Lateinamerika

Massive Polizeiaktion gegen kolumbianische Bande im Slum von Caracas – zahlreiche Tote und Verletzte

Am Mittwoch haben sich venezolanische Polizisten in Elendsvierteln von Caracas heftige Gefechte mit Bandenmitgliedern geliefert. Dabei kam es zu mehreren Toten und Verletzten. Am Samstag berichteten die Behörden von der Festnahme dreier kolumbianischer Paramilitärs.
Massive Polizeiaktion gegen kolumbianische Bande im Slum von Caracas – zahlreiche Tote und VerletzteQuelle: AFP © FEDERICO PARRA

Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez hat am Samstag von der Festnahme dreier kolumbianischer Paramilitärs berichtet, die Verbindungen zu der befürchteten Bande "Koki" haben sollen. Wie die Politikerin auf einer Pressekonferenz mitteilte, sei es nun den Behörden gelungen, diese kriminelle Organisation zu zerschlagen, die einen der größten hauptstädtischen Slums, Cota 905, kontrolliert und ihren Einfluss in anderen Elendsvierteln wie El Valle, El Cementerio, El Paraíso, La Vega und Santa Rosalía ausgeübt hatte. Rodríguez teilte darüber hinaus mit, dass die Polizei bei ihrem Einsatz alle von der Bande entführten Menschen befreit habe.

Die Vizepräsidentin sah hinter den gewaltsamen Vorkommnissen am Mittwoch in Cota 905 einen Versuch, den Rechtsstaat in Venezuela zu unterminieren. Das Ziel der bewaffneten Gruppen sei es gewesen, "unter der Bevölkerung von Caracas Angst zu säen". Dahinter stecke der Rechtsextremismus.

Rodríguez teilte mit, dass der oppositionelle Politiker Juan Guaidó eine Abmachung mit kolumbianischen Vertretern habe, den venezolanischen Boden dem Drogenhandel auszuliefern. Die Vizepräsidentin erwähnte im Zusammenhang mit dem "extremistischen Plan" auch den oppositionellen Politiker Leopoldo López. Wie Rodríguez ferner sagte, habe man bei dem Polizeieinsatz US-amerikanische und kolumbianische Waffen sichergestellt. Außerdem zeigte sie ein Video, in dem ein als Jorvis Rafael Matamoros Bermúdez identifizierter Verdächtiger zugab, dass er für die Bande "Koki" gearbeitet habe und von Kolumbianern unter anderem geschult worden sei, Polizeikräfte anzugreifen.

Die venezolanische Innenministerin Carmen Meléndez zog inzwischen die Bilanz der Schießereien in den Elendsvierteln von Caracas, die am Mittwoch begonnen hatten. Demnach beteiligten sich an der Operation "Gran Cacique Guaicaipuro" 3.110 Beamte. Der Einsatz dauerte 70 Stunden lang. Dabei wurden vier Ordnungshüter getötet und weitere zehn verletzt. Es wurden neun Entführte befreit. Unter der Zivilbevölkerung gab es 28 Verletzte.

Gleichzeitig "neutralisierte" die Polizei 22 Kriminelle. Zwölf davon wurden bereits identifiziert. Die Ministerin zeigte außerdem eine Liste mit den beschlagnahmten Waffen. Einige davon sollen demnach aus den USA und aus Kolumbien stammen. Nach Angaben der Behörden wurden bei dem Polizeieinsatz außerdem mehr als 20.000 Schuss Munition, drei Raketenwerfer, fünf Gewehre, vier Maschinenpistolen und 20 Kilogramm Kokainpaste beschlagnahmt.  

Die kriegsähnlichen Szenen hatten in Caracas am Mittwochabend begonnen. Laut Medienberichten flohen einige Bewohner der Elendsviertel aus Angst vor der Gewalt aus ihren Häusern. Bei den Auseinandersetzungen kamen Gewehre, Leuchtmunition und Granaten zum Einsatz. Die Behörden setzten für relevante Informationen über die führenden "Koki"-Mitglieder eine Belohnung in Höhe von jeweils 500.000 Dollar aus.

Es war allerdings nicht das erste Mal, dass sich solche Schusswechsel in der venezolanischen Hauptstadt abspielten. Schon mehrmals verglich die Opposition Caracas mit einer "Kriegszone" und warf der Regierung von Präsident Nicolás Maduro vor, die Situation nicht zu kontrollieren und mit ihrer Sicherheitspolitik gescheitert zu sein.

Venezuela steckt seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise. Für dieses Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einer Inflationsrate von 5.500 Prozent und einem Rückgang der Wirtschaftskraft um zehn Prozent. Die Ölförderung im Land mit den größten Reserven der Welt ist auf den niedrigsten Stand seit mindestens 80 Jahren gesunken.

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