Wirtschaft

Im Zeichen der Innovationen: Russland-Konferenz des DIHK ist ein voller Erfolg

Die Russland-Konferenz des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) erlebte in diesem Jahr einen Besucheransturm. Eröffnet wurde sie jeweils vom deutschen und russischen Wirtschaftsminister. Sind jetzt die Schwierigkeiten der Wirtschaftsbeziehungen gebannt?
Im Zeichen der Innovationen: Russland-Konferenz des DIHK ist ein voller Erfolg© AHK

von Wladislaw Sankin

Der große Saal im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin-Mitte war schnell bis auf den letzten Platz gefüllt, sodass die anwesenden Hostessen die restlichen Anzug tragenden Besucher in einen weiteren Raum samt Liveübertragung umdirigierten. Die jährliche Russland-Konferenz hat begonnen, und schon bald waren der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow sowie sonstige Vertreter der deutschen und russischen Wirtschaft auf der Leinwand zu sehen. Darunter der Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten, Maxim Oreschkin, und der Großunternehmer Wiktor Wekselberg, der mit einem geschätzten Vermögen von 13,5 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Männern Russlands gehört.

Vielsagend war dabei die Verspätung Oreschkins, der zum Ende der ersten Plenarsitzung gekommen war. Er sei im Kanzleramt zu Gesprächen, teilte der Moderator und Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau, Matthias Schepp, mit. Mit wem und worüber er sprach, verriet  Oreschkin später nicht, bestätigte aber stolz seinen Besuch.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier präsentierte sich in seiner Eröffnungsrede als guter Gastgeber und sagte, dass er die russische Delegation in das rekonstruierte Humboldt Forum im Berliner Schloss führen will, und wies dabei auf die Symbolik der intensiven Beziehungen von Alexander von Humboldt zu Russland hin.

Russland sei ein modernes Land geworden, er sei in den vergangenen Jahren etliche Male da gewesen und habe großen Respekt vor den jungen aufstrebenden Menschen. Es gebe Spannungen, so etwa die Annexion der Krim, die völkerrechtlich nicht anerkannt werde, und den Donbass-Konflikt, den es so schnell wie möglich zu lösen gilt, betonte der Bundeswirtschaftsminister und verwies dabei auf die politischen Probleme. Seine Rhetorik war weniger verletzend als jene der Bundeskanzlerin vor fünf Jahren in Moskau, die die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation als "verbrecherisch" bezeichnete.

Beim Treffen in Berlin-Mitte in diesem Jahr standen die Zeichen aber eindeutig auf den Innovationen der Zukunft und nicht auf politischen Altlasten. Altmaier und die anderen Redner betonten, wie sich die neuen deutsch-russischen Projekte der vergangenen zwei Jahre, so etwa die Effizienzpartnerschaft, die Arbeitsgruppe für Energiefragen sowie das Projekt Duales Studium, mit Leben füllen.

Russland als digitaler Vorreiter

Russland hat Deutschland mehr zu bieten als Rohstoffe oder Lokalisierungsstandorte – das war der Leitgedanke der diesjährigen Konferenz. Vor allem im Bereich der Digitalisierung könne es zum Teil eine florierende Szene mit inzwischen weltweit agierenden IT-Riesen wie Yandex oder Sberbank vorweisen. Mehrere weitere Fachpanels der Konferenz wurden diesem Thema gewidmet.

Dabei sprachen die Podiumsgäste auf Fragen des Publikums hin auch kritische Momente an – wie beispielsweise das Fehlen eines modernen Marktes für intellektuelles Eigentum, was sich in einer vergleichsweise kleineren Anzahl der Erfinderpatente zeigen lässt. Aber Russland könne auch einzigartige Erfahrungen in der Verknüpfung der Start-up-Szene, Forschung und Industrie vorweisen, wie der Geschäftsführer des bekannten Innovationszentrums Skolkowo, Wiktor Wekselberg, betonte. Selbst das akute Problem des Braindrains habe seine Kehrseite, wie Alexei Rasskasow von der Hermith GmbH sagte – die Bereitschaft der ausgewanderten russischen Arbeitskräfte, mit neuen Erfahrungen zurückzukehren oder im Ausland für russische Unternehmen zu arbeiten.

Wer Russland den Rücken gekehrt hat, der kommt auch wieder zurück. Viele wollen, dass Russland sich der entwickelten Welt anschließt und sie überholt", sagte er.

Der sonst oft warnende Vorstandsvorsitzende der AHK in Russland, Matthias Schepp, hatte an diesem Tag auch die Zahlen an seiner Seite. Die Zahl der in Russland tätigen Unternehmen sei zwar in der Tat zurückgegangen, ihre "Qualität" sei aber deutlich gestiegen. Dafür sprächen die in den letzten zwei Jahren gestiegenen deutschen Investitionen in Russland. Mit neun Prozent übersteige das jährliche deutsche Investitionssaldo nach Russland den weltweiten Durchschnitt um das Dreifache. Im renommierten weltweiten "Doing Business Index" sei Russland innerhalb von sieben Jahren von Platz 120 auf Platz 28 aufgestiegen, betonte er.

Die Unternehmen sind gern in Russland 

Auf den sogenannten Business-Schreck, also die altbekannten Probleme der bürokratischen Hürden und die staatliche Regulierung in Russland, von RT Deutsch angesprochen, sagte Schepp, dass das Geschäftsklima in Russland bei den 900 AHK-Mitgliedern überwiegend als positiv wahrgenommen wird. So seien 87 Prozent der befragten Unternehmen zufrieden mit ihrer Geschäftstätigkeit, weitere 34 wollen in Russland zusätzlich investieren.

"Sie verdienen gutes Geld", sagte Schepp. "Meine Kammerkollegen aus den USA, China und anderen Ländern beneiden mich, denn ich habe einen direkten Draht zu allen Regierungsvertretern, und sie haben für die Belange des Business ein offenes Ohr."

Was wir erleben, ist die Offenheit der Regierung", schloss Schepp.

Der russische Vize-Wirtschaftsminister Aser Talybow betonte seinerseits, dass gerade in Hinblick auf den Bereich Hochtechnologie der russische Staat besonders ehrgeizig sei und viel für die Unterstützung der Unternehmen leiste.

Während der Konferenz haben Vertreter mehrerer deutscher Unternehmen ihre Unterstützung für das programmatische Projekt "Lissabon-Wladiwostok" in einer Unterschriftenzeremonie bekundet.

Spielt die deutsche Politik eigentlich mit? 

Ein häufiger Gast solcher Konferenzen und Beobachter der deutsch-russischen Beziehungen schätze gegenüber RT Deutsch die Beteiligung vonseiten der deutschen Regierung als unzureichend – trotz der Teilnahme des Wirtschaftsministers. Er stelle auch eine ungewöhnlich große Zahl russischer Gäste fest: "Die Konferenz wird langsam russisch-deutsch".

Die Teilnehmer – ob nun deutsch oder russisch – strahlten jedoch nach Einschätzung RTs mehr Optimismus aus als in den Vorjahren. Die schädlichen Sanktionen gegen Russland wurden zwar ebenfalls mehrmals angesprochen, aber die Breitschichtigkeit der Perspektiven in Russland, die weit über die reine Wirtschaft hinausgehen, half den Wirtschaftsvertretern, über die bitteren Faktoren hinwegzusehen.

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