Nahost

Ende der diplomatischen Eiszeit? – Iran und Saudi-Arabien sollen Geheimgespräche geführt haben

Nach jahrelanger Eiszeit sollen Saudi-Arabien und Iran ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen haben. Direkte Gespräche fanden Medienberichten zufolge bereits in Bagdad statt. Die Angriffe der von Iran unterstützten Huthis auf Ziele in Saudi-Arabien sollen dabei Hauptthema gewesen sein.
Ende der diplomatischen Eiszeit? – Iran und Saudi-Arabien sollen Geheimgespräche geführt habenQuelle: AP © Louisa Gouliamaki

Nach einem Bericht der Financial Times soll in der irakischen Hauptstadt Bagdad am 9. April eine hochrangige Delegation Saudi-Arabiens mit Vertretern Irans zusammengekommen sein – erstmals seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen im Januar 2016. Zugleich arbeitet Washington daran, das Atomabkommen von 2015 mit Teheran wiederzubeleben und den Jemen-Krieg zu beenden.

Offizielle Bestätigungen für das Treffen gab es am Sonntag allerdings nicht. Aus Saudi-Arabien kam gar ein Dementi einer hohen Regierungsquelle, was aber nicht ausschließt, dass der Bericht zutrifft. Die saudischen Behörden antworteten zudem nicht auf eine Anfrage von Reuters nach einer Stellungnahme zu den Gesprächen.

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Said Chatibsadeh, sagte am Montag, Teheran habe den Dialog mit Saudi-Arabien stets begrüßt. Jedoch hat er die direkten Gespräche zwischen Iran und Saudi-Arabien weder bestätigt noch dementiert. Die USA und Großbritannien seien im Vorfeld über die Gespräche unterrichtet worden. Sie seien aber nicht informiert über den "Ausgang der Verhandlungen, meldet Reuters.

Die jüngsten Angriffe der von Iran unterstützten Huthi-Bewegung vom Jemen aus auf Ziele in Saudi-Arabien sollen in Bagdad Hauptthema gewesen sein. Huthi-Milizen, die im vergangenen Jahr weitere Geländegewinne im Zuge des Bürgerkrieges im Jemen erzielt hatten, starteten vor wenigen Wochen erneut eine große Offensive auf die strategische Stadt Ma'rib. Die Stadt ist das Herz der jemenitischen Erdöl- und Erdgaswirtschaft, 120 Kilometer östlich der Hauptstadt Sanaa. 

Gegenstand der Gespräche soll ferner die schwere Finanzkrise im Libanon gewesen sein. Die Situation im Libanon ist seit der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut im vergangenen Jahr äußerst angespannt. Der amtierende Premierminister Hassan Diab regiert weiterhin, da die politischen Kräfte trotz des Drucks von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich nicht in der Lage sind, eine neue Regierung zu bilden. Iran hat einen enormen Einfluss auf einen der wichtigsten politischen Akteure im Libanon – die Hisbollah. 

Eine nächste Gesprächsrunde zwischen Iran und Saudi-Arabien soll bereits für diese Woche vereinbart worden sein. Premierminister Mustafa al-Kadhimi habe für Teheran "Kommunikationskanäle" mit Ägypten und Jordanien etabliert.

Iran hat im Irak enormen politischen Einfluss, der militärisch über schiitische Milizen abgesichert ist. Diese Milizen werden von der Iranischen Revolutionsgarde geleitet. Wer Iran bei den Gesprächen vertreten hat, geht aus dem Bericht der Financial Times nicht hervor. Es ist jedoch anzunehmen, dass Funktionäre der iranischen elitären Quds-Einheit anwesend waren. Für Israel stellte diese Nachricht über das geheime Treffen zwischen Iran und Saudi-Arabien eine große Enttäuschung dar, da die Israelis in der letzten Zeit versuchten, einen Keil zwischen beiden Staaten zu treiben, um eine neue Front gegen Iran in der Region zu eröffnen. 

Der Irak hat Interesse an einer Mittlerrolle zwischen Iran und Saudi-Arabien, da in dem Land faktisch ein Stellvertreterkrieg zwischen Verbündeten Irans und westlicher Mächte ausgetragen wird. 

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr Bāqir al-Nimrs durch Saudi-Arabien im Rahmen einer Massenhinrichtung von 47 Personen am 2. Januar 2016 verschlechterten sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern abrupt. Noch am selben Tag wurde die saudische Botschaft in Teheran von Protestlern gestürmt und teilweise in Brand gesetzt. In der Folge brach Saudi-Arabien am 3. Januar 2016 seine diplomatischen Beziehungen zu Iran ab. Alle iranischen Diplomaten wurden aufgefordert, das Land binnen 48 Stunden zu verlassen.

Mehr zum Thema - Russland schaltet sich als Ordnungsmacht im Nahen Osten ein