Nahost

Israel blockiert Lieferung von Impfstoff Sputnik V nach Gaza

Die Palästinensische Autonomiebehörde wirft Israel vor, 1.000 für medizinisches Personal bestimmte Dosen für den Gazastreifen zu blockieren. Offenbar mutmaßt Israel, dass statt medizinischem Personal "ranghohe Hamas-Funktionäre" geimpft werden sollen.
Israel blockiert Lieferung von Impfstoff Sputnik V nach GazaQuelle: AFP © Yuri Cortez

Laut einem Bericht von Al Jazeera soll Israel den Transport von 1.000 Dosen des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V, der laut palästinensischen Angaben für medizinisches Personal bestimmt war, an der Grenze aufgehalten haben. Die palästinensische Gesundheitsministerin Mai Al-Kaila erklärte am Montag, dass Israel "die volle Verantwortung" für die Blockierung der Lieferung trage. Die Lieferung soll von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) erworben worden sein, die Teile des von Israel besetzten Westjordanlandes regiert.

Die PA erklärte, dass sie ihre Impfstoffversorgung mit dem von der Hamas seit 2007 regierten Gazastreifen teilen will. Der Gazastreifen, in dem mehr als zwei Millionen Palästinenser leben, hat bisher noch keine Impfstoffe erhalten. Die Behörden dort haben seit Beginn der Pandemie mehr als 53.000 Infektionen und mindestens 537 Todesfälle gemeldet.

Israel, das eine der weltweit schnellsten Impfkampagnen pro Kopf durchführt, sieht sich internationalen Forderungen ausgesetzt, seine Impfvorräte mit den im Westjordanland und im Gazastreifen lebenden Palästinensern zu teilen. COGAT, die israelische Militärbehörde, die die zivilen Angelegenheiten in den besetzten palästinensischen Gebieten verwaltet, sagte, dass die PA darum gebeten hatte, 1.000 Impfstoffdosen nach Gaza zu transferieren, aber dass die Anfrage "auf eine politische Entscheidung wartet".

Ein israelischer Beamter soll laut Al Jazeera erklärt haben, dass über die Freigabe der Impfstoffe noch beraten wird.
"Es wurde nicht blockiert. Sie denken immer noch darüber nach", so der Beamte, der laut Al Jazeera anonym bleiben will. Harry Fawcett, ein Mitarbeiter von Al Jazeera, der aus Westjerusalem berichtet, sagte, dass die Abgeordneten in der Knesset weiterhin darüber diskutierten, ob sie die Impfstoffe nach Gaza lassen sollten oder nicht.

Keine Absichten, mit Gaza zu teilen

Offenbar gibt es bei israelischen Politikern den Verdacht, dass der Impfstoff nicht für das Gesundheitspersonal, sondern für hochrangige Hamas-Funktionäre sei. Während einer Diskussion im israelischen Außen- und Verteidigungsausschuss habe der Vorsitzende Zvi Hauser einen Vertreter des Nationalen Sicherheitsrates von Premierminister Benjamin Netanyahu um Details über die israelische Politik des Impfstofftransfers gebeten.

Der Beamte des Nationalen Sicherheitsrates, Roi Binyamini, erklärte daraufhin, die Regierung hatte nicht die Absicht, Israels eigenen Vorrat an Impfstoffen mit dem Gazastreifen zu teilen. Aber er sagte, dass die Regierung Anfragen von anderen Parteien abwägt, um der PA zu erlauben, ihre eigenen Impfstoffe in das Gebiet zu liefern. Er sagte, er erwartet, dass eine Entscheidung schnell getroffen wird.

Am Montag hatte die PA mitgeteilt, dass sie den Start ihrer Impfkampagne im Westjordanland wegen einer Verzögerung bei den Lieferungen verschoben hat. Man rechne mit einer Lieferung bis Mitte des Monats, sodass mit der Impfung der Bevölkerung im Westjordanland begonnen werden könne, während man die Vorräte mit der Hamas teile.

"Es hat eine Verzögerung bei der Ankunft des Impfstoffs gegeben", sagte der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh vor einer wöchentlichen Kabinettssitzung, ohne weitere Details zu nennen. Er sagte, der Start der Impfungen wird "zu einem späteren Zeitpunkt" bekannt gegeben, wenn genügend Vorräte eingetroffen sind. Die PA erwartet zwei Millionen Dosen, die bei verschiedenen Herstellern bestellt wurden, zusätzlich zu den Impfstoffen aus dem von den Vereinten Nationen unterstützten COVAX-Programm, das eingerichtet wurde, um ärmeren Nationen bei der Beschaffung von Impfstoffen zu helfen.

Die PA begann Anfang des Monats mit der Impfung von medizinischem Personal mit einer ersten Beschaffung von 10.000 Dosen des Impfstoffs Sputnik V aus Russland sowie mehreren tausend Dosen des Produkts Moderna über Israel. Bisher hat die PA fast 115.000 Coronavirus-Fälle im Westjordanland registriert, darunter fast 1.400 Todesfälle.

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