Asien

Medienberichte: Taliban hissen Flagge an der Grenze zu Tadschikistan

Die Lage an der Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan verschlechtert sich aufgrund des Machtzuwachses der Taliban. Die Miliz soll Berichten zufolge ihre Flagge auf einer Brücke über den Fluss Pandsch an der Grenze zu Tadschikistan gehisst haben.
Medienberichte: Taliban hissen Flagge an der Grenze zu TadschikistanQuelle: Reuters © Mohammad Ismail

Kämpfer der Taliban haben an der afghanisch-tadschikischen Grenze eine Flagge gehisst. Das teilte eine Quelle in der Verwaltung des tadschikischen Autonomen Gebiets Berg-Badachschan der Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit. Sie erklärte:

"Die Taliban, die am 5. Juli den Grenzposten der afghanischen Regierungstruppen in ihre Gewalt gebracht hatten, installierten heute eine Flagge auf dem Mast ihrer Seite der Brücke über den Fluss Pandsch, die die beiden Länder verbindet, gegenüber dem tadschikischen Kontrollpunkt 'Tem'."

Im Internet kursiert ein Video, in dem angeblich zu sehen ist, wie die schwarz-rot-grüne afghanische Flagge am Grenzübergang entfernt und eine weiße Flagge mit schwarzer Schahāda gehisst wird – die Flagge des einst von den Taliban geführten Islamischen Emirats Afghanistan.

In der Nacht zum 5. Juli gaben die afghanischen Grenzsoldaten ihren Kontrollpunkt kampflos auf. 312 Soldaten überquerten die Brücke ins benachbarte Tadschikistan.

In Afghanistan verlieren die Regierungstruppen in den letzten Tagen immer mehr Territorien an die Taliban, die bedeutende Gebiete in ländlichen Gegenden erobert und eine Offensive gegen größere Städte gestartet haben. Die Eskalation erfolgte vor dem Hintergrund des Abzugs der US-amerikanischen Truppen, den der russische Außenminister Sergei Lawrow als Anerkennung des Scheiterns der US-Mission in der Republik bezeichnete.

Immer mehr afghanische Regierungssoldaten ziehen sich nach Tadschikistan zurück. Duschanbe hat seine Verbündeten aus der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) um Unterstützung bei der Bewältigung der Herausforderungen gebeten, die sich aus der Anzahl der Flüchtlinge aus Afghanistan nach Tadschikistan ergeben, und dazu aufgerufen, seine Südgrenzen durch gemeinsame Anstrengungen zu stärken.

OVKS: Situation im Norden Afghanistans verschlechtert sich und gibt Anlass zur Sorge

Die Situation im Norden Afghanistans verschlechtert sich und bereitet der OVKS große Sorgen. Sie sieht sich in der Pflicht, Tadschikistan bei der Sicherung seiner Südgrenze zu helfen. Dies erklärte der Generalsekretär der Organisation Stanislaw Sas Journalisten. Er sagte:

"In Afghanistan verschlechtert sich in der Tat die Situation. Ich würde nicht sagen, dass sie katastrophal ist, nein, aber die Situation dort gibt sicherlich Anlass zu ernster Sorge."

Es bestehe jedoch ein klares Verständnis für die Notwendigkeit, Tadschikistan bei der Sicherung seiner Grenze zu helfen.

Mehr zum Thema - Taliban-Offensive in Nordafghanistan: Russland sichert Tadschikistan Unterstützung zu

Sas selbst besuchte verschiedene Abschnitte dieser Grenze und bekundete die Ausrüstung der Grenztruppen sowie das alltägliche Leben der Menschen vor Ort. Der OVKS-Generalsekretär stellte fest:

"Natürlich wird dort Hilfe für die Grenzsoldaten benötigt, um die Sicherheit an der Grenze zu gewährleisten. (...) Es ist jedoch sehr gut und zu begrüßen, dass unsere Länder Tadschikistan auf bilateraler Basis eine gewisse Hilfe geleistet haben und weiterhin leisten. Jetzt arbeiten wir an einem zwischenstaatlichen Zielprogramm der OVKS zur Festigung der tadschikisch-afghanischen Grenze."

Der OVKS-Generalsekretär wies auch darauf hin, dass die Organisation grenzüberschreitende Schusswechsel mit den Taliban beobachtet hat, die zu Opfern auf tadschikischer Seite geführt haben. Er erklärte:

"Ich habe eine Frau besucht, eine Lehrerin, die bei einem solchen Feuergefecht von [afghanischer] Seite aus verwundet wurde. Es leiden tatsächlich Menschen dort."

Auf die Frage nach der Anwesenheit der Taliban in der Nähe der tadschikischen Grenze sagte Sas, er habe sie "nicht im Internet, sondern persönlich gesehen", und hob hervor:

"Im April war ich am [Fluss] Pandsch und konnte durch ein Fernglas unsere Grenzer, den Pandsch und dann eine örtliche afghanische Stadt sehen, die damals noch unter der Kontrolle der Regierungstruppen stand. Nur 300 Meter entfernt befanden sich die Stellungen der Taliban. Man konnte sie erkennen: schwarz gekleidet, überall Gefechtsstände. Heute ist der Ort leider vollständig unter Kontrolle der Taliban."

Der Rat der Parlamentarischen Versammlung der OVKS verabschiedete am 1. Juli eine Erklärung, in der er seine Besorgnis über die Lage in Afghanistan zum Ausdruck brachte und alle politischen Kräfte des Landes aufrief, den Friedensprozess zu fördern. Der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan begann am 29. April und soll gemäß einer Vereinbarung zwischen den USA und den Taliban im Herbst abgeschlossen sein.

Mehr zum Thema - Russische Denkfabrik: IS-Terrormilizen in Afghanistan gefährlicher als Taliban

Sehr geehrte RT DE-Leser,

wir sind auf einen neuen Dienst für die Kommentarfunktion umgestiegen.

Da wir die Privatsphäre unserer Leser respektieren und Ihre Daten nicht an eine Drittplattform übermitteln werden, müssen Sie sich erneut registrieren. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit und hoffen, dass sie sich weiterhin mittels der Kommentarfunktion über aktuelle Themen austauschen und informieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre RT DE-Redaktion