Nahost

Medienbericht: Pfizer nennt Israel "Bananenrepublik" und stoppt Lieferung von COVID-19-Impfstoff

Bei dem US-amerikanischen Pharmariesen Pfizer liegen offenbar die Nerven blank. Pfizer soll laut Medienberichten die Lieferungen seines Impfstoffs eingefroren haben, da die letzten 2,5 Millionen Dosen von Israel noch nicht bezahlt worden seien.
Medienbericht: Pfizer nennt Israel "Bananenrepublik" und stoppt Lieferung von COVID-19-ImpfstoffQuelle: AFP © Emmanuel Dunand

Laut einem Bericht der Jerusalem Post wurden etwa 700.000 Dosen des Pfizer-Impfstoffs am Sonntag, nach dem Ende der Pessach-Woche, in Israel erwartet – doch offenbar sei die Lieferung verschoben worden. Die Begründung für den Lieferstopp seien ausstehende Zahlungen an Pfizer. Pfizer-Führungskräfte sollen Israel als "Bananenrepublik" bezeichnet und ihr Unverständnis darüber ausgedrückt haben, wie so etwas in einem organisierten Land passieren könne, erklärte ein Korrespondent von Galatz, dem israelischen Armee-Radio, am Montag in der Sendung "Good Morning Israel".

Der Pharmariese erklärte in einer Stellungnahme gegenüber RT DE:

"Pfizer hat alle Lieferungen nach Israel im Rahmen der im November 2020 unterzeichneten ursprünglichen Vereinbarung zur Lieferung des Impfstoffs COVID-19 abgeschlossen. Das Unternehmen arbeitet derzeit mit der israelischen Regierung an einer Aktualisierung der Vereinbarung, um weitere Impfstoffe an das Land zu liefern. Während diese Arbeit andauert, können die Lieferungen angepasst werden."

Israel hat Berichten zufolge 15 Millionen Dosen des von Pfizer und BioNTech hergestellten Impfstoffs sowie weitere 12 Millionen Dosen der Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca gekauft.

Israel soll dabei 2,6 Milliarden Schekel (rund 665 Millionen Euro) ausgegeben haben und weitere 2,5 Milliarden Schekel (rund 640 Millionen Euro) für weitere Käufe reserviert haben, erklärte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums gegenüber der Regierung letzten Monat. Die Zahlen, die auf Anfrage des Vorsitzenden des Finanzausschusses der Knesset, Mosche Gafni, zum ersten Mal offengelegt wurden, zeigen, dass Israel einen Preis pro Dosis gezahlt habe, der "viel höher" ist, als bisher angenommen.

Das israelische Gesundheitsministerium ersuchte um die Genehmigung, 30 Millionen weitere Dosen zu bekommen. Jedoch wurde das Treffen aufgrund eines Konflikts zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinem Koalitionspartner Benny Gantz abgesagt, wie israelische Medien berichteten. Laut der Jerusalem Post soll Gantz das Treffen abgesagt haben, weil Netanjahu sich weigere, Gantz als Justizminister zu bestätigen. Gantz ist seit dem 17. Mai 2020 Verteidigungsminister und alternierender Premierminister von Israel.

Gantz' Büro sagte, dass der Kauf der 2,5 Millionen Impfstoffe bereits genehmigt worden sei und dass die Zahlungsverzögerung die Schuld von Gesundheitsminister Yuli Edelstein, einem Mitglied von Netanjahus Likud-Partei, sei. Das Gesundheitsministerium hat sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Netanjahu befindet sich seit Mai 2020 in einer komplizierten Koalitionsregierung mit seinem Herausforderer Gantz, nachdem die dritte Wahl innerhalb eines Jahres keine tragfähige Mehrheitskoalition hervorgebracht hat.

Eine weitere Schnellwahl, die letzten Monat abgehalten wurde, brachte keine Lösung der verfahrenen Situation. Wie aus veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen hervorgeht, erreichten weder die als Unterstützer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geltenden Parteien noch dessen Gegner eine eindeutige Mehrheit. Insgesamt schafften 13 Parteien den Einzug ins Parlament. Das Zünglein an der Waage könnte die arabische Partei Raam werden.

Laut Medienberichten könnte das Interesse von Gantz am Justizministerium mit der Tatsache zusammenhängen, dass Netanjahu derzeit mit einer Reihe von Korruptionsvorwürfen konfrontiert ist. Pfizer-Chef Albert Bourla sollte Anfang März Israel besuchen, um dort über weitere Lieferungen und möglicherweise sogar die Produktion eines Impfstoffs zu verhandeln. Er sagte die Reise jedoch fünf Tage vor dem geplanten Termin mit der Begründung ab, er und sein Team seien noch nicht vollständig geimpft und würden gerne später kommen. Er wolle wiederkommen, wenn "die Einschränkungen bezüglich des Coronavirus aufgehoben sind oder sich verbessern und bessere Besuchsbedingungen ermöglichen".

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