Asien

Extreme Dürre und großes Tiersterben in Kasachstan

Es sind Bilder, die schockieren. Völlig ausgemergelt kämpfen in Kasachstan Pferde ums nackte Überleben. Überall liegen schon Kadaver. Eine extreme Dürre bedroht in dem zentralasiatischen Staat die Lebensgrundlage der Bauern, die ihre Tiere nicht mehr ernähren können. Die Wasserknappheit ist auch eine Herausforderung für den Frieden in Zentralasien.
Extreme Dürre und großes Tiersterben in KasachstanQuelle: Reuters © REUTERS/Pavel Mikheyev

Die Existenz hunderter Bauern in Kasachstan ist bedroht. Mehr als 1.000 Pferde, Rinder und Schafe sind nach der Hitze in diesem Jahr bereits verendet. Die Weiden sind verdorrt, die Tiere finden keine Nahrung mehr. Die schwere Dürre im Westen des Landes dauert nach einem trockenen Winter nun schon seit Monaten an. In diesem Sommer wurden in der gesamten ehemals sowjetischen Region Zentralasiens ungewöhnlich hohe Temperaturen, teils die höchsten seit Beginn der Aufzeichnungen, verzeichnet. Gemeinden, die auf die Viehhaltung angewiesen sind, erlitten bereits großen Schaden. Die kasachische Regierung hat die Ausfuhr von Tierfutter verboten und zusätzliches Wasser aus den Nachbarländern importiert.

Auch im Gebiet Mangghystau hat die Dürre dazu geführt, dass Pferde nichts zum Grasen haben und die Preise für Heu und Gerste in die Höhe geschossen sind. Einige Landwirte reißen nasse Pappe in Stücke und mischen sie dem Futter bei, um mehr Volumen zu erhalten. Pferdefleisch und fermentierte Stutenmilch sind Grundnahrungsmittel in Kasachstan, und die Pferdezucht ist neben der Kamelzucht ein traditioneller Beruf in Mangghystau.

Gabidolla Kalynbayuly, 70, arbeitete als Schafhirte, bevor er im Jahr 2002 in den Ruhestand ging und in Akshymyrau, einem Dorf mit etwa 1.300 Einwohnern, eine Pferdefarm gründete. Doch 20 von Kalynbayulys Pferden sind in diesem Sommer bereits gestorben, so dass die Herde auf 150 Tiere geschrumpft ist, und viele sind durch Unterernährung geschwächt, was sie anfällig für Parasiten und Krankheiten macht.

"Wenn sie draußen auf dem Feld sterben, können wir sie nicht einmal ins Dorf zurückbringen, um den Tod zu melden", beklagt der Landwirt gegenüber Reuters.

In den letzten drei Jahren sei das Weideland in der Gegend bereits schlecht gewesen, aber bis zur extremen Hitze in diesem Jahr gab es immer noch genug Gras für die Pferde, von dem sie sich ernähren konnten. Bei den noch lebenden Pferden sind die Rippen deutlich sichtbar, so abgemagert sind die Tiere, so ein Reuters-Reporter nach einer Reise durch das Gebiet, bei dem er selbst Dutzende von toten Pferden sah. In der gesamten Provinz Mangghystau sind bereits mehr als 1.000 Pferde, Rinder und Schafe verendet, und die Regierung hat erklärt, dass sie Gerste in das Gebiet schickt.

Neben dem globalen Temperaturanstieg wird die Region auch deshalb anfälliger für Dürren, weil das Kaspische Meer, von dem es fast umgeben ist, immer flacher wird, wie der Umweltwissenschaftler Orynbasar Togzhanov erklärt, der in der Provinzhauptstadt Aktau an der Küste arbeitet. Laut Swetlana Dolgikh vom staatlichen Wetterdienst Kazgidromet stiegen die Durchschnittstemperaturen in Kasachstan pro Jahrzehnt um 0,3 Grad Celsius. Zwar gebe es einige vorübergehende positive Entwicklungen, wie etwa mehr Regen und Schnee im Winter in den nördlichen Getreideanbaugebieten Kasachstans, die von allen aktuellen Modellen vorhergesagt werden, aber die Landwirtschaft insgesamt sei durch den Klimawandel gefährdet.

Tarik Cyril Amar, Historiker an der Koç-Universität in Istanbul, schreibt auf RT, es bestehe kein Zweifel daran, dass Kasachstan von der globalen Erwärmung betroffen ist und diese künftig sogar noch stärkere Auswirkungen auf die Region haben wird. Auch im benachbarten Kirgisistan müssen die Landwirte in einigen Gebieten aufgrund der rauen Bedingungen mit dem Verlust ihrer Ernte rechnen. Dort haben Landwirte demnach vor einiger Zeit begonnen, die Regierung aufzufordern, nicht nur Futter, sondern auch das Wasser im Land zu halten.

Von einem Stopp der Wasserexporte Kirgisiens wäre Kasachstan stark betroffen, so Amar. Generell stehe ganz Zentralasien derzeit unter starkem Druck durch ungewöhnlich extreme Hitze und Wasserknappheit. Laut Amar könne Zentralasien hinsichtlich des Wasserproblems nur überleben, wenn es als Einheit auftritt, auch wenn es sich um fünf souveräne Staaten mit eigener Politik und Kultur handele, da es im Wesentlichen nur ein einziges Wassersystem gibt. Dabei seien aufgrund der Geografie neben Kirgistan auch Turkmenistan und Usbekistan darauf angewiesen, dass Kasachstan und Tadschikistan ihnen nicht "den Hahn zudreht".

Die Trockenheit und der damit verbundene Wassermangel berge besonderes Konfliktpotenzial in einer Region, die laut Amar auch global von großer Bedeutung ist. Mit einer Fläche größer als Indien und rund 75 Millionen Bewohnern war Zentralasien historisch gesehen ein wesentlicher Bestandteil des alten Seidenstraßensystems. Kasachstan komme die Schlüsselrolle für das neue System des transkontinentalen Handels und der Integration, der Belt and Road Initiative (BRI), zu. Mehrere der geplanten Hauptkorridore der Initiative hängen von der Verbindung nach Zentralasien ab.

Für Tarik Cyril Amar sollte die Situation in Kasachstan auch über die Region hinaus Beachtung finden, denn:

"Die Dürre, über die niemand spricht, könnte ein Vorbote des Untergangs für die Region und den Westen sein."

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