Nahost

Taliban rücken weiter in Afghanistan vor – Präsident Ghani besucht Biden in den USA

Während die Taliban Gebiete in Afghanistan überrennen und Hunderttausende Afghanen unter ihre Kontrolle bringen, hat der afghanische Präsident Aschraf Ghani das Land verlassen, um sich mit der US-Präsident zu treffen.
Taliban rücken weiter in Afghanistan vor – Präsident Ghani besucht Biden in den USAQuelle: AFP © Nicholas Kamm

US-Präsident Joe Biden sicherte bei einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani im Weißen Haus seine "Unterstützung" zu, während er an dem Abzugsplan der US-Truppen aus dem Land festhielt. Biden hatte bereits den Kongress gebeten, 3,3 Milliarden Dollar für Sicherheitshilfe in Afghanistan im nächsten Jahr zu bewilligen.

Ghanis Besuch findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem die Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und Taliban ins Stocken geraten sind. Taliban-Milizen überrennen Gebiete Bezirk für Bezirk und bringen Hunderttausende Afghanen unter ihre Kontrolle. Die afghanische Armee hat in letzten Tagen in mehreren Gebieten vor den Taliban kapituliert und läuft nun auch Gefahr, große Städte an die Taliban zu verlieren.

Ghani erklärte im Weißen Haus, er respektiere Bidens Entscheidung, und die Partnerschaft zwischen den USA und Afghanistan trete in eine neue Phase ein. Im Gespräch mit Journalisten nach dem Treffen sagte der afghanische Präsident, die Entscheidung der USA, die Truppen abzuziehen, sei eine "souveräne Entscheidung", und es sei Kabuls Aufgabe, mit den Konsequenzen umzugehen.

Ghanis politisches Überleben hängt an einem dünnen Faden, wie die US-Geheimdienste in einer neuen Lagebeurteilung bewerten. Laut dem Wall Street Journal, das Einblick in das vertrauliche Papier erhielt, kamen die US-Sicherheitsbeamten vergangene Woche zum Schluss, dass die Regierung in Kabul bereits ein halbes Jahr nach dem NATO-Abzug zusammenbrechen könnte.

Die Taliban haben in den vergangenen Wochen Dutzende von Gebiete erobert. Sie stehen vor der Metropole Mazar-e Sharif und drangen schon in die strategisch wichtige Provinzhauptstadt Kunduz ein. Berichte aus der Region zeichnen das Bild von Fluchtbewegungen. In den sozialen Medien zirkulieren auch Videos, in denen zu sehen ist, wie Regierungssoldaten sich den Taliban ergeben und ihre Ausrüstung aus US-Produktion dem Feind überlassen.

Lokale Behörden riefen in den letzten Tagen Zivilisten auf, sich zu bewaffnen und mit Unterstützung der Sicherheitskräfte gegen die Taliban-Offensive vorzugehen. Angesichts dieses Aufrufs machten sich mittlerweile einige afghanische Politiker, die dem amtierenden Präsidenten Ghani gegenüber kritisch eingestellt sind, Sorgen, da die Bewaffnung von Zivilisten nach der möglichen Niederlage der Taliban-Offensive einen neuen Bürgerkrieg in Afghanistan entfachen könnte.

US-Außenminister Antony Blinken, der am Freitag in Paris sprach, machte eine Bemerkung zur zunehmenden Gewalt in Afghanistan und nannte diese "eine echte Gefahr", wenn die Taliban versuchten, das Land mit Gewalt einzunehmen: "Wir werden ein Wiederaufflammen eines Krieges oder möglicherweise noch Schlimmeres erleben." Die Biden-Regierung sei jedoch zu dem Schluss gekommen, dass es eine schlechte Wahl gewesen sei, die US-Truppen nicht abzuziehen, wie die Trump-Administration den Taliban im Februar 2020 versprochen hatte, sagte Blinken.

Die USA haben nach offiziellen Angaben den Abzug bereits zur Hälfte vollzogen, schaffen mit C-17-Transportflugzeugen umfangreiches Militärmaterial außer Landes und wollen die Mission offenbar bereits im Juli beenden, lange vor dem als Abzugstermin geplanten 11. September.

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