Afrika

Drache zu Gast bei Löwen – Warum Chinas Einfluss in Afrika expandiert

China verändert mit massiven Investitionen und Megaprojekten den afrikanischen Kontinent. Der anstehende China-Afrika-Gipfel in Peking soll den Plänen neuen Schub geben. Auch der Handelsstreit mit den USA spielt bei den Überlegungen eine Rolle.
Drache zu Gast bei Löwen – Warum Chinas Einfluss in Afrika expandiertQuelle: Reuters

In ganz Afrika baut Peking seinen Einfluss in hohem Tempo aus und fordert damit auch den Westen heraus. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden US-Dollar hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents hinter sich gelassen.

Welche große Rolle Afrika in den Plänen der Chinesen spielt, wird der anstehende China-Afrika-Gipfel (FOCAC) unterstreichen, zu dem ab Montag zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs in Peking erwartet werden. 

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China geht es bei seinem Engagement nicht mehr nur um die Sicherung von Rohstoffen. Als Antwort auf die steigenden Lohnkosten in der Heimat verlagern chinesische Firmen Teile ihrer Produktion in afrikanische Länder. Ihr Ziel sei es, das Label "Made in China" in "Made in Afrika" umzuwandeln, sagt Malou Jontilano, die Geschäftsführerin von GH Garments, einer chinesischen Bekleidungsfirma mit 1.000 Mitarbeitern in Ruanda. 

Das Werk von GH Garments liegt in einer fast 300 Hektar großen Sonderhandelszone am Rande von Ruandas Hauptstadt Kigali. Sie wurde nach dem Vorbild derer errichtet, die in den 1980er Jahren zur wirtschaftlichen Öffnung Chinas beitrugen. Hier investieren Dutzende private und staatliche chinesische Unternehmen. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey sind inzwischen mehr als 10.000 chinesische Firmen in Afrika tätig und beschäftigen mehrere Millionen Afrikaner. 

Die Chinesen hoffen, dass die wachsende afrikanische Mittelschicht zu einem zuverlässigen Abnehmer der eigenen Produkte wird. Je mehr der Handelsstreit mit den USA eskaliert, desto mehr rückt für Peking die Suche nach neuen Handelspartnern in den Fokus.

Nicht nur zwischen den Zeilen dürfte der Handelsstreit auch beim Gipfel in Peking eine Rolle spielen: "Interessant wird, wie stark sich China als Alternative zu den USA präsentieren wird, in dem es rhetorisch Freihandel und Multilateralismus betont", sagt Sabine Mokry vom China-Institut Merics in Berlin.

Wahrscheinlich wird Peking den Gipfel nutzen, um auch seiner neuen Seidenstraße einen Schub zu geben und für neue chinesische Infrastruktur-Projekte in Afrika zu werben. Mit dem Projekt neue Seidenstraße will die Volksrepublik die Handelsrouten mit dem übrigen Asien sowie Afrika und Europa ausbauen.

Schon jetzt haben zahlreiche chinesische Megaprojekte begonnen, den Kontinent zu verändern. In Kenia, Nigeria, Äthiopien, Tansania, Angola und Marokko haben die Chinesen wichtige Bahnlinien gebaut, tausende Kilometer Straßen geteert, Krankenhäuser und Regierungsgebäude errichtet. Chinesische Investoren finanzieren sogar ganze Städte wie Angolas fast neun Quadratkilometer lange Nova Cidade de Kilamba.  

Einhergehend mit einer engeren Verflechtung im Handel verfolgt China zunehmend auch militärische Interessen in Afrika. Erst im Juli richtete Peking zur Vorbereitung auf den China-Afrika-Gipfel in der kommenden Woche ein Militärforum mit afrikanischen Staaten aus.

Experten erwarten, dass China über die Militärkooperation mit Afrika auch seine Wirtschaftsinteressen auf dem Kontinent sowie seine Seewege sichern will. Seit 2017 unterhält China einen ersten Marinestützpunkt im Ausland in Dschibuti am Horn von Afrika, von wo auch die eigenen Einsätze im UN-Kampf gegen Piraten unterstützt werden. China will in noch größerem Umfang als Waffenlieferant und Ausbilder für das Militär afrikanischer Staaten agieren.

Während viele Afrikaner glauben, dass die Investitionen der Volksrepublik einen lange notwendigen Entwicklungsschub ermöglichen, beanstanden Kritiker die "neokoloniale Eroberung" Afrikas durch China. Verfechter der chinesischen Präsenz rechnen dagegen milliardenschwere Investitionen und Aufbauhilfe in Afrika auf. Auf dem ganzen Kontinent zählt man bis zu 200 Schulen und 100 Krankenhäuser, die von chinesischem Geld gebaut wurden.

Schwenk nach dem Arabischen Frühling 

Selbst Kritiker von Chinas Engagement erkennen – neben den Nachteilen wie Gefahren für die heimische Produktion durch billigere chinesische Waren oder den übermäßigen Zuzug (über eine Million) chinesischer Arbeiter und Kleinhändler – auch Vorteile für die Afrikaner wie die Möglichkeit eines Studiums in China. 160.000 Afrikaner haben mittlerweile einen chinesischen Hochschulabschluss. 

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China hat 20 Jahre gebraucht, um mit Abstand der größte wirtschaftliche Partner Afrikas zu werden. Nach den Daten des Beratungsunternehmens Ernst & Young betrug das chinesische Investitionsvolumen in Afrika im Jahr 2016 36 Milliarden US-Dollar. Der russische Sinologe Alexej Maslow schätzt, sie seien im Jahr 2017 bis auf 48 Milliarden US-Dollar gewachsen. Zum Vergleich: Alle anderen Staaten haben in Afrika im Jahr 29 Milliarden US-Dollar investiert. 

Vor dem so genannten Arabischen Frühling hat China allerdings mehr in arabische Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens investiert. Erst nach den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Ägypten, Militärinvasionen in Libyen und Syrien hat China seine Strategie geändert. Jetzt spielen auch Berücksichtigung  politischer Risiken eine große Rolle, sagt Maslow. Hauptanker des chinesischen Einflusses in Afrika sei die Südafrikanische Republik, die im Jahr 2011 BRICS beigetreten ist.

Merkel und May unterwegs in Afrika

In diesen Tagen reisen die deutsche und die britische Regierungschefin, Angela Merkel und Theresa May, durch Afrika. Dabei ist das Interesse beider europäischer Mächte an dem Schwarzen Kontinent klar definiert. Wenn Großbritannien nach dem Brexit ein Abkommen mit der Südafrikanischen Zollunion nach dem Vorbild des Abkommen mit der EU anstrebt, will die deutsche Kanzlerin auf ihrer Reise durch Westafrika vor allem die Migrationsfrage regeln. Aus Nigeria, die Angela Merkel am 31. August besuchte, stammen die meisten Flüchtlinge, die aus der Sahelzone nach Europa vor Armut und Willkür fliehen. 

In Ghana hat Kanzlerin Merkel eine enge Partnerschaft mit Afrika zur Schicksalsfrage für Europa erklärt. 

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(rt deutsch/dpa)