Nahost

Katar fordert von Israel Transparenz über dessen atomare Aktivitäten

Wenn die israelische Regierung sich über das Atomprogramm des Iran besorgt zeigt, verheimlicht sie zugleich ihre eigenen atomaren Aktivitäten. Katar fordert nun Israel auf, die Tür seiner Atomreaktoren für Inspektoren der IAEO zu öffnen.
Katar fordert von Israel Transparenz über dessen atomare AktivitätenQuelle: Reuters © Leonhard Foeger

Der Ständige Vertreter Katars bei  den Internationalen Organisationen in Wien fordert die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) auf, Israels Nuklearaktivitäten zu überwachen. Der katarische Diplomat Sultan bin Salmeen Al Mansouri betont die dringende Notwendigkeit, geheime Atomreaktoren in Israel zu inspizieren.

Der katarische Diplomat sagte diesbezüglich, dass alle arabischen Länder, einschließlich Katar, den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) unterzeichnet und alle internationalen Resolutionen angenommen und zugestimmt hätten, in denen gefordert werde, dass der Nahe Osten frei von Atomwaffen sein soll. Israel hingegen weigere sich, an diesen Bemühungen teilzunehmen.

Die letzte israelische Aggression gegen Gaza, der unverhältnismäßige Einsatz von Gewalt gegen Zivilisten und die Zerstörung ziviler Infrastruktur werfen grundlegende Fragen auf, ob Israel sich als verantwortungsvoller Staat verhalte und seine Waffen gemäß den Regeln des Völkerrechts einsetze, hieß es in der Erklärung des katarischen Außenministeriums.

Israel hat bisher weltweite Aufrufe zum Beitritt zum NVV zurückgewiesen und sich geweigert, internationalen Inspektoren die Beobachtung seines umstrittenen Atomprogramms zu gestatten.

The Guardian berichtete im Februar anhand von Satellitenbildern, dass Israel insgeheim seine Nuklearanlage nahe Dimona ausbaut. Dieser Reaktor, der mutmaßlich der Schlüssel für Israels Programm zur Herstellung von Atomwaffen ist, war Ende der 1950er-Jahre unter größter Geheimhaltung mit Unterstützung von Frankreich gebaut worden und ging schließlich 1963 in Betrieb. Damals wurde die Lebensdauer mit 40 Jahren angegeben. Als diese Frist erreicht worden war, wurde in Israel viel über die Stilllegung von Dimona debattiert.

Dass über den Reaktor Dimona nicht wesentlich mehr bekannt ist, liegt unter anderem daran, dass Israel den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen nicht unterschrieben hatte und damit auch nicht den regelmäßigen Untersuchungen durch die IAEO unterworfen ist.

Am 21. April ertönten Sirenen in der südlichen israelischen Provinz Negev, in der sich Dimona befindet. Wie das israelische Militär mitteilte, sei eine Rakete aus Syrien in der Nähe einer israelischen Atomanlage eingeschlagen. Die Hintergründe bleiben allerdings bis heute unklar. Israel verfolgt bezüglich seines Atomwaffenarsenals eine Politik der Zweideutigkeit, dessen Existenz es weder bestätigt noch leugnet.

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