Lateinamerika

Impfkampagne mit Sputnik V in Argentinien: Präsident Fernández sieht Handelskrieg hinter Kritik

Am Dienstag startet Argentinien Massenimpfungen mit dem russischen SARS-CoV-2-Vakzin Sputnik V. Zunächst sollen insgesamt 300.000 Dosen verabreicht werden. Präsident Alberto Fernández sieht hinter der Debatte um diverse Impfstoffe Geopolitik und Handelskrieg.
Impfkampagne mit Sputnik V in Argentinien: Präsident Fernández sieht Handelskrieg hinter KritikQuelle: Reuters © Juan Mabromata / Pool

Kurz vor dem Start einer groß angelegten Impfkampagne mit dem russischen Corona-Impfstoff Sputnik V in Argentinien hat sich Präsident Alberto Fernández in einem Fernsehinterview über die Polemik rund um die Herkunft der Vakzine geäußert. Im Programm Desiguales des Senders TV Pública betonte der Politiker, dass Präparate gegen die Krankheit COVID-19 weltweit äußerst begehrt seien:

"Es gibt sieben Milliarden Menschen, die auf einen Impfstoff warten. Dies bedeutet einen beeindruckend großen Markt."

Fernández schätzt diesen Markt auf mehrere Milliarden US-Dollar ein. Ihm zufolge gibt es daher einen sehr harten, "ruchlosen und niederträchtigen Streit", bei dem sich die Beteiligten gegenseitig in Verruf bringen möchten.

"Ein Handelskrieg ist entfesselt worden. Da außerdem die Welt sich einen Impfstoff wünscht, kommt es zu einem geopolitischen Streit darüber, wer seinen Impfstoff durchsetzt. Und ausgerechnet das beobachten wir meiner Meinung nach im Fall des Gamaleja-Vakzins, des Instituts, das den russischen Impfstoff entwickelt hat."

Der argentinische Staatschef äußerte seine Meinung, dass die Polemik um diverse SARS-CoV-2-Impfstoffe in Argentinien von unterschiedlichen politischen Sektoren missbraucht werde, indem der betreffende Impfstoff zum Spielball der jeweiligen Partei werde.

Dabei wollte Fernández selbst keinen der schon existierenden COVID-19-Impfstoffe hervorheben. Sollte AstraZeneca letztendlich ein Vakzin entwickeln, das zwischen zwei und acht Grad Celsius haltbar wäre, wäre das ein gutes Vakzin, da man es in einem herkömmlichen Kühlschrank aufbewahren könnte. Der Impfstoff von Pfizer sei dagegen für Argentinien nicht die zugänglichste Option, da es im ganzen Land lediglich sieben Lager mit der erforderlichen Temperatur von mindestens minus 70 Grad Celsius gebe, so der Staatschef.

Argentinien ist das erste Land in der Region, in dem Menschen ab Dienstag mit dem russischen Impfstoff Sputnik V immunisiert werden. Zunächst hat Russland an das südamerikanische Land 300.000 Dosen des Präparats geliefert. Im Januar sollen dort voraussichtlich weitere fünf Millionen Dosen eintreffen. Im Februar werden es weitere 14,7 Millionen Dosen sein. Da für jede zu impfende Person zwei Dosen erforderlich sind, plant die Regierung von Buenos Aires im ersten Trimester 2021 damit bis zu zehn Millionen Menschen gegen die Krankheit COVID-19 immun machen zu können. Zwischen März und April soll in Argentinien dann eine Impfkampagne mit dem Vakzin von AstraZeneca beginnen. Der Entwickler hat dem südamerikanischen Land 22 Millionen Dosen vorabverkauft. Verhandelt wird auch mit den Firmen Pfizer, Sinopharm, Sinovac und Janssen sowie Johnson & Johnson.

Mehr zum Thema - Öffentliche Millionen für Impfstoffe – Patentrechte und Milliardenerlöse für Pharmakonzerne