Wirtschaft

Krisen- und Insolvenzticker – Amtlich: Deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2022 geschrumpft

Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind allein seit 2022 tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.
Krisen- und Insolvenzticker – Amtlich: Deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2022 geschrumpftQuelle: Legion-media.ru © JHG

  • 30.01.2023 10:30 Uhr

    10:30 Uhr

    Deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2022 geschrumpft

    Rekordinflation und Energiekrise haben die Konjunktur in Deutschland zum Ende des vergangenen Jahres ausgebremst. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal 2022 gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in einer ersten Schätzung mitteilte. Zunächst war die Wiesbadener Behörde von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung im Zeitraum Oktober bis Dezember ausgegangen.

    Insgesamt wuchs Europas größte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr trotz des Gegenwinds um 1,8 Prozent. Im vierten Quartal fielen den Angaben zufolge vor allem die privaten Konsumausgaben, die die deutsche Wirtschaft im bisherigen Jahresverlauf gestützt hatten, niedriger aus als im Vorquartal.

    Nach Ansicht vieler Ökonomen wird die deutsche Wirtschaft auch in diesem Jahr leicht schrumpfen. Weil der Staat Privathaushalte und Unternehmen mit Milliardensummen bei den kräftig gestiegenen Energie-Kosten entlastet, erwarten manche Volkswirte hingegen ein leichtes Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr.

  • 08:00 Uhr

    Philips streicht weltweit weitere 6.000 Stellen 

    Der angeschlagene Medizintechnikhersteller Philips will durch einen weiteren massiven Stellenabbau in den kommenden Jahren die Profitabilität kräftig erhöhen. Zusätzlich zu dem bereits im Oktober angekündigten Abbau von rund 4.000 Stellen sollen 6.000 weitere gestrichen werden, wie der Siemens-Healthineers-Konkurrent am Montag in Amsterdam bei der Vorlage der Zahlen für das vergangene Jahr mitteilte. Ende September vergangenen Jahres hatte Philips etwas mehr als 79.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dem Sparkurs soll die zuletzt niedrige operative Rendite wieder in den zweistelligen Bereich getrieben werden. Neben den Kosteneinsparungen will Philips dies auch durch ein wieder stärkeres Wachstum erreichen.

  • 29.01.2023 20:42 Uhr

    20:42 Uhr

    Rosneft Deutschland sieht gute Chancen für Öl aus Kasachstan

    Seitdem die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt infolge antirussischer Sanktionen kein Rohöl aus Russland mehr beziehen darf, ist der Betreiber auf der Suche nach einem zuverlässigen Ersatzlieferanten. Die auf dem freien Markt beziehbaren Mengen reichen für einen wirtschaftlichen Vollbetrieb nicht aus und werden überdies zu überhöhten Preisen angeboten. Nun könnte sich eine mittelfristige Lösung für die Raffinerie abzeichnen. 

    Der Mitgesellschafter der brandenburgischen PCK-Raffinerie, Rosneft Deutschland, hat sich bezüglich möglicher Öllieferungen aus Kasachstan zuversichtlich gezeigt. Man befinde sich in "weiterführenden Gesprächen", sagte ein Sprecher der Tochterfirma des russischen Ölkonzerns Rosneft. Rosneft Deutschland und die verbundene RN Refining & Marketing sind Mehrheitsgesellschafter der PCK-Raffinerie und stehen seit der Einführung antirussischer Sanktionen unter Treuhandverwaltung des Bundes. 

    Rosneft Deutschland hält für eine ausreichende Auslastung der Raffinerie nicht nur Öl aus Rostock und Danzig für nötig, sondern auch aus Kasachstan. Seit dem Jahreswechsel fließt nach einer Entscheidung der Bundesregierung kein russisches Öl mehr über die Pipeline Druschba zu PCK. Stattdessen wurde zunächst Rohöl über den Hafen Rostock angeliefert. Derzeit ist die Raffinerie zu etwas mehr als 50 Prozent ausgelastet. Dazu soll Öl kommen, das über den Danziger Hafen transportiert wird. Neun von zehn Autos in Berlin und Brandenburg laufen laut PCK mit Treibstoff aus Schwedt.

  • 19:05 Uhr

    Forschungsinstitute: Deutsche Wirtschaft vor langer Schwächephase

    Der deutschen Wirtschaft steht nach Einschätzung prominenter Ökonomen eine jahrelange Phase schwachen Wachstums bevor. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und das Ifo-Institut in München gehen übereinstimmend davon aus, dass die jährlichen Wachstumsraten mittelfristig unter einem Prozent liegen werden, viel niedriger als im Schnitt der vergangenen dreißig Jahre. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagt:

    "Das Wirtschaftswachstum in Deutschland dürfte in diesem Jahrzehnt deutlich schwächer ausfallen als in den 2010er-Jahren. Die Abschwächung des Wirtschaftspotenzials Deutschlands geht auf eigene Versäumnisse zurück und hat wenig mit dem Krieg in der Ukraine oder der Corona-Pandemie zu tun."

    Das Potenzialwachstum für die deutsche Wirtschaft dürfte ihm zufolge in diesem Jahrzehnt auf unter 1,0 Prozent sinken. Das sei vor allem dem Rückgang der Beschäftigung durch Demographie und Fachkräftemangel geschuldet. Schuld seien Versäumnisse der vergangenen 20 Jahre, darunter die "bisher gescheiterte ökologische Transformation", überbordende Bürokratie, das staatliche Investitionsdefizit sowie der Fachkräftemangel. Sollte die "verschlafene Transformation" zu einer Deindustrialisierung führen, dann könnte das Wachstumspotenzial noch stärker sinken. 

    Die mittelfristige Projektion des IfW Kiel weist bis 2027 einen Rückgang des jährlichen Wirtschaftswachstums auf unter 0,7 Prozent aus, eine Halbierung gegenüber den durchschnittlichen 1,4 Prozent der vergangenen 30 Jahre. Deutschland laufe "in erhebliche Verteilungskonflikte hinein", weil die Babyboomer-Generation in Rente geht, sagte IfW-Chef Stefan Kooths. Da weniger Menschen ins Arbeitsleben nachrücken, könne das Ausscheiden der Älteren nicht mehr kompensiert werden. Der demografische Wandel kann laut Ifo-Konjunkturforscher Robert Lehmann die Inflation befeuern, da die "hohen Ersparnisse der dann lebenden Rentnergeneration zu einem deutlichen Konsumschub" führen, die Produktion aber geringer wachse.

  • 28.01.2023 17:40 Uhr

    17:40 Uhr

    Deutscher Städtetag: Jedes fünfte Krankenhaus von Insolvenz bedroht

    Zum Abschluss des Deutschen Städtetags hieß es, dass jedes fünfte Krankenhaus in Deutschland von der Insolvenz bedroht sei. Das berichtete die Tagesschau am Donnerstag. Nach Aussage des Vizepräsident des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeister Burkhard Jung aus Leipzig, müsse man einen Härtefonds mit sechs Milliarden Euro einrichten. Um ein Kliniksterben zu verhindern, seien 1,5 Milliarden Soforthilfe nötig. Nach den Sitzungen des kommunalen Spitzenverbandes sagte Jung in Chemnitz:

    "Viele Krankenhäuser stehen mit dem Rücken zur Wand. Die höheren Kosten wegen der Inflation, zum Beispiel für Medizinprodukte, und die steigenden Energiepreise können durch Fallpauschalen nicht refinanziert werden. Weil Personal fehlt, werden teilweise Stationen geschlossen und es können weniger Patienten aufgenommen werden."

    In einer Pressemitteilung vom 26. Januar 2023 warnt der Städtetag vor baldigen Krankenhaus-Insolvenzen:

    "Die Städte appellieren an Bund und Länder, die Krankenhäuser und Notfallversorgung krisenfest aufzustellen und mit der Reform die strukturelle Unterfinanzierung zu beseitigen. Sie warnen vor Krankenhaus-Insolvenzen in den nächsten Monaten, wenn nicht schnell Hilfen vor Ort ankommen."

  • 27.01.2023 22:47 Uhr

    22:47 Uhr

    Steuereinnahmen steigen stärker als erwartet

    Im vergangenen Jahr sind die Steuereinnahmen von Bund und Ländern deutlicher gestiegen als erwartet: Sie legten um gut sieben Prozent oder knapp 54 Milliarden auf 814,9 Milliarden Euro zu, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. Experten hatten mit einem Zuwachs von gut sechs Prozent gerechnet.

    Im ersten Halbjahr waren die Entwicklungen deutlich besser gewesen, im zweiten Halbjahr senkten die Hilfspakete der Bundesregierung im Rahmen der Energiekrise die Einnahmen des Staates. Deutliche Zuwächse gab es 2022 unter anderem bei der Umsatzsteuer: Hier zeigten sich die Nachholeffekte der Corona-Krise. Auch die Einnahmen des Staates aus der Lohnsteuer stiegen durch weniger Kurzarbeit. Das Aufkommen aus der Körperschaftssteuer, die maßgeblich von der Gewinnentwicklung der Unternehmen abhängt, ging ebenfalls spürbar nach oben.

    Das FDP-geführte Finanzministerium kündigte im Monatsbericht zudem an, die Bürokratie im Steuerbereich abbauen zu wollen. Vorschläge dazu sollten vorgelegt werden. Für das Jahr 2024 sollen außerdem erneut die Regeln der Schuldenbremse eingehalten werden.

  • 21:15 Uhr

    Aus für staatliche Hilfen bei Öl- und Pellet-Heizungen – Länder protestieren

    Nach der Entscheidung des Bundestags-Haushaltsausschusses, die staatlichen Hilfen für Unternehmen beim Einkauf von Öl, Holz und Pellets vorerst wieder zu streichen, kommt von den Ländern und teils auch aus der Ampelkoalition selbst scharfe Kritik. Firmen nutzen diese Energieträger beispielsweise zum Heizen.

    Am Mittwoch hatten die Haushälter der SPD, Grünen und FDP 375 Millionen Euro freigegeben, um kleine und mittlere Unternehmen zu entlasten, die besonders stark von den hohen Energiepreisen betroffen sind. Weitere 375 Millionen Euro entsperrte der Haushaltsausschuss für Härtefälle bei Kultureinrichtungen. In beiden Fällen verständigten sich die Ampel-Haushälter jedoch darauf, "die Härtefallregelungen auf die Entlastung von Strom und leitungsgebundene Energieträger (Gas, Wärme) zu begrenzen und die Härtefallregelung nicht auf leitungsungebundene Energieträger (zum Beispiel Heizöl, Pellets) auszuweiten".

    Dabei wurden die Härtefallhilfen für Öl und Pellets erst kurz vor Schluss des Gesetzgebungsverfahrens auf Verlangen der SPD mit in die Verhandlungen einbezogen. Kritik an der Entscheidung kam aus den Ländern. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) teilte dem Handelsblatt mit:

    "Diese Entscheidung wäre für die Bundesregierung höchst blamabel und für viele mittelständische Unternehmen ein Desaster, denn sie ist das exakte Gegenteil der noch im Dezember getroffenen Zusage."

    Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), derzeit Vorsitzender der Wirtschaftsministerkonferenz, hat sich in einem Protestbrief an die Ampel gewandt. Dieser soll dem Handelsblatt vorliegen. Aiwanger beschwerte sich demnach:

    "Erst werden Hilfen angekündigt, dann macht Berlin einen Rückzieher und vertrödelt erneut Monate an kostbarer Zeit."

    Auch innerhalb der Ampelkoalition war man mit diesem Vorgehen nicht einverstanden, daher will man sich nun zumindest dafür einsetzen, dass die Einschränkungen für die Freigabe der nächsten Tranchen durch den Haushaltsausschuss nicht mehr gelten. Weitere 625 Millionen Euro sind jeweils noch für kleine und mittlere Unternehmen und für Kultureinrichtungen hinterlegt.

  • 26.01.2023 21:34 Uhr

    21:34 Uhr

    Chemiekonzern Dow will rund 2.000 Jobs streichen

    Der US-Chemiekonzern Dow will in diesem Jahr weltweit rund 2.000 Stellen streichen. Zudem sollen vor allem in Europa bestimmte Anlagen geschlossen werden, um den Konzern langfristig wettbewerbsfähig zu halten. In Deutschland hat Dow Standorte etwa in Berlin, Rostock, Wiesbaden und im badischen Rheinmünster. Mit diesen und weiteren Maßnahmen will Konzernchef Jim Fitterling rund eine Milliarde US-Dollar (918 Millionen Euro) einsparen.

    In Europa habe das Unternehmen vor allem mit den Energiekosten zu kämpfen, erklärte Fitterling. Die hohen Gaspreise machen der deutschen Chemiebranche generell zu schaffen. Zusätzlich will Fitterling die Kosten etwa für Rohstoffe und Logistik drosseln, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Dow werde im Zusammenhang mit dem Sparprogramm Kosten von 550 Millionen bis 725 Millionen US-Dollar im ersten Quartal verbuchen – etwa für Abfindungen, Schließungen oder Abschreibungen.

    Jüngsten Angaben zufolge beschäftigt Dow rund 37.800 Menschen in insgesamt 31 Ländern. In Europa ist der Konzern in einer Reihe von Ländern tätig, neben Deutschland mit rund 3.600 Mitarbeitern etwa in Frankreich, Belgien und Großbritannien.

  • 20:15 Uhr

    IBM streicht etwa 3.900 Jobs – Quartalsumsatz stagniert 

    Als nächstes Schwergewicht der Tech-Branche baut der Computerkonzern IBM mehrere tausend Arbeitsplätze ab. Es gehe um ungefähr 3.900 Jobs, also rund 1,5 Prozent der weltweiten Belegschaft, teilte IBM-Finanzchef James Kavanaugh dem Finanzdienst Bloomberg mit. Zugleich sollen auch neue Mitarbeiter in Wachstumsbereichen eingestellt werden, wie er ankündigte.

    IBM meldete am Mittwoch für das vergangene Quartal einen Umsatz auf Vorjahresniveau von 16,7 Milliarden Dollar (15,3 Milliarden Euro). Die Erlöse lagen damit etwas über den Erwartungen von Analysten. Der Gewinn stieg unterdessen um 17 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel nach Vorlage der Zahlen zeitweise um rund zwei Prozent nach.

    IBM-Chef Arvind Krishna arbeitet daran, den IT- und Beratungskonzern stärker auf das Cloud-Geschäft auszurichten. Im gesamten vergangenen Jahr legten die Erlöse aus Cloud-Angeboten um elf Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar zu.

    (rt/dpa)

  • 18:36 Uhr

    SAP setzt den Rotstift an: 3.000 Stellen werden gestrichen

    Nach dem US-Marktführer IBM plant jetzt auch der deutsche Platzhirsch SAP Einschnitte beim Personal. Laut einem Bericht des Handelsblatts hat der Softwarehersteller am Donnerstag ein "gezieltes Restrukturierungsprogramm in ausgewählten Bereichen des Unternehmens" angekündigt. Rund 3.000 Mitarbeiter seien weltweit betroffen, davon 200 in Deutschland, verriet Vorstandssprecher Christian Klein. 

    Man wolle schließlich "den Fokus stärker auf strategische Wachstumsbereiche legen", sagte der Manager bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2022. SAP steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um elf Prozent auf 30,87 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis stagnierte jedoch bei 4,7 Milliarden Euro.

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