Nahost

Jordanien: Festnahmen nach angeblichem Putschplan – Prinz soll unter Hausarrest stehen

Ein politisches Erdbeben erschüttert das Haschemitische Königreich Jordanien. Angeblich sei der Halbbruder von König Abdullah II. in einen Umsturzversuch verwickelt. Dieser streitet die Vorwürfe ab. Das Militär ermahnte ihn offen in einer Pressemitteilung.
Jordanien: Festnahmen nach angeblichem Putschplan – Prinz soll unter Hausarrest stehenQuelle: AFP © Khalil Mazraawi

Der Halbbruder des jordanischen Königs Abdullah II., Prinz Hamsa bin Hussein, ist laut eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt worden. Zugleich warnte das jordanische Militär den Prinzen, Handlungen einzustellen, die die "Sicherheit und Stabilität" des Landes gefährden würden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Gegenüber Reuters erklärten anonyme Quellen, dass der Vorfall mit einem Komplott in Verbindung stehen könnte. In einem Video, das Prinz Hamsa veröffentlichte, spricht er dagegen von angeblichen Repressionen gegen Kritiker des jordanischen Staatschefs.

Das Militär erklärte in einer Pressemitteilung, die von der jordanischen staatlichen Nachrichtenagentur verbreitet wurde, dass die Warnung an Prinz Hamsa Teil einer größeren, laufenden Sicherheitsuntersuchung gewesen sei, im Rahmen derer ein ehemaliger Minister, ein entferntes Mitglied der königlichen Dynastie sowie weitere Unbenannte verhaftet worden seien. Die Washington Post berichtete, dass fast 20 Jordanier festgenommen worden seien.

Am Samstagabend veröffentlichte die britische BBC ein Video von Prinz Hamsa, das er über seinen Anwalt weitergeleitet habe. Im Video kritisiert der Prinz seinen Halbbruder scharf. Es habe Festnahmen, Drohungen und Einschüchterungen gegen jene gegeben, die den jordanischen König kritisierten.

Er gab an, unter Hausarrest gestellt worden zu sein. Er müsse zuhause im königlichen Palast bleiben und dürfe niemanden kontaktieren. Das habe ihm der Generalstabschef am Samstagmorgen mitgeteilt. Man habe zudem seine Telefon- und Internetverbindungen abgeschnitten. Er nannte als Ursache für das Vorgehen gegen ihn seine Kritik am Kurs des Königs, vorgetragen etwa auf Versammlungen oder im Internet. Die staatliche Agentur Petra berichtete dagegen unter Berufung auf eine "gut informierte Quelle", dass Prinz Hamsa weder festgenommen noch unter Hausarrest gestellt worden sei. Auch der Armeechef Yusef Huneity dementierte Berichte, dass der Prinz unter Hausarrest gestellt worden sei.

Der Prinz erklärte, nicht Teil irgendeiner ausländischen Verschwörung zu sein. Der Regierung warf er vor, korrupt zu sein.

"Das Wohlergehen (der Jordanier/Anm.) wurde von einem Herrschaftssystem an die zweite Stelle gesetzt, das entschieden hat, dass seine persönlichen Interessen, seine finanziellen Interessen, seine Korruption wichtiger sind als das Leben und die Würde und die Zukunft der zehn Millionen Menschen, die hier leben."

Gegenüber Reuters erklärte ein anonymer ehemaliger US-Beamte, der über die Vorgänge in Jordanien aufgeklärt sei, dass er die Berichte über einen Putschversuch als einerseits glaubwürdig einstufe. Er meinte jedoch, dass die Pläne nicht "immanent" gewesen seien und es sich auch nicht um einen "physischen Putsch" gehandelt habe. Stattdessen hätten die Verschwörer auf Proteste gesetzt, sodass der Putsch dann wie ein "Volksaufstand mit Massen auf den Straßen" ausgesehen hätte.

Prinz Hamsa wurde nach dem Tod seines Vaters, des als "Löwe von Jordanien" bekannten Königs Hussein I., im Februar 1999 zum Kronprinzen des Haschemitischen Königreichs, während sein Halbbruder und ältester Sohn Husseins, Abdullah II., König wurde. Es war allerdings bekannt, dass Hamsa als Lieblingssohn Husseins galt und auch im Volk beliebt war. Als dann König Abdullah II. nach fünf Jahren auf dem Thron seinen Halbbruder 2004 als Kronprinzen zugunsten seines eigenen Sohnes Hussein bin Abdullah II. absetzte, wurde das als Konsolidierung seiner Macht gewertet. Offiziell wurde Prinz Hamsa von den "Zwängen der Position eines Kronprinzen befreit", um ihm die "Freiheit" zu geben, "jegliche Mission oder Verantwortung zu übernehmen, die ich Dir anvertraue", erklärte der König damals diesen Vorgang.

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