
Gaspreise steigen: Angriffe der Ukraine auf die TurkStream-Pipeline terrorisieren globalen Markt

Von Olga Samofalowa
Seit einigen Tagen greift das Regime in Kiew gezielt russische Kompressorstationen an, ohne die der Betrieb der Pipelines TurkStream und Blue Stream nicht möglich ist. Gazprom und das russische Verteidigungsministerium haben bestätigt, dass das Regime in Kiew vor einigen Tagen mit Kampfdrohnen die Kompressorstation "Russkaja" im Süden Russlands angegriffen hat, die die Gasversorgung über die Pipeline TurkStream sicherstellt. Dabei kamen zehn ukrainische Drohnen zum Einsatz. Anschließend wurden 14 Angriffe auf die Kompressorstation "Beregowaja" in der Nähe von Tuapse verzeichnet, die die Gasversorgung über Blue Stream sicherstellt. Russland hat alle Angriffe abgewehrt, es entstand kein Schaden.
Der Angriff der Drohnen speziell auf Kompressorstationen deutet darauf hin, dass die Ukraine die Gasleitungen für längere Zeit außer Betrieb setzen will. Igor Juschkow, Experte der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation und des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, sagt:
"Ein Angriff auf Kompressorstationen ist gefährlicher als ein Angriff auf die Leitung, insbesondere auf dem Landabschnitt. Denn in Kompressorstationen stehen Gasturbinen, die auf Bestellung gefertigt werden und nicht auf Lager sind. Im Falle einer Beschädigung müssen neue Turbinen bestellt werden, und die Reparatur selbst kann sich verzögern. Der Landabschnitt der Pipeline kann innerhalb weniger Tage ausgetauscht werden, während die Reparatur einer Gaskompressorstation Monate dauern kann. Gut ist noch, dass dort russische Gasturbinen stehen, nicht wie bei Nord Stream."

Die Ukraine spielt mit dem Feuer, denn die Folgen einer Unterbrechung der Gaslieferungen über Blue Stream und TurkStream aufgrund der Zerstörung von Kompressorstationen könnten nicht nur für die Türkei und die europäischen Verbraucher, sondern auch für die Ukraine selbst und den gesamten weltweiten Gasmarkt erheblich sein.
Aufgrund des Konflikts im Nahen Osten sind bereits 110 bis 120 Milliarden Kubikmeter Gas vom Weltmarkt verschwunden, und der Wettbewerb um Flüssigerdgas zwischen der EU und Asien hat sich verschärft. Ein Schlag gegen die russischen Pipelines würde dem Markt weitere 40 Milliarden Kubikmeter Gas entziehen, was die Gasverknappung nur noch verschärfen und die Preise noch weiter in die Höhe treiben würde. An den europäischen Börsen ist der Preis bereits um das Doppelte gestiegen. Juschkow weist in diesem Zusammenhang auf die potenziellen Verluste für den russischen Haushalt hin:
"Für Russland würde die Einstellung der südlichen Ströme nicht nur für Gazprom, sondern auch für den Haushalt Einnahmeausfälle bedeuten. Wenn Gazprom seine Exporte reduziert, verliert es Einnahmen und erhält dann weniger Dividenden, darunter auch weniger Zahlungen an den Staat als Aktionär. Zweitens zahlt Gazprom eine Steuer auf die Förderung von Bodenschätzen, wenn es dieses Gas fördert, und eine Ausfuhrsteuer, wenn es diesen Brennstoff exportiert. Die Ausfuhrsteuer beträgt 30 Prozent des Marktpreises."
Der durchschnittliche Gaspreis in Europa im Jahr 2025 beträgt 422 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter – das bedeutet, dass durchschnittlich 126,6 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter als Ausfuhrzoll in den russischen Haushalt fließen. Dabei liefert Russland 18 Milliarden Kubikmeter in die EU. Das bedeutet, dass der Haushalt allein durch die Einstellung der Pipeline-Lieferungen in die EU jährlich 2,3 Milliarden US-Dollar verlieren könnte. Hinzu kommt noch die Türkei, die ebenfalls nicht mehr mit russischem Gas beliefert werden könnte. Alexander Frolow, stellvertretender Generaldirektor des russischen Instituts für Nationale Energie und Chefredakteur des Branchenmediums InfoTEK, schätzt:
"Nach einer groben Schätzung der Gesamtgaslieferungen im vergangenen Jahr in europäische Länder, einschließlich der Türkei, könnte der potenzielle Einnahmeverlust Russlands unter Berücksichtigung der Durchschnittspreise, die sich 2025 in der Europäischen Union gebildet haben, etwa zwölf Milliarden US-Dollar betragen."
Im Falle einer Einstellung der Lieferungen über die Pipelines TurkStream und Blue Stream würde die Türkei etwa 21,2 Milliarden Kubikmeter Gas verlieren. Genau diese Menge hat Russland laut Angaben der türkischen Energiemarktregulierungsbehörde im Jahr 2025 über Pipelines dorthin geliefert.
Russland mache etwa 40 Prozent der gesamten Gaslieferungen in die Türkei aus, sagt Frolow. Seinen Angaben zufolge könnte die Türkei weitere zehn Milliarden Kubikmeter aus Iran beziehen, aber diese Lieferungen werden regelmäßig unterbrochen und sind instabil, insbesondere während des aktuellen Konflikts auf iranischem Gebiet. Weitere rund sechs Milliarden Kubikmeter Gas bezieht die Türkei aus Aserbaidschan. Außerdem gibt es in der Türkei Flüssiggas-Terminals, die den Import von Flüssigerdgas (LNG) ermöglichen.
Das Problem besteht darin, dass die Türkei physisch nicht in der Lage ist, die möglicherweise wegfallenden russischen Gaslieferungen zu ersetzen. Andere Pipeline-Lieferanten schaffen bereits das Maximum heran und können ihre Liefermengen physisch nicht steigern. Ankara hätte nur eine Option: die Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) zu erhöhen. Dies wird jedoch nicht nur aufgrund des im Persischen Golf blockierten katarischen Gases, das zu einem Defizit auf dem Weltmarkt für LNG geführt hat, schwierig sein. Das Problem bestehe darin, dass die Kapazitäten der LNG-Terminals in der Türkei physisch nicht ausreichten, um die russischen Mengen zu ersetzen, bemerkt der Experte. Er fügt hinzu:
"Russland ist für die Türkei ein Lieferant ohne Alternative. Darüber hinaus ist Russland nicht nur der Hauptlieferant von Gas für die Türkei, sondern auch der einzige Lieferant, der die aus anderen Richtungen, beispielsweise aus Iran, ausfallenden Mengen schnell kompensieren kann.
Iran und Aserbaidschan verfügen hingegen nicht über solche Möglichkeiten."
Die Slowakei, Ungarn und Serbien, die Gas über die TurkStream-Pipeline beziehen, würden davon ebenfalls betroffen sein. Im Jahr 2025 wurden über diese Pipeline rekordverdächtige 18 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa geliefert (womit die geplante Kapazität der zweiten Pipeline-Leitung überschritten wurde). Für diese Länder ist russisches Gas ebenfalls die einzige Option. Der ungarische Minister für auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft, Péter Szijjártó, erklärte:
"Wenn TurkStream nicht funktioniert, kann Ungarn weder geografisch noch physisch sicher Erdgas beziehen.
Die ukrainische Ölblockade und der Angriff auf TurkStream sind ein sehr grober, sehr schwerwiegender Angriff auf die Souveränität Ungarns."
Sollten die Lieferungen über die TurkStream-Pipeline plötzlich unterbrochen werden, können die europäischen Länder die ausgefallenen Mengen an russischem Gas nicht kompensieren. In dieser Hinsicht sei die Besorgnis von Péter Szijjártó völlig berechtigt, stimmt Frolow zu.
Darüber hinaus würde dies die gesamte Europäische Union treffen. Er fügt hinzu:
"Dies würde nicht nur zu einem Gasdefizit in einzelnen Ländern führen, sondern auch den allgemeinen Energiebedarf der Europäischen Union erhöhen. Dass die Preise hoch sein werden, ist offensichtlich."
Dabei wird auch die Ukraine selbst unter all dem Trubel leiden, den sie selbst zu organisieren versucht. Denn sie bezieht von ihren europäischen Nachbarn Gas, das ursprünglich aus Russland stammt. Laut Frolow beliefen sich die Gasimporte der Ukraine in einzelnen Wochen im Februar und März 2026 auf über 200 Millionen Kubikmeter, während sie seit Jahresbeginn durchschnittlich bei 180 bis 190 Millionen Kubikmeter liegen. Sobald jedoch eine Gasverknappung eintritt, würden europäische Unternehmen ihre Gaslieferungen an die Ukraine einstellen. Der Experte hebt hervor:
"Es wäre jedoch ein Fehler anzunehmen, dass die Interessen der Ukraine mit denen der ukrainischen Führung übereinstimmen. Die Einstellung der Lieferungen an die Ukraine hat keinerlei Auswirkungen auf die Interessen der Entscheidungsträger. Aber sie wird die ukrainischen Verbraucher treffen, vor allem die Industrie. Das ist jedoch ein Opfer, das die Leute in Kiew durchaus zu bringen bereit sind. Für sie ist es am wichtigsten, in ihren Sesseln zu sitzen und Geld aus der Europäischen Union und anderen Quellen zu schöpfen. Es stört sie nicht sonderlich, dass jemand dort ohne Gas dastehen wird."
Das Interessanteste daran ist jedoch, dass die Einstellung der Gaslieferungen aus Russland nach Europa nicht nur die Türkei und Europa treffen würde, sondern auch den globalen Markt. Igor Juschkow erklärt:
"Wenn Russland kein LNG nach Europa liefert, verschwinden diese Mengen nicht vom globalen Markt, sondern werden einfach auf andere Märkte umgeleitet, wodurch sich die Knappheit nicht verschärft. Wenn wir jedoch kein Pipelinegas nach Europa liefern können, können wir es nirgendwohin verkaufen, und Russland muss einfach die Förderung drosseln. Daher wird gerade der Wegfall des russischen Pipelinegases einen zusätzlichen Preisanstieg auf dem globalen Markt auslösen."
Der Nahostkonflikt hat 100 bis 110 Milliarden Kubikmeter katarisches Gas vom Markt genommen, und wenn man die Ausfälle anderer LNG-Lieferungen (aus Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und Ägypten) mit einbezieht, dann sogar 120 Milliarden Kubikmeter Exporte. Wenn TurkStream und Blue Stream eingestellt werden, werden weitere 40 Milliarden Kubikmeter Gas vom Weltmarkt verschwinden. Dies wird die weltweite Lage noch weiter verschärfen. Alexander Frolow erklärt:
"Der Gasmangel wird in einzelnen Regionen der Welt zunehmen. Er wird zu einer erzwungenen Rationierung der Gaslieferungen an Verbraucher und zu Versuchen führen, Gas durch Kohle zu ersetzen. Dies wird die Kohlepreise weiter in die Höhe treiben. Kohle ist ein Ersatzbrennstoff für Gas. Wenn Gas teurer wird, sinkt der Gasverbrauch aufgrund des steigenden Kohleverbrauchs in der Stromerzeugung."
Ihm zufolge werde die Türkei genau dieses Szenario verfolgen – bei einem Gasdefizit werde sie die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken steigern.
Experten weisen darauf hin, dass die Europäer die Energiekrise hätten vermeiden können, wenn die EU nur gewollt und Maßnahmen ergriffen hätte, um die Lieferungen über die intakte Leitung Nord Stream 2, den polnischen Abschnitt der Pipeline Jamal – Europa und über die Ukraine freizugeben. Darüber hinaus würde dies auch den Druck auf den asiatischen Markt verringern. Aber die EU-Spitze ist aus politischen Gründen nicht bereit, diesen Schritt zu gehen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 13. März 2026 auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung "Wsgljad".
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