss durch israelische Soldaten in Dschenin an seinen Verletzungen gestorben.
Die Armee berichtete, ein Palästinenser habe in Husan eine Brandflasche auf Soldaten geworfen. Diese hätten daraufhin auf ihn geschossen und getroffen. Es habe dort Unruhen mit Hunderten Palästinensern gegeben.


Anfang April hat ein Palästinenser aus dem Westjordanland in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv drei Menschen erschossen. Daraufhin nahm die israelische Armee etwa 18 Menschen fest, die sie als Terrorverdächtige bezeichnete. In Nablus im Westjordanland sollen Palästinenser israelische Soldaten bei dem sogenannten Anti-Terror-Einsatz am Josefsgrab mit Brandflaschen und Steinen beworfen haben. Als Reaktion darauf schossen die Soldaten unter anderem mit scharfer Munition. Bei Berichten über die toten jungen Menschen wurde immer wieder auf eine Situation Bezug genommen: Irgendjemand habe aus fahrenden Autos eine Brandflasche geworfen.
Nach palästinensischen Angaben haben israelische Soldaten einen 21-Jährigen nahe Bethlehem erschossen. Das israelische Militär erklärte, er habe eine Brandflasche auf vorbeifahrende Autos geworfen, daraufhin hätten Soldaten auf ihn geschossen. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete, der Mann sei zu Hause gewesen und ihm sei in den Rücken geschossen worden. Das Gesundheitsministerium in Ramallah bestätigte seinen Tod.

Mehr zum Thema - Israelische Armee stürmt Flüchtlingslager in Dschenin und erschießt einen Palästinenser

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Liebe Leser und Kommentatoren,

wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.

Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen.

Ihr RT DE-Team