Nahost

Syrien: Raketenangriff auf US-Basis in Deir ez-Zor – Gefechte zwischen Rebellen und Armee in Darʿā

Eine Militäreinrichtung der US-Besatzer in der östlichen Provinz Deir ez-Zor von Syrien soll mit zwei Raketen beschossen worden sein. Südlich von Damaskus, in Darʿā, der von Rebellen sogenannten "Wiege der Revolution", toben heftige Kämpfe zwischen der regulären Syrischen Armee und Milizen.
Syrien: Raketenangriff auf US-Basis in Deir ez-Zor – Gefechte zwischen Rebellen und Armee in DarʿāQuelle: Reuters © Alaa al Faqir

Am Dienstagabend  soll eine Militäreinrichtung der US-Besatzer in der östlichen Provinz Deir ez-Zor in Syrien beschossen worden sein. Die Raketen seien aus nahegelegenen Gebieten abgefeuert worden. 

Lokale Quellen teilten der syrischen Nachrichtenagentur SANA unter der Bedingung der Anonymität mit, dass zwei Raketen die Basis auf dem Conoco-Gasfeld nahe der Stadt Deir ez-Zor getroffen hätten. Nach Angaben einer Quelle gab es keine unmittelbaren Berichte über mögliche Opfer oder Schäden.

Proiranische Milizen hatten am 28. Juni in Ostsyrien eine Basis der US-Armee angegriffen. Koalitionstruppen hatten nach eigenen Angaben auf den Raketenbeschuss in Deir ez-Zor mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen gegen Milizstellungen in der Stadt al-Mayadin reagiert. Der Beschuss habe der US-Basis auf dem Ölfeld al-Omar in der Region Deir ez-Zor gegolten, berichtete seinerzeit die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Stadt Darʿā, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz an der Grenze zu Jordanien, erlebte in den letzten Tagen die heftigsten Gefechte zwischen Rebellen und der regulären Syrischen Arabischen Armee (SAA). Syrische Truppen beschossen am Montag von Rebellen kontrollierte Teile der instabilen Stadt Darʿā im Südwesten des Landes, um dort verbliebene Milizen zur Evakuierung des Stadtteils Darʿā al-Balad zu zwingen. Die sogenannten Rebellen töteten bei den Gefechten vier syrische Soldaten, während dabei auch ein Kämpfer der Milizen getötet wurde. Die Lage in Darʿā eskalierte, nachdem von Russland vermittelte Gespräche zur Beendigung der Präsenz von Milizen in der Region erst einmal gescheitert waren, berichtet AP.

Die syrische Nachrichtagentur SANA berichtet, dass die SAA gegen das Feuer von Terroristen in der Stadt Darʿā Vergeltungsmaßnahmen ergriff, weil bei den Angriffen auf Armeekontrollpunkte in der Stadt 4 syrische Soldaten getötet und 15 Zivilsten verletzt wurden, darunter auch Kinder.

"Die Überreste terroristischer Gruppen in einigen Gebieten in Darʿā arbeiten immer noch daran, alle Bemühungen des Staates zur Konsolidierung von Sicherheit und Stabilität in der gesamten Provinz zu behindern", berichtet SANA

Die Rebellen machten die Regierung für die Eskalation verantwortlich und erklärten, dass die Truppen eine Offensive gestartet hätten, um die "Aufständischen" zur Kapitulation zu zwingen.

Am Mittwoch zirkulierten Berichte, dass ein russischer Konvoi mit mehreren Militärfahrzeugen in die Stadt Darʿā eingedrungen sei, um einen Deal zwischen der syrischen Armee und den Rebellen umzusetzen. 

Um die jüngsten Kämpfe in Darʿā zu beenden, bemühte sich Russland bereits, neue Verhandlungen zu erwirken, wonach die Rebellen Teile der Stadt verlassen müssten. Letzte Woche hatten die syrischen Behörden etwa 100 bewaffnete Männer angewiesen, den Stadtteil Darʿā al-Balad zu verlassen. Einige folgen der Aufforderung und verließen den Stadtteil, aber Dutzende widersetzten sich und blieben dort.

Als Teil der Übereinkunft war vorgesehen, dass nach dem Abzug der Rebellen reguläre syrische Truppen in Darʿā al-Balad einrücken. Die Rebellen, die den Deal akzeptierten, müssten im Gegenzug für eine Amnestie ihre Waffen abgeben.

Darʿā, das von Rebellen als Wiege der Revolution bezeichnet wird, war bis zum Sommer 2018  eine sogenannte Deeskalationszone unter dem Schutz der USA. Die Provinz wurde im Juli 2018 von der regulären Syrischen Arabischen Armee zurückerobert. Im Vergleich zu anderen Gebieten, in denen sich die Regierungsstreitkräfte wieder durchsetzen konnten, gab es keine klare Waffenstillstandsvereinbarung und keinen anschließenden Abtransport der Aufständischen samt ihrer Familien in die nördliche Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze. Stattdessen bewegte Russland die Regierung in Damaskus zu einem Aussöhnungsabkommen und beaufsichtigte die Rekrutierung von Rebellen aus Darʿā für eine neue lokale Schutztruppe, die als Fünftes Korps bekannt wurde.

Die südwestliche Provinz Darʿā Syriens wurde als Wiege des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bekannt, als 2011 in Syrien im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings der Konflikt ausbrach. Offenbar ist nun die Syrische Arabische Armee dabei, die endgültige Kontrolle über die Provinz zu übernehmen.

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