Nahost

Gaza-Konflikt: Israel schießt Granaten auf Stellungen im Südlibanon

Israel feuerte Artilleriegeschosse auf Grenzgebiete im Südlibanon ab, nachdem laut eigenen Angaben sechs Raketen aus dem Libanon in Richtung Israel abgefeuert wurden. Das israelische Militär teilte jedoch mit, dass die Hisbollah nicht hinter dem Raketenfeuer vom Montag steckte.
Gaza-Konflikt: Israel schießt Granaten auf Stellungen im SüdlibanonQuelle: AFP © Mahmoud Zayyat

Die militärische Konfrontation zwischen der israelischen Armee und der Hamas ist auch nicht ganz ohne Wirkung auf den Libanon. Israel feuerte am Montagabend Artilleriegeschosse auf Grenzgebiete im Südlibanon ab, nachdem laut eigenen Angaben sechs Raketen aus dem Libanon in Richtung Israel abgefeuert wurden. Libanesische Sicherheitskreise bestätigten, es seien mindestens drei Raketen von den grenznahen Schebaa-Farmen im Süden des Libanon Richtung Nordisrael abgefeuert worden.

Auch die Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) meldete Raketenbeschuss von libanesischem Boden aus. Die UN-Friedensmission teilte mit, das israelische Militär habe mit Artillerie "in Richtung der Abschussstelle geschossen", berichtet Press TV

Reuters zitierte eine libanesische Sicherheitsquelle mit den Worten, dass etwa 22 Granaten vom israelischen Militär auf libanesische Gebiete abgefeuert wurden. Es gab keine Berichte über Verluste oder Schäden. In den sozialen Medien zirkulieren Videos, die den Moment zeigen, als Raketen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert werden.

Das israelische Militär teilte jedoch mit, dass die Hisbollah nicht hinter dem Raketenfeuer vom Montag gesteckt habe, sondern vielmehr eine palästinensische Fraktion dafür verantwortlich gewesen sei. Die Raketen aus dem Libanon seien jedoch allesamt auf libanesischen Boden gefallen, teilte die israelische Armee am späten Montagabend mit.

Vergangenen Freitag wurde mindestens ein libanesischer Demonstrant, der auf israelisches Territorium gelangt war, durch israelisches Panzerfeuer getötet. Zudem waren bereits am Donnerstag drei Raketen aus dem Libanon nach Israel gefeuert worden.

Bei einer Protestkundgebung hatten sich letzte Woche hunderte Anhänger der Hisbollah und andere Demonstranten in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit den Palästinensern solidarisiert. Die Demonstranten schwenkten Fahnen der Palästinenser und der Hisbollah und riefen unter anderem "Tel Aviv, wir kommen".

Anfang des Monats hatte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah seine Truppen im Grenzgebiet verstärkt und in Alarmbereitschaft versetzt, da die israelischen Streitkräfte ein großes Manöver geplant hatten. Israel mache besser keinen Fehler, drohte Nasrallah seinerzeit. Seit dem Libanonkrieg 2006 kam es zu keiner Verstärkung der Hisbollah-Truppen an der Grenze zu Israel. Das macht deutlich, dass die jetzige Lage neue Konflikte im Nahen Osten verursachen könnte. Mittlerweile wurde die israelische Militärübung ausgesetzt. Stattdessen laufe vor den Augen der Hisbollah "so etwas wie eine Echtzeitsimulation ab", sagte ein Sicherheitsexperte in Beirut in Bezug auf das erneute Aufflammen des bewaffneten Konflikts zwischen Palästinensern und der israelischen Armee in Gaza. "Sie können jetzt beobachten, wie die israelische Raketenabwehr reagiert und wie sich das Land unter Raketenbeschuss verhält." Abu Hussein, ein ranghoher Hisbollah-Funktionär, gebe dazu keine Details preis und spreche nur von "enormen Informationen", meldet die FAZ.

Seit Tagen tobt ein blutiger Krieg zwischen der Hamas und der israelischen Armee. Israel reagiert dabei auf massives Raketenfeuer der Hamas auf Ziele in israelischen Städten mit dem umfangreichsten Bombardement des Gazastreifens seit dem Krieg im Sommer 2014.

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