Asien

Energiekrise in China: Produktionsstopps, steigende Strompreise und Erhöhung der Kohleimporte

Die Verknappung des schmutzigsten Energierohstoffs der Welt hat in China zu einem Einbruch bei der Warenproduktion geführt. Kohlemangel sorgte für Engpässe in der globalen Lieferkette, von Hightech und Elektronik bis hin zu Spielzeug und Kleidung.
Energiekrise in China: Produktionsstopps, steigende Strompreise und  Erhöhung der KohleimporteQuelle: AP © Sam McNeil

Eine Reihe von Apple- und Tesla-Zulieferern haben in dieser Woche die Produktion in einigen chinesischen Fabriken ausgesetzt, um "der Strombegrenzungspolitik der lokalen Regierungen nachzukommen". Nach Angaben der South China Morning Post waren mindestens 20 von 31 Provinzregierungen in der vergangenen Woche gezwungen, Maßnahmen zur Stromrationierung zu ergreifen, was bereits zu Betriebseinschränkungen in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe geführt hat.

China verwendet Kohle zur Stromerzeugung und ist der größte Kohleverbraucher der Welt. Daher ist die Industrie des Landes in hohem Maße auf Kohle angewiesen.

Seit Januar ist der Preis für Kraftwerkskohle in China aufgrund der steigenden Nachfrage und des begrenzten Angebots um fast zwei Drittel gestiegen, von etwa 670 Yuan (104 US-Dollar) pro Tonne auf rund 1.100 Yuan (170 US-Dollar) im September. Die Futures für Kraftwerkskohle erreichten am Mittwoch ein Allzeithoch von 1.376,8 Yuan (212,92 US-Dollar) pro Tonne.

Da sich Chinas Stromerzeuger die Kohle zu diesem Preis nicht leisten können, haben sie ihre Stromproduktion gedrosselt.

Als Reaktion auf die Energiekrise erklärte Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) am Mittwoch, sie werde "mehrere Maßnahmen ergreifen, um die Anpassung von Angebot und Nachfrage weiter voranzutreiben". Die Kommission stellte fest:

"Der Strom- und Gaspreis für den Lebensunterhalt der Menschen wird in strikter Übereinstimmung mit der Preispolitik im Wesentlichen stabil bleiben."

Die Behörde fügte aber hinzu, sie werde "fortschrittliche Kohleproduktionskapazitäten freisetzen, eine flächendeckende Versorgung mit Kohlekraftwerken sicherstellen und die Kohleimporte erhöhen". Einigen Experten zufolge könnte Peking jedoch die Strompreise verdoppeln, um der sich verschärfenden Krise zu begegnen, da die chinesischen Kohlebergwerke wahrscheinlich nicht in der Lage sind, ihre Produktion zu steigern, um die Nachfrage kurzfristig zu decken.

China fördert über 90 Prozent der Kohle für den Eigenbedarf und etwa die Hälfte des Bedarfs weltweit. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hat Peking knapp 200 Millionen Tonnen importiert. Die Kohleimporte Chinas sind seit Anfang Juni um mehr als 20 Prozent gestiegen, das Land braucht jedoch viel mehr, da sich die Lagerbestände bei Chinas sechs größten Energiekonzernen auf dem niedrigsten saisonalen Niveau seit dem Jahr 2017 befinden und um 31,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sind.

In der Vergangenheit bezog China fast seine gesamte Kohleversorgung von Produzenten innerhalb Asiens. Im vergangenen Jahr änderte sich die Situation aber, als Peking aufgrund eines politischen Streits keine Kohle mehr aus Australien bezog. Auf der Suche nach anderen Bezugsquellen begann die chinesische Regierung, die Kohleimporte aus Südasien und Europa zu erhöhen. Die Einfuhren aus Russland haben sich in diesem Jahr bisher verdoppelt, während die Lieferungen aus den USA um das Siebenfache gestiegen sind.

Analysten sind der Meinung, dass die einzige Lösung für China zur Bewältigung der Energiekrise darin besteht, die Obergrenze für die Strompreise aufzuheben, die von der Regierung im Wirtschaftsplan festgelegt wurde. Diese staatlich festgelegte Obergrenze bei den Strompreisen macht es den Stromerzeugungsunternehmen unmöglich, mit dem Kohlepreis Schritt zu halten, da dieser in hohem Maße marktorientiert ist.

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