Asien

Entspannung am Himalaya: China und Indien ziehen laut Bericht Truppen zurück

Schon seit Jahrzehnten streiten sich Indien und China, die beiden Staaten mit der größten Bevölkerung, um ihre Grenze im entlegenen Himalaya-Gebirge. 1962 wurde um die Frage sogar ein Krieg geführt. Auch im letzten Jahr kam es zu ernsten Spannungen.
Entspannung am Himalaya: China und Indien ziehen laut Bericht Truppen zurückQuelle: www.globallookpress.com © Dwi Anoraganingrum/Geisler-Fotop

Der indische Verteidigungsminister Rajnath Singh hat erklärt, dass Indien und China sich darauf geeinigt haben, ihre Truppen von der umstrittenen Grenze im westlichen Himalaya zurückzuziehen. Der Rückzug, der nach mühsamen Gesprächen erreicht wurde, habe im Gebiet des Pangong-Sees begonnen.

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Singh bestätigte am Donnerstag vor dem indischen Parlament den Durchbruch, der mit Peking nach einer monatelangen Konfrontation an der umstrittenen Grenze, die offiziell als "Line of Actual Control" (LAC) bezeichnet wird, erzielt wurde.

"Unsere anhaltenden Gespräche mit China haben zu einer Vereinbarung über den Rückzug am Nord- und Südufer des Pangong-Sees geführt."

Die Rückzugsvereinbarung wurde von Peking am Mittwoch bekannt gegeben. Die chinesische Volksbefreiungsarmee erklärte, dass der Rückzug der Truppen bereits begonnen habe. Nach dem Pangong-See werden beide Seiten Truppen aus anderen Gebieten entlang der LAC abziehen, teilte Singh mit.

"Um den Rückzug an den Reibungspunkten entlang der LAC zu gewährleisten, sollten die Truppen beider Seiten, die sich jetzt in unmittelbarer Nähe befinden, die im Jahr 2020 errichteten vorgeschobenen Posten räumen und zu den permanenten und akzeptierten Basen zurückkehren."

Das erbitterte Patt zwischen den beiden Nationen begann im vergangenen April, als Indien China beschuldigte, seine Truppen an mehreren Punkten entlang der De-facto-Grenze vorzurücken und eine neue Infrastruktur zu errichten. Peking hat diese Vorwürfe jedoch wiederholt zurückgewiesen und stattdessen Neu-Delhi die Schuld an der Eskalation gegeben.

Die Spannungen erreichten im Juni einen Höhepunkt, als sich indische und chinesische Truppen eine tödliche Schlägerei lieferten. Bei dem Vorfall starben mindestens 20 indische Soldaten, auch auf chinesischer Seite soll es mehrere Verletzte gegeben haben. Peking hat jedoch nie offizielle Zahlen über die mutmaßlichen Opfer der Schlägerei genannt.

Die Eskalation an der Grenze hinterließ eine große Delle in den bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, wobei sowohl Neu-Delhi als auch Peking zusätzliche Truppen in das umstrittene Gebiet entsandten.

Die beiden Nationen teilen sich eine etwa 3.500 Kilometer lange Grenze in dem dünn besiedelten Berggebiet. Seit einem Krieg im Jahr 1962 konnten sich Indien und China nie auf einen richtigen Grenzverlauf einigen und erheben weiterhin überlappende Gebietsansprüche in der Region.

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