Nahost

Angriffe zwischen Israel und Gaza weiten sich aus – Lawrow fordert Treffen des Nahost-Quartetts

Russlands Chefdiplomat Sergei Lawrow fordert vor dem Hintergrund der sich ausweitenden Feindseligkeiten zwischen Israelis und Palästinensern eine schnellstmögliche Einberufung eines Treffens des Nahost-Vermittlerquartetts auf Ebene der Außenminister.
Angriffe zwischen Israel und Gaza weiten sich aus – Lawrow fordert Treffen des Nahost-QuartettsQuelle: Reuters © Maxim Shemetov

Das Quartett internationaler Vermittler zur Konfliktbeilegung im Nahen Osten müsse so schnell wie möglich ein Treffen seiner Außenminister anberaumen. Aufgrund der Dringlichkeit zunächst ohne Vertreter der Konfliktparteien Israel und Palästina, so die Forderungen des russischen Außenministers Sergei Lawrow angesichts der jüngsten Eskalation im schwelenden Konflikt zwischen Israel und Palästina. Wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet, äußerte sich Lawrow am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem UN-Generalsekretär António Guterres wie folgt:

"Ich denke, wir sind heute zu der gemeinsamen Meinung gelangt, dass es die dringlichste Aufgabe ist, das Quartett der internationalen Vermittler Russlands, der Vereinigten Staaten, der UNO und der Europäischen Union einzuberufen. Und wir vertrauen darauf, dass der UN-Generalsekretär als Koordinator des Quartetts in Zusammenarbeit mit den Parteien versucht, ein solches Treffen schnellstmöglich zu organisieren."

"Es ist wünschenswert, ein Treffen auf Ebene der Außenminister abzuhalten."

Lawrow erinnerte daran, dass die russische Seite einen Dialog zwischen dem Quartett und Israel, Palästina, den arabischen Staaten, welche diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen haben, sowie Saudi-Arabien als Autor der arabischen Friedensinitiative befürwortet. Aktuell sei aber Schnelligkeit das Gebot der Stunde:

"Doch in diesem Stadium ist die Einberufung des Quartetts wahrscheinlich die dringlichste Sache. Dies ist leichter zu schaffen, als eine breitere Konfiguration zusammenzustellen."

Israelische Kampfflugzeuge griffen am Mittwochabend das Gebäude des Finanzministeriums der palästinensischen Autonomiebehörde und das Büro der Islamischen Nationalbank in Gaza-Stadt an. Dies berichtete das Nachrichtenportal Dunya Al Watan:

Das Gebäude des Finanzministeriums, das sich im Zentrum des Gazastreifens befindet, wurde von unbemannten Fluggeräten aus mit zwei Raketen beschossen. Über Sachschäden oder Verletzte lagen zum Redaktionszeitpunkt noch keine Informationen vor.

Überdies feuerte Israel am frühen Donnerstagmorgen Raketen auf den nördlichen Gazastreifen ab. Laut dem katarischen Fernsehsender Al Jazeera wurden auch Luftangriffe auf das Viertel Sheikh Radwan durchgeführt. Zwei Tote wurden unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses geborgen.

Als Reaktion auf den Beschuss der Küstenenklave intensivierten palästinensische Extremisten den Raketenbeschuss auf Ziele in Israel. Die Gruppierung Sarai Al-Quds (Jerusalem-Brigaden), der bewaffnete Arm der Organisation Palästinischer Islamischer Dschihad, gab bekannt:

"Der Beschussradius wird ausgeweitet und die Raketen zielen jetzt sowohl auf Tel Aviv als auch auf Gebiete außerhalb."

Sirenen ertönten in Haifa, Nagaria und Akkon im nördlichen Teil des jüdischen Staates. Berichten zufolge schlugen Raketen in Gebäude ein und lösten Brände aus. Fünf Israelis wurden am Stadtrand von Tel Aviv verletzt.

Die Izz-ad-Din al-Qassam-Brigade, der militante Flügel der Hamas-Bewegung, der den Gazastreifen kontrolliert, erklärte, der "Raketenhagel" auf israelische Städte sei "eine Reaktion auf den Beschuss von Wohnhäusern und Hochbauten in Gaza". Mindestens 130 Raketen seien auf Aschkelon, Sderot und Umgebung abgefeuert worden, so die Gruppierung.

Seit dem 10. Mai setzen die israelische Armee und palästinensische Radikale im Gazastreifen ihre Angriffe ununterbrochen fort. Die Eskalation ist eine Folge von Ausschreitungen an der al-Aqsa-Moschee in Ost-Jerusalem, bei denen mehr als 700 Palästinenser verletzt wurden. Nach Angaben aus Israel wurden in dem Zeitraum mehr als 1.500 Raketen auf sein Staatsgebiet abgefeuert, wobei sechs Israelis getötet wurden.

Im Gazastreifen wurden im gleichen Zeitraum etwa 70 Palästinenser getötet, darunter 16 Kinder, 365 weitere Menschen wurden verwundet. Die israelische Armee greift nach eigenen Angaben Einrichtungen der Hamas an. Im Zuge der Angriffe werden jedoch auch Wohn- und Hochhäuser zerstört und die zivile Infrastruktur der Enklave vernichtet.

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