Nahost

Israels Luftwaffe greift weiter Ziele im Gazastreifen an – Palästinenser feuern noch mehr Raketen ab

Die israelische Luftwaffe fliegt weiter Angriffe im Gazastreifen, die sich offiziell gegen die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen richten. Diese feuern als Reaktion noch mehr Raketen auf Israel. Die Zahl der Todesopfer stieg bis Mittwoch auf mindestens 50.
Israels Luftwaffe greift weiter Ziele im Gazastreifen an – Palästinenser feuern noch mehr Raketen abQuelle: www.globallookpress.com © Keystone Press Agency

Israel und die Palästinenser im Gazastreifen haben am Mittwoch ihren blutigen Schlagabtausch fortgesetzt. Bei erneut heftigem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen wurden am Abend in Israel mehrere Menschen verletzt. In Sderot schwebte ein fünfjähriger Junge in Lebensgefahr, wie der Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte.

Auch im Großraum Tel Aviv war erneut Raketenalarm ausgelöst worden. Heulende Warnsirenen waren am Abend zu hören. Es war die dritte Angriffswelle seit Dienstagabend. Die Küstenmetropole - Israels wirtschaftliches Zentrum – wurde in der Nacht zum Mittwoch so stark mit Raketen beschossen wie nie zuvor.

Zuvor hatten israelische Kampfflugzeuge einen weiteren Wolkenkratzer im Gazastreifen zerstört. In dem 14-stöckigen Gebäude hatte die Hamas Büros. Es befanden sich aber auch Cafés und Geschäfte in dem Gebäude. Videos zeigten, wie das Gebäude nach dem Angriff in sich zusammenfiel. Die Hamas erklärte, sie werde als Reaktion 130 Raketen auf die israelischen Städte Aschkelon, Sderot und Netivot abfeuern.

Israels Luftwaffe hatte zuvor auch das Haus eines hochrangigen Hamas-Mitglieds zerstört. Dem Bericht zufolge diente das Gebäude als Waffenlager. Außerdem tötete Israel bei Angriffen mehrere hochrangige Hamas-Funktionäre. "Das ist erst der Anfang – wir werden ihnen Schläge versetzen, von denen sie nie geträumt haben", sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Mittwoch in einem Krankenhaus in Cholon. Beobachter vermuteten, dass die Tötung von Hamas-Vertretern die Raketenangriffe auf Israel verstärken könnte. Israels Verteidigungsminister Benny Gantz stimmte die Bürger jedenfalls auf eine verlängerte Militäraktion ein.

Der militärische Arm der Hamas-Organisation feuerte zudem am Mittwoch nach eigenen Angaben 15 Raketen in Richtung der israelischen Wüstenstadt Dimona ab. Dort befindet sich ein israelischer Atomreaktor, der aber als extrem gut geschützt gilt. Ein israelischer Armeesprecher sagte, er könne nicht bestätigen, dass irgendwelche Raketen abgefeuert worden oder in dem Gebiet gelandet seien.

Seit Montagabend beschießen die Palästinenser Israel mit Raketen. Die israelische Armee antwortet darauf mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe. Es kommt zu Opfern auf beiden Seiten.

Nach Angaben des Militärs starben in Israel mindestens fünf Menschen durch Raketenbeschuss. Zudem wurde ein israelischer Soldat von einer Panzerabwehrrakete getroffen und getötet. Die israelische Armee machte die Hamas für den Angriff verantwortlich, bei dem weitere Soldaten verletzt wurden. Das Gesundheitsministerium in Gaza bezifferte die Zahl der Todesopfer auf 56.

International wächst die Besorgnis über die Eskalation des Konflikts. Die Vereinten Nationen warnten den UN-Sicherheitsrat vor einem größeren Krieg, wie Diplomaten berichteten. Die USA blockierten am Mittwoch zunächst eine gemeinsame Erklärung des mächtigsten UN-Gremiums zu der eskalierenden Gewalt im Nahen Osten, wie es hieß.

Im Gegenzug forderten die europäischen Länder im UN-Sicherheitsrat ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. "Wir fordern alle Akteure auf, die Spannungen abzubauen, die Gewalt zu beenden und äußerste Zurückhaltung zu zeigen", sagte der estnische UN-Botschafter Sven Jürgenson in einer Erklärung Estlands, Frankreichs, Irlands und Norwegens vom Mittwoch nach der Dringlichkeitssitzung des UN-Gremiums in New York.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas warnte, der Konflikt könne sich auf andere Teile der Region ausweiten. In einer ZDF-Sondersendung am Mittwochabend nannte er den Beschuss Israels mit mehr als 1.000 Raketen aus dem Gazastreifen absolut inakzeptabel. Das sei die Grundlage dafür, dass Israel von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch mache.

"Das alles wird, wenn es keine Deeskalation gibt, dazu führen, dass wir hier mit einer Gewaltspirale konfrontiert werden, die die ganze Region in einen tiefen Konflikt mit viel Gewalt stürzen kann, der weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus wirken wird. Das muss unter allen Umständen vermieden werden", so Maas.

In den vergangenen Tagen war es zunächst zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen, vor allem in Jerusalem. Auslöser der Zusammenstöße waren Proteste gegen Polizeiabsperrungen in der Altstadt und die drohende Zwangsräumung palästinensischer Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah. Auch in arabischen Ortschaften im israelischen Kernland war es in letzter Zeit zu Gewalt gekommen.

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(rt/dpa)