Nahost

Normalisierung am Persischen Golf? Iran und Saudi-Arabien nähern sich an

Regionale Konflikte wie der Syrien-Krieg und der Krieg im Jemen haben die Beziehungen zwischen den beiden Rivalen Iran und Saudi-Arabien so stark belastet, dass sie vor einigen Jahren ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatten. Doch in den letzten Monaten kam es zu einer Détente.
Normalisierung am Persischen Golf? Iran und Saudi-Arabien nähern sich anQuelle: www.globallookpress.com © Michael Schmeling/imageBROKER.com

Die regionalen Rivalen Iran und Saudi-Arabien sind dabei, ihre Beziehungen wieder zu stabilisieren. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA unter Berufung auf Regierungsvertreter in Teheran. Neben offiziellen Erklärungen der iranischen Seite nannte die Agentur auch bilaterale Verhandlungen zwischen beiden Staaten als Zeichen, dass es zu einer Verbesserung im Verhältnis kommt.

Medienberichten zufolge soll die nächste Verhandlungsrunde zwischen Teheran und Riad in Oman stattfinden. Der Golfstaat unterhält traditionell sowohl zu Iran als auch zu Saudi-Arabien gute Beziehungen. Iranische Analysten seien vorsichtig optimistisch, dass die Annäherung trotz des Regierungswechsels in Iran Bestand haben wird, schrieb IRNA.

Der gewählte Präsident Ebrahim Raissi erklärte im Juni öffentlich, dass er bereit sei, die diplomatischen Beziehungen wieder zu normalisieren. Es gebe keine Hindernisse für einen Dialog mit dem Nachbarstaat. Sein Team lud Saudi-Arabien zu der Amtseinführung, die voraussichtlich am 5. August stattfinden wird, ein.

Iran und Saudi-Arabien hatten im Jahr 2016 ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Im Zuge des Regierungswechsels in Washington Anfang des Jahres – die USA sind die wichtigsten Verbündeten Saudi-Arabiens – veränderte sich Riads Kurs gegenüber Iran. Die USA zogen viele Truppen aus dem Nahen Osten ab und verstärkten ihre Bemühungen, eine Verhandlungslösung für die Wiederherstellung des Atomabkommens aus dem Jahr 2015 zu erreichen.

Die Kursänderung schlug sich in einer Aufweichung der Rhetorik gegenüber Iran nieder. Im April dieses Jahres erklärte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, dass Riad hoffe, mit Iran als Nachbarstaat gute Beziehungen zu haben. Beide Staaten hätten ein gegenseitiges Interesse, das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand in der Region zu fördern. Said Chatibsadeh, der Sprecher des iranischen Außenministeriums, begrüßte diese versöhnliche Wortwahl. Er erklärte:

"Durch einen konstruktiven und dialogorientierten Ansatz können Iran und Saudi-Arabien, zwei wichtige Länder in der Region und der muslimischen Welt, ihre Differenzen beilegen und eine neue Ära der Zusammenarbeit einleiten, um Frieden und Stabilität in der Region zu verbessern."

Zu der Annäherung zwischen Teheran und Riad trugen die Vermittlungsversuche einiger anderer regionaler Akteure wie Pakistan, Irak, Katar und Oman bei, berichtete IRNA. Insbesondere Pakistan spielte eine große Rolle. Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan erklärte letztes Jahr, dass das Land jeden Versuch unternommen habe, um eine militärische Eskalation zwischen den beiden Rivalen zu unterbinden.

Lolwah Al-Khater, die Sprecherin des katarischen Außenministeriums, erklärte im Juni, dass ihr Land bereit sei, eine vermittelnde Rolle zu spielen, um den Frieden und die Stabilität zu sichern. Zuvor hatte der Golfstaat seine Nachbarn aufgerufen, Gespräche mit Iran aufzunehmen.

Irak ermöglichte laut einem Bericht der Financial Times Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern aus Riad und Teheran, um die Beziehungen wiederherzustellen. Beide Seiten bestätigten die Gespräche.

Anfang dieses Monats äußerte sich ein iranischer Regierungssprecher optimistisch über den Fortschritt der Verhandlungen, mahnte jedoch zugleich, dass es bezüglich einer Reihe von komplizierten Fragen noch keine Einigung gebe.

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