Asien

Fukushima: Japan will eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser ins Meer spülen

In einer Kabinettssitzung beschloss die japanische Regierung, behandeltes Abwasser aus Fukushima ins Meer abzulassen. Der Plan, das Wasser nach und nach in zwei Jahren freizugeben, wurde von den Ministern gebilligt und als die beste Option für die Entsorgung beworben.

"Wir werden die Tritiumkonzentration auf etwa ein Vierzigstel des von Japan festgelegten Richtwerts und ein Siebtel des von der WHO festgelegten Richtwerts für Trinkwasser senken. Darüber hinaus werden wir die Transparenz mit den Augen Dritter wie der IAEO aufrechterhalten und die Überwachung weiterhin genau beobachten", sagte Yoshihide Suga, Japans Ministerpräsident.

Die Abwasserentsorgung war durch den Widerstand der Öffentlichkeit und durch Sicherheitsbedenken lange verzögert worden. Der Betreiber der Anlage Tokyo Electric Power Company hat aber angekündigt, dass seine Speicherkapazität Ende nächsten Jahres voll sein wird, und drängt auf schnelles Handeln.

Die Entscheidung stieß allerdings auf heftigen Widerstand der Bevölkerung. Gegner der Maßnahme unterstreichen, dass das Wasser zwar gefiltert, aber nicht frei von radioaktiven Substanzen wie Tritium sei. Fischereimannschaften argumentieren zudem, dass das Vorhaben die Ängste der Verbraucher um die Sicherheit von Fischen und Meeresfrüchten verstärken würde.

Bedenken äußerten auch Nachbarländer wie China und Südkorea, vor allem, nachdem die Internationale Atomenergiebehörde den Vorschlag für das Ablassen des aufbereiteten Fukushima-Wassers gebilligt hatte. So äußerten südkoreanische Regierungsvertreter am Dienstag ihr "starkes Bedauern" über die Entscheidung und forderten Japan dazu auf, transparente Informationen über den Plan zur Verfügung zu stellen. Zudem verlangen sie festzulegen, wie das Wasser der Anlage behandelt und ihre Sicherheit gewährleistet werden würde.

"Die Entscheidung der japanischen Regierung ist absolut inakzeptabel. Der Entschluss, das Wasser von Fukushima ins Meer abzulassen, gefährdet nicht nur die Sicherheit der Nachbarländer und das Meer, sondern ist auch eine Maßnahme, die einseitig ohne ausreichende Diskussion und Einigung mit unserem Land, dem nächstgelegenen Nachbarland, beschlossen wurde", erklärte Koo Yun-cheol, südkoreanischer Minister für regierungspolitische Koordinierung.

Auch die Bevölkerung Südkoreas ist empört über die Entscheidung der japanischen Regierung. Obwohl laut Experten das verbleibende Isotop Tritium hier nicht hoch genug dosiert ist, um für Menschen schädlich zu sein, und das Abwasser zudem noch verdünnt werden soll, verweisen sie darauf, dass das Strahlenrisiko hier verharmlost werde. "Wir fordern, dass die japanische Regierung ihre Pläne zur Freisetzung des Tankwassers aufkündigt und eine Maßnahme zur langfristigen Lagerung des kontaminierten Wassers vorschlägt", sagt die koreanische Umweltaktivistin Choi Kyung-sook.

Der GAU in Fukushima wurde im März 2011 durch ein gewaltiges Erdbeben und eine 15 Meter hohe Tsunami-Welle ausgelöst. Diese zog durch den Nordosten Japans und riss mehr als 19.000 Menschen in den Tod. Die anschließende Kernschmelze von drei der sechs Reaktoren war die schlimmste nukleare Katastrophe seit Tschernobyl.

Derzeit lagert auf dem Werksgelände des Atomkraftwerks über eine Million Tonnen Abwasser in mehr als 1.000 Tanks. Das Wasser sammelt sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von etwa 170 Tonnen pro Tag an. Die Freigabe des kompletten Materials wird voraussichtlich Jahrzehnte dauern.

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