Wirtschaft

Ukraine, Biden und Bitcoin: Was steckt hinter dem FTX-Fiasko?

Was steckt hinter dem grandiosen Sündenfall von FTX? Geschädigt gehen vor allem die Ukraine und die Krypto-Branche hervor, die ihr Kapital auf der Plattform lagerten. Was bisher geschah. Teil 1 einer zweiteiligen Serie.
Ukraine, Biden und Bitcoin: Was steckt hinter dem FTX-Fiasko?Quelle: www.globallookpress.com © Piero Nigro/Keystone Press Agency

Von Elem Raznochintsky

Egal, auf welcher ideologischen Seite des Ukraine-Krieges man sich befindet, der Fall FTX ist ein wirtschaftshistorisch schier einzigartiger Fauxpas seitens Washingtons – nicht zuletzt wegen der direkten Involvierung der Demokratischen Partei der USA und somit ihrer derzeitigen Regierung.

Mit den zu diesem Zeitpunkt zugänglichen Informationen stellt dieser Autor die These auf, dass FTX ein hauseigenes Geldwäsche-Konstrukt der Demokratischen Partei der USA gewesen ist. In groben Zügen repräsentiert dies eine zu gierige und zu rasche Einforderung nach einer Kapitalrendite für die immense Ukraine-Hilfe der USA, die bisher im Krieg gegen Russland geleistet wurde. Anhand der verloren gegangenen Kapitalanlagen kann es sich aber kaum nur um Rendite, sondern auch um große Teile der ursprünglichen Beträge selbst gehandelt haben. Denn die bisher eingesehene FTX-Buchhaltung dokumentiert einen unter Sam Bankman-Frieds Aufsicht getätigten Transfer von 10 Milliarden US-Dollar: von seiner FTX-Handelsplattform zu seinem anderen Unternehmen namens Alameda Research. Eine technische "Hintertür" soll benutzt worden sein, dank der Alarmglocken und Rotlichter des eigenen Systems aus blieben und diese Menge an Geld unauffällig und unter dem Radar entwendet werden konnte.

Gleichzeitig ist von offizieller Seite bekannt, dass die USA seit Beginn des Ukraine-Krieges Kiew eine Summe von über 16,2 Milliarden US-Dollar bereitgestellt und überwiesen haben. Von diesem Geld haben die ukrainischen Kapitalverwalter im Kiewer Regime große Anteile in das FTX-Ökosystem investiert – Geld, das nun weg ist. Anhand der weiter unten aufgezeigten Verbindungen Bankman-Frieds zum demokratischen US-Establishment und der Wall-Street-Finanzelite ist das Geld an seinen Ursprung zurückgelangt.

Der gesamte Verbleib des von FTX einst gehorteten Kapitals ist aber offiziell noch nicht bestätigt. Wobei sich zu diesem frühen Zeitpunkt die Insideraussagen unterscheiden im Hinblick auf die anteilige Summe, die Investoren und Partner vermissen und zurückerstattet bekommen möchten. Die gegen den eigenen Willen der herkömmlichen und nichts ahnenden Kunden des FTX-Ökosystems erlittenen Verluste werden derzeit in einem Spektrum zwischen 1 und 2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die anderen neun Zehntel des abhanden gekommenen Kapitals sind vermeintlich bei den noch anonymen Gläubigern erfolgreich angekommen. Anderen Quellen zufolge ist sogar von Verlustbeträgen zwischen 8 und 16 Milliarden US-Dollar die Rede. In nächster Zeit werden sich diese Hochrechnungen sicherlich noch konkretisieren.

Eine Chronik der Ereignisse 

FTX wurde von Sam Bankman-Fried lediglich zwei Wochen nach Joe Bidens Antritt zum Präsidenten-Wahlkampf im April 2019 gegründet. Der jugendliche Bankman-Fried erfuhr mit seinem Fintech-Start-up einen blitzschnellen Transport an die Spitze der immer noch jungen, Blockchain-basierten Finanzindustrie. Die staatlich-behördliche Fürsorge war dabei nie wirklich fern. Sehr bald zählte FTX zu den größten Umschlagplätzen für digitales Kapital, unter anderem Kryptowährungen. Die Handelsplattform war zuletzt die weltweit zweitgrößte ihrer Art. Nur die Kryptobörse Binance, gegründet und geführt vom chinesisch-kanadischen Informatiker Changpeng Zhao, übertraf FTX an Kapitalvolumen und Kundenzahl.

Als ewig Zweiter war Bankman-Fried auch der zweitgrößte Wahlkampfspender von Biden, als dieser Donald Trump 2019 herausforderte – nur der betagte Milliardär und öffentliche Aktivist George Soros übertraf den jungen Lobbyisten.

Als die militärische Sonderoperation Russlands in der Ukraine begann, meldete sich der FTX-Vorstand mit dem Versprechen, dass jedem Ukrainer 25 US-Dollar überwiesen werden würden. Außerdem hatte Bankman-Fried im März eine Spenden-Website mit ukrainischen Staatsbediensteten eingerichtet, um Kryptowährungen für die Unterstützung Kiews zu sammeln. Die Seite ist mittlerweile gesperrt, zeigte aber vorher noch die Namen des Vize-Premierministers Michail Fedorow und des Stellvertretenden Ministers für digitale Transformation, Alexander Bornjakow, an.

Noch am 8. November sagte Binance unverbindlich der Übernahme von FTX zu, nachdem diesem Plan am Tag darauf wieder die Absage erteilt wurde. Als die Probleme mit der Liquidität in die herkömmliche Kunden-Community durchsickerten, war es fürs Abheben des eigenen Geldes bereits zu spät. 

Am 11. November, nur zwei Tage nach den US-Zwischenwahlen, meldet FTX samt seiner Tochterfirma Alameda Research und weiterer 130 Unternehmen den Bankrott an. Noch am Tag der Bankrotterklärung wurde eine hastige Transaktion von 383 Millionen US-Dollar getätigt. Wenige vermuten einen Hackerangriff, aber den meisten Experten ist bewusst, dass es sich um einen Insider handeln muss, der einige seiner Gelder retten und von den FTX-Wallets (digitale Konten für die Kryptowährung) abheben wollte. Außerdem ist in den Konkurspapieren des Unternehmens die Liste der Vermögenswerte in der Rubrik für Bitcoin gleich null, obwohl FTX Rückzahlungsverpflichtungen in Bitcoin im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar unterliegt.

Schon im Sommer 2019 wurde darüber berichtet, wie Bankman-Frieds Alameda Research in einem Forschungspapier genau aufzeigte, wie Handelsplattformen künstlich Volumen erzeugen können, um mehr Kunden anzuziehen und somit die eigentlichen Profite zu generieren. Strategien, die dann im Monat darauf bei der frisch gegründeten FTX-Plattform begonnen wurden, angewandt zu werden.

Der engere Kreis des jungen Bankman-Fried – Teil 1

Wie bereits kurz erwähnt, war FTX nicht die einzige bodenlose Finanzgrube, die Bankman-Fried verwaltet hatte. Die 2017 von ihm gegründete Investment-Firma Alameda Research gehört zu dem Betrugsgerüst dazu. Das war auch das Unternehmen, an das er die 10 Milliarden US-Dollar von FTX überwiesen hatte. Die Vorstandsvorsitzende von Alameda Research ist eine gewisse 28-jährige Caroline Ellison – eine Banknachbarin Bankman-Frieds aus Studienzeiten in Stanford. Ihr Vater ist der einflussreiche Glenn Ellison, der als Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrt. Ein enger MIT-Fachkollege von Glenn Ellison ist der heutige Chef der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) Gary Gensler. Gensler wurde im Februar 2021 von US-Präsident Biden zu diesem überaus verantwortungsvollen Posten berufen. Gensler war außerdem für Goldman Sachs tätig, was einen doppelten Interessenkonflikt erzeugt.

Als nämlich Gensler schon seit über einem Jahr im öffentlichen Amt bei der SEC agierte, kam im April 2022 die Neuigkeit, dass Goldman Sachs der Handelsplattform FTX helfen werde, "regulatorische Genehmigungen" von der Börsenaufsichtsbehörde zu erhalten. Auch der Wirtschaftsakademiker Ellison ist mit hohen Bediensteten von Goldman Sachs verbunden, zum Beispiel Gregory Palm. Palm war bis 2018 der langjährige Chef der Rechtsabteilung von Goldman Sachs und einer der am besten vergüteten Anwälte der Firma. Der Kreis, in dem sich diese Akteure bewegen – mit flexiblen Übergängen zwischen dem akademischen Sektor und dem der hohen, westlichen Weltfinanz –, ist sehr eng geschnürt.

Dies ist der erste Indizien-Kreis, der sich schließt und jedem normalen Ermittler Grund zur Skepsis bereiten sollte. Bei diesem riesigen, rechtsfreien Eigentumstransfer und digitalen Diebstahl waren sowohl die US-Börsenaufsichtsbehörde als auch Goldman Sachs beteiligt. Die einzige andere Möglichkeit wäre, dass sie tatenlos zugeschaut haben, was aber bei diesem hochkarätigen Expertenniveau mindestens eine Mittäterschaft implizieren würde.

Alameda-Research-Chefin Caroline Ellison, die in Stanford studierte, muss auch gelegentlich dem Vater des Hauptverdächtigen Sam Bankman-Fried begegnet sein: Joseph Bankman, der dort eine Professur für Recht und Geschäftsführung ("Law and Business") innehat. Bankman ist ein führender US-Gelehrter für Steuerrecht, und sein Werk wurde ein Jahr vor dem Start von FTX, im Jahr 2018, in einem Forschungspapier zur neuen, "dezentralisierten Ökonomie" (gemeint sind die Märkte, die dank der Blockchain-Technologie und ihrer Kryptowährungen entstanden sind) mehrmals zitiert. Wie bereits zu Beginn angedeutet, kann der FTX-Crash auch als frühzeitige Rückführung, von den an die Ukraine geliehenen Geldmitteln, zurück nach Washington, D.C. angesehen werden. Es gibt dennoch den Aspekt, dass die genaue Art und Weise, wie alles bisher verlief, nicht ganz den Vorstellungen der Täter entsprach: Immerhin gerät bald die höchste Riege der US-Demokraten in Bedrängnis und Erklärungsnot – zumindest müsste sie das, sofern aufrichtige und unvoreingenommene Ermittlungen unternommen werden. Diese sind aber in einer echten Demokratie kein Problem.

Um die Familienzusammenführung zu vervollständigen, sei erwähnt, dass auch die Mutter von Bankman-Fried, Barbara Fried, einer Jura-Professur in der Stanford-Universität nachgeht. Viel signifikanter sind aber Barbara Frieds Aktivitäten als Wahlkampagnen-Financier der US-Demokraten. Sie hat schon bei den US-Zwischenwahlen 2018 die politisch hoch motivierte Investment-Gruppe "Mind the Gap" gegründet, mit der sie besonders hochkarätige Sponsoren aus dem Silicon Valley für die Demokratische Partei akquirierte. Die Organisation ist öffentlich verschleiert, schwer auffindbar und hat keine eigene Website oder sozialen Medien in Betrieb. Laut einem geleakten Memorandum wurden 20 Millionen US-Dollar im Gründungsjahr 2018 gesammelt. Über die Hälfte davon wurde gezielt an regionale Kandidaten vergeben, deren Erfolgschancen von vornherein eher niedrig gewesen wären, durch die Finanzspritze jedoch merklich erhöht wurden. Was Barbara Frieds "Mind the Gap" aber seit vier Jahren bewiesen hat, ist, dass eine neuartige, effektive und datengestützte Strategie herausgearbeitet wurde, die auf weniger vielversprechende demokratische Kandidaten abzielt – die daraufhin Wahlerfolge verbuchen. Obendrauf gibt es offensichtlich eine Art Protektion von Aufsichtsbehörden, die diese Art des Freifahrtscheins und der finanziellen Anonymität und Autonomie, gepaart mit einer kollegialen Befreiung von Rechenschaft, erst möglich macht.

Der investigative Journalist Theodore Schleifer hat sich Anfang 2020 an einer Aufarbeitung der Vorgehensweise von Barbara Frieds "Mind the Gap" versucht, die lesenswert ist.

Das nächste, viel kleinere Indiz, aber dennoch, ist die Verpflichtung von der einflussreichen Investorin Amy Wu als neue Leiterin der FTX Ventures and Commercial im Januar 2022. Frau Wu hatte zuvor eine bewegende Karriere gehabt, aber was hier erwähnt werden kann, ist eine ihrer ersten Positionen als Analytikerin für die Clinton Foundation im Jahr 2007. Bill Clinton gilt als Patriarch und moralische Autorität in der Demokratischen Partei der USA, der auch zumindest geschäftliche Beziehungen zum Ex-Chef von FTX pflegt.

Zu guter Letzt ein weiterer großer Interessenkonflikt: Noch zu Präsident Barack Obamas Zeiten 2011 wurde ein Mann namens Mark P. Wetjen ins Amt des Leiters der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) berufen. Wetjen arbeitete daraufhin zwei Jahre unter dem bereits gesondert erwähnten Gary Gensler, bevor er dessen Stelle als Leiter der CFTC 2013 übernahm. Derselbe Wetjen wurde vor fast genau einem Jahr bei FTX US als Leiter für Geschäftspolitik und Regulierung eingestellt.

Zu behaupten, dass eine derart glückliche Fügung der Ereignisse, Einflusspersonen und Umstände – wie sie gerade aufgelistet wurden – für Sam Bankman-Fried durch puren Zufall zustande kam, ist eine Beleidigung an jeden, der bei klarem Verstand ist.

Der spendable Hochmut von Bankman-Fried ging zuletzt so weit, dass er noch im Frühling 2022 behauptete, er sei für die US-Wahlen 2024 imstande, eine Milliarde US-Dollar für die Demokraten zur Verfügung zu stellen. Dieses Geld wird aber anhand der Verbindungen, die zu den US-Demokraten bestehen, sowieso dort ankommen, nur leicht abseits der herkömmlichen Betriebswege. Oft gab der Unternehmer und selbst ernannte Altruist in den Massenmedien bekannt, dass er das meiste seines Vermögens sowieso verschenken und spenden werde. Der FTX-Crash ist wohl vom Inhalt her – aber weniger von der Form – eine Erfüllung dieses Wunsches gewesen.

Die Fortsetzung über die weiteren Hintergründe und neuen Entwicklungen zum "Fall FTX" folgt in Teil 2.

Elem Raznochintsky ist ein deutsch-polnischer Journalist, der zu geopolitischen, historischen, finanziellen und kulturellen Themen schreibt. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit RT DE besteht seit 2017. Seit Anfang 2020 lebt und arbeitet der freischaffende Autor im russischen Sankt Petersburg. Der ursprünglich als Filmregisseur und Drehbuchautor ausgebildete Raznochintsky betreibt außerdem einen eigenen Kanal auf Telegram, wo man noch mehr von ihm lesen kann.

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RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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