Lateinamerika

Brasilien wird zum neuen Corona-Brennpunkt – Inzwischen mehr als 16.000 Tote

Zwei Monate nach dem ersten registrierten Todesfall sind in Brasilien mehr als 16.000 Patienten im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Das Land verzeichnet nunmehr die vierthöchste Infektionszahl weltweit. Die Pandemie bedroht zunehmend indigene Völker.
Brasilien wird zum neuen Corona-Brennpunkt – Inzwischen mehr als 16.000 ToteQuelle: AFP © Michael Dantas

In Brasilien breitet sich das Coronavirus rasant aus. Das südamerikanische Land verzeichnet nunmehr die vierthöchste Infektionszahl weltweit und hat damit mehr bestätigte Infektionen als Spanien und Italien. So wurden bisher 241.080 Menschen positiv auf das Virus getestet. Nach offiziellen Angaben starben bislang 16.118 Patienten im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Dies geht aus den Daten des Gesundheitsministeriums in Brasília vom Sonntag hervor. 

Nach den Daten der in den USA beheimateten Johns-Hopkins-Universität liegt das Land mit kontinentalen Ausmaßen damit bei der Zahl der Todesopfer weiter auf Platz sechs, bei der Zahl der Infizierten ebenfalls auf Platz vier der am schwersten betroffenen Länder vor Italien und Spanien.

Pandemie bedroht zunehmend auch Brasiliens Ureinwohner

Die Pandemie bedroht zunehmend auch Brasiliens Ureinwohner. 38 indigene Völker des Landes seien betroffen, meldete die Vereinigung der Ureinwohner Apib. Das Virus erreiche mit "beängstigender Geschwindigkeit" alle Gebiete der Indigenen. Diese seien schon in der Vergangenheit durch eingeschleppte Krankheiten schwer getroffen worden. Laut Apib haben sich mehr als 440 Ureinwohner mit dem Virus angesteckt, 92 seien bereits an den Folgen gestorben.

Die gesamte Entwicklung dürfte den Druck auf Präsident Jair Bolsonaro weiter erhöhen. Immer wieder protestieren zahlreiche Menschen gegen den Kurs des weit rechts stehenden Politikers im Kampf gegen das Virus.

Dessen Gefahr hat Bolsonaro lange geleugnet, er sprach von einer "kleinen Grippe". Der Präsident kritisiert die Beschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Gouverneure scharf. Er argumentiert, die Schließung von Geschäften, Restaurants und Schulen sowie Quarantänevorschriften und Kontaktbeschränkungen seien für die Wirtschaft des Landes nicht tragbar.

Im Streit über den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat Bolsonaro erst am Freitag den zweiten Gesundheitsminister innerhalb eines Monats verloren. Nelson Teich trat zurück. Mitte April war sein Vorgänger Luiz Henrique Mandetta wegen Meinungsverschiedenheiten entlassen worden.

Auch in anderen Ländern Lateinamerikas steigen die Infektionszahlen 

"Brasilien hätte eine der besten Antworten auf diese Pandemie haben können", sagte die Brasilianerin Marcia Castro, Gesundheitswissenschaftlerin an der Harvard University, der New York Times. Brasilien war bei Gesundheitskrisen wie Aids oder Zika ein Vorreiter unter den Schwellenländern. "Aber jetzt ist alles unorganisiert, niemand arbeitet an gemeinsamen Lösungen."

Auch in anderen Ländern Lateinamerikas steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus und auch die Zahlen der Todesopfer deutlich. Besonders viele Ansteckungen verzeichnet die Johns-Hopkins-Universität für zwei andere Länder in Lateinamerika. So wurden bisher in Chile 43.781 bestätigte Corona-Fälle registriert, 450 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus. In Peru gab es bisher 92.273 bestätigte Infektionen, die Zahl der Todesfälle beträgt bisweil 2.648.

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(reuters/rt/dpa)