Nahost

Erdoğan will nach Saudi-Arabien reisen: Die Türkei hofft in der Währungskrise auf die Golfstaaten

Die Türkei steckt seit Monaten mitten in einer wirtschaftlichen Krise. Präsident Erdoğan schlägt deswegen nun mit Annäherungsversuchen an die Golfstaaten einen neuen Kurs in der Außenpolitik ein, um die Wirtschaftskrise im Land bewältigen zu können.
Erdoğan will nach Saudi-Arabien reisen: Die Türkei hofft in der Währungskrise auf die GolfstaatenQuelle: AFP © Adem Altan

Eine Analyse von Seyed Alireza Mousavi

Seit 2013, als sich mit dem Putsch in Ägypten die Hoffnungen der Türkei zerschlagen hatten, in der islamischen Welt eine führende Rolle zu übernehmen, haben sich im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings die Beziehungen der Türkei zu konterrevolutionären Staaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten verschlechtert.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte seinerzeit den neuen ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi auf Schärfste kritisiert, der den Muslimbruder Mohammed Mursi gestürzt hatte. 2013 brachen die beiden Staaten ihre diplomatischen Beziehungen ab. Auch im Libyen-Konflikt standen sich die Türkei auf der einen Seite sowie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten auf der anderen gegenüber. Den von der Türkei organisierten Söldnern gelang es 2019, eine Militäroffensive des libyschen Generals Chalifa Haftar auf die Hauptstadt Tripolis zu stoppen, der faktisch von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt wurde.

Seit einigen Monaten ist der türkische Präsident aber darum bemüht, das Verhältnis zu Saudi-Arabien und anderen arabischen Regionalmächten zu verbessern. Im November empfing er den Kronprinzen von Abu Dhabi, Muhammad bin Zayid Al Nahyan, in Ankara. Dieser kündigte Milliardeninvestitionen in der Türkei an, die derzeit unter einer schweren Währungskrise leidet. Der Besuch einer hochrangigen türkischen Delegation in Kairo Anfang Mai 2021 hatte zuvor einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten markiert.

Nach Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten will Erdoğan nun einen Annäherungskurs mit Saudi-Arabien einschlagen. Er kündigte kürzlich an, im Februar nach Saudi-Arabien reisen zu wollen. Es wäre sein erster Besuch dort seit 2018. Seit Monaten arbeiten Ankara und Riad Berichten zufolge an der Normalisierung ihrer Beziehungen, die mit der grausamen Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Generalkonsulat in Istanbul auf einem Tiefpunkt angelangt waren.

Über ein mögliches Treffen des türkischen Präsidenten mit dem saudischen Kronprinzen Mohammad bin Salman war bereits im vergangenen Dezember spekuliert worden, als Erdoğan zwei Tage lang Katar besucht hatte. Katarische Beamte versuchten im letzten Monat vergeblich, die beiden Männer in Doha zusammenzubringen. Nur wenige Stunden Erdoğans Abflug traf der saudische Kronprinz Mohammad Bin Salman in Doha ein. Dieser soll inzwischen laut Wall Street Journal von Erdoğan gefordert haben, dass er die Ermordung Khashoggis nie wieder erwähnt und türkische Medien dazu bewegt, den Vorfall in ihrer Berichterstattung nicht mehr hochzuspielen.

In erster Linie drängte die anhaltende Währungskrise Erdoğan zu einer Kursänderung in der Außenpolitik. Im März 2021, als der Sinkflug der türkischen Lira begann, gab die Türkei bekannt, man sei mit Ägypten wieder im Gespräch. Die Türkei kann sich in einer Wirtschaftskrise nicht mehr so viele Feinde leisten. Erdoğan setzt seine Hoffnung auf dringend benötigte Investitionen des Golfstaats in der Türkei, um damit die Wirtschaftskrise im Land gewissermaßen bewältigen zu können.

Wegen des Zerfalls der Währung verteuern sich die Importe in die Türkei. Der Preisanstieg erreicht inzwischen bedrohliche Ausmaße. Es drängt sich dabei jedoch die Frage auf, ob die Türkei und die Golfstaaten (konkret Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) ihre sämtlichen Meinungsverschiedenheiten auf Basis der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen ausräumen können. Die Türkei pflegt enge Kontakte zur Muslimbruderschaft, um damit eine Führungsrolle in der islamischen Welt zu erringen, während die ultrakonservativen arabischen Staaten auf dem Status quo in der Region beharren.

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