Nahost

Irans Präsident beschuldigt "Imperialismus und zionistische Söldner" des Mordes an Atomphysiker

Nach der Ermordung eines wichtigen iranischen Atomphysikers hält Teheran an seinem Atomprogramm fest. Der Weg von Mohsen Fachrisadeh werde jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt, so der iranische Atomchef Ali Akbar Salehi. Die UNO ruft indes zur Zurückhaltung auf.
Irans Präsident beschuldigt "Imperialismus und zionistische Söldner" des Mordes an AtomphysikerQuelle: Reuters © AMIR COHEN

Die Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh wird nach Worten des iranischen Atomchefs den Fortschritt des Atomprogramms im Land weder aufhalten noch beeinträchtigen. Der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde Ali Akbar Salehi sagte am Samstag, dass der Weg des Atomphysikers jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt werde. Ähnlich äußerte sich auch Kommunikationsminister Mohamed Dschawad Asari Dschahromi auf Twitter:

Für die eine herausgerissene Blume werden Tausende nachwachsen.

Der Atomphysiker war am Freitag in Absard, einem Vorort östlich der Hauptstadt Teheran, zum Opfer eines Attentat geworden. Das iranische Verteidigungsministerium sprach bei Bekanntgabe der Nachricht von einem "Märtyrertod". Fachrisadeh war Mitglied der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC) und ein Experte für die Herstellung von Raketen. Zuletzt leitete er die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium. Die iranische Führung machte bereits deutlich, dass hinter dem "Terroranschlag" Agenten des "zionistischen Regimes" steckten. Fachrisadeh habe seit Jahren auf der schwarzen Liste Israels gestanden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte den Kernphysiker im Frühjahr 2018 im Zusammenhang mit einer Präsentation über das iranische Atomprogramm hervorgehoben: "Merken Sie sich diesen Namen: Fachrisadeh."

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte nach der Ermordung des iranischen Wissenschaftlers und nach den Schuldzuweisungen Teherans an die Adresse Israels Zurückhaltung an. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte der Stellvertretende Sprecher des UN-Generalsekretärs, Farhan Haq, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in New York mit:

Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten.

Der iranische UN-Botschafter Madschid Tacht verwies in einem Schreiben an Guterres, dass in den vergangenen zehn Jahren mehrere hochrangige iranische Forscher "in terroristischen Anschlägen" getötet worden seien. Verantwortlich dafür seien "bestimmte ausländische Kreise". Die "feige" Hinrichtung Fachrisadehs sei ein weiterer Versuch, die Region ins Chaos zu stürzen und die wissenschaftliche Entwicklung Irans zu stören. Generalstabschef Mohammed Bagheri schwor Rache für den getöteten Wissenschaftler. "Wir versichern, dass wir nicht ruhen werden, bis wir die Beteiligten gejagt und bestraft haben", sagte er laut der Nachrichtenagentur IRNA.

Präsident Hassan Rohani warf den USA und Israel vor, hinter dem Mordanschlag zu stehen. "Erneut sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschaftlers", sagte Rohani am Samstag im Staatsfernsehen.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif appellierte auf Twitter insbesondere an die Europäische Union, "ihre beschämenden Doppelstandards aufzugeben und diesen Akt des Staatsterrors zu verurteilen".

Im Sommer hatte es eine mysteriöse Brand- und Explosionsserie in Iran gegeben. Sie betraf unter anderem eine Atomanlage. Die Ursachen blieben meist unklar. Dies bot Raum für Spekulationen – auch über Israel als möglichen Urheber.

Unter Präsident Donald Trump hatten die USA im Jahr 2018 den internationalen Atomdeal mit Iran einseitig aufgekündigt und neue Sanktionen gegen die Regierung in Teheran verhängt. Nach einer Frist von einem Jahr, in der Teheran die anderen Vertragspartner vergeblich zur Vertragseinhaltung gedrängt hatte, ignorierte Iran schrittweise ebenfalls fast alle Bestimmungen des Abkommens.  

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(rt/dpa)

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