Asien

US-Kommandant nach 17 Jahren Krieg in Afghanistan: Können Taliban militärisch nicht besiegen

Der Afghanistan-Krieg kann nicht militärisch gewonnen und Frieden nur durch eine politische Lösung mit den Taliban erreicht werden. Das räumte der neu ernannte US-Kommandant jüngst ein. Inwieweit die Taliban jenen politischen Weg mitgehen, bleibt abzuwarten.
US-Kommandant nach 17 Jahren Krieg in Afghanistan: Können Taliban militärisch nicht besiegenQuelle: AFP

In den vergangenen Wochen gab es so viele getötete und verwundete afghanische Soldaten wie kaum je zuvor. Allein im August und September kamen nach Angaben des Pentagon 1.000 afghanische Sicherheitskräfte ums Leben.

Der neue US-Kommandant in Afghanistan, General Austin Scott Miller, kündigte daher offiziell ein aggressiveres Vorgehen gegen die Taliban an. 

USA Kampfmüde - 17 Jahre nach Invasion im Oktober 2001

Jedoch gestand er in seinem ersten Interview seit Übernahme des Kommandos der NATO-Mission Resolute Support im September ein, dass die Lösung in Afghanistan nur politisch und nicht militärisch sein könne.

Das wird nicht militärisch gewonnen werden", sagte Miller. "Das wird eine politische Lösung."

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Seiner Beurteilung nach sind auch die Taliban kampfmüde und könnten daran interessiert sein, das politische Stück des 17-jährigen Krieges "durchzuarbeiten".

Meine Einschätzung ist, dass die Taliban auch erkennen, dass sie nicht militärisch gewinnen können. Wenn man also merkt, dass man irgendwann nicht mehr militärisch gewinnen kann, ist der Kampf nur noch ..., die Leute beginnen zu fragen, warum. Sie warten also nicht unbedingt auf uns, aber ich denke, jetzt ist es an der Zeit, den politischen Teil dieses Konflikts durchzuarbeiten."

Fehleinschätzung der Möglichkeiten für politische Lösungen 

Jedoch scheint die Bereitschaft der Taliban für Verhandlungen mit den USA nicht derart ausgeprägt. Unter anderem bestätigte im vergangenen Monat ein führender Taliban-Kommandant in einem Exklusiv-Interview mit RT, dass die Anführer der Gruppe nicht den Wunsch hätten, mit den Amerikanern zu verhandeln.

Die Amerikaner wollten nie mit den Taliban zusammenarbeiten, und die Taliban baten die Amerikaner auch nie um eine Zusammenarbeit", betonte Mullah Tofan, der lokale Machthaber im Bezirk Pati Kot in der afghanischen Provinz Nangarhar.

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Tofan bemerkte weiterhin, dass die US-Streitkräfte die Taliban bombardierten, während diese gegen den Islamischen Staat (IS, ehemals ISIS) kämpfen. Auch sei es möglich, dass IS-Kämpfer mithilfe der Vereinigten Staaten aus Syrien und dem Irak nach Afghanistan überführt werden.

Der Konflikt, der sich seit Jahren im Stillstand befindet, hat sich in den vergangenen Monaten zugunsten der Taliban entwickelt. Selbst nach Schätzungen des US-Militärs stehen derzeit nur noch etwas mehr als die Hälfte der 407 Distrikte des Landes unter der Kontrolle der afghanischen Regierung. Rund 41% der Bevölkerung leben unter den Taliban. Das ist ein Rekordtief, seit der Zuständige für die Überwachung des Wiederaufbaus in Afghanistan (Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction, kurz SIGAR) im November 2015 die Aufzeichnungen begonnen hat.

Auch das US-Außenministerium hatte zuvor den Wunsch nach einer politischen Lösung für Afghanistan geäußert. Die USA tun demnach alles in ihrer Macht stehende, um Friedensgespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung zu erleichtern.

Der neue US-Kommandant hat die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan hautnah miterlebt. Im Oktober überlebte Miller einen Taliban-Angriff in Kandahar, bei dem ein prominenter afghanischer Machthaber und lokaler Geheimdienstchef getötet wurde.

Zuletzt sendeten die Taliban fünf ehemalige Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo nach Katar, um mit den Vereinigten Staaten über ein Ende des Konfliktes in Afghanistan zu verhandeln.

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