Wirtschaft

Krisen- und Insolvenzticker: EU einigt sich auf Obergrenze von 60 US-Dollar für russisches Öl

Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind allein in diesem Jahr tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.
Krisen- und Insolvenzticker: EU einigt sich auf Obergrenze von 60 US-Dollar für russisches ÖlQuelle: AFP © OLGA MALTSEVA
  • 1.12.2022 22:25 Uhr

    22:25 Uhr

    Finnlands Wirtschaft schrumpft in eine Rezession

    Laut der amtlichen Statistik schrumpfte die finnische Wirtschaft im dritten Quartal stärker als in einer früheren Schätzung angegeben. Den Daten von Statistics Finland zufolge schrumpfte das finnische BIP im letzten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Dreimonatszeitraum und beendete damit fünf aufeinanderfolgende Wachstumsquartale. Im gesamten Jahr wuchs die Wirtschaft, bereinigt um die Zahl der Arbeitstage, um 1,0 Prozent.

    Der Wirtschaftsabschwung wird vor allem durch einen Einbruch der privaten Ausgaben bedingt. Da auch für das vierte Quartal ein Rückgang erwartet wird, stehe dem Land wohl eine Rezession bevor, wie der Chefökonom der Svenska Handelsbanken AB mit Sitz in Helsinki, Timo Hirvonen, auf Twitter schrieb.

  • 21:31 Uhr

    "Blackout" oder "Brownout"?

    Inzwischen hat es das Risiko von Stromausfällen in diesem Winter bis in die Tagesschau geschafft, allerdings nur in der beherrschten Variante, "Brownout" genannt. Für den Stromkunden ebenfalls ein Stromausfall, der aber durch Abschaltung entsteht und nicht durch einen Schaden oder eine Netzüberlastung.

    Allerdings ist der befragte Mitarbeiter des Netzbetreibers Amprion, einem von vier in Deutschland tätigen, äußerst vorsichtig. Er sagte in Bezug auf eine plötzlich steigende Nachfrage: "Wenn wir es absehen könnten, würden wir zu kontrollierten Lastabschaltungen für kurze Zeit greifen", also Teile des Stromnetzes stilllegen – bis Nachfrage und Angebot wieder übereinstimmen. Der Bericht der Tagesthemen ging in der Folge genau von dieser Annahme aus. Als Beispiel diente eine Kälteperiode in Südfrankreich, und als Lösung wurde eine Stromabschaltung in einem Teil des Krefelder Netzes präsentiert. Diese Abschaltung erfolge ohne Vorwarnung, dauere aber nur höchstens 90 Minuten. Mit Risiken, die auch in diesen Fällen auftreten können, beispielsweise Datenverluste, befasst sich der Beitrag nicht.

    Wie im vergangenen Jahr ist auch in diesem Winter nur ein Teil der französischen Kernkraftwerke am Netz, weshalb ein höheres Risiko besteht, dass die vorhandene Leistung nicht ausreicht. Die Menge des in Deutschland erzeugten Stroms liegt allerdings unter dem Wert des Vorjahrs, und bereits damals hatte der französische Netzbetreiber Abschaltungen nicht ausgeschlossen.

    Wenn eine plötzlich steigende Nachfrage aber nicht absehbar ist, dann kommt es doch zu jener Art Stromausfall, der mit dem Wort "Blackout" bezeichnet wird; einem unkontrollierten Ausfall, dessen Behebung unter Umständen Wochen in Anspruch nehmen kann.

    "Wenn wir es absehen könnten" besagt jedoch nicht – im Gegensatz zur Darstellung der Tagesthemen, dass solche Fälle üblicherweise absehbar sind, sondern vielmehr, dass sie es in der Regel nicht sind.

  • 19:21 Uhr

    Bundestag beschließt 200-Euro-Hilfe für Studenten

    Der Bundestag hat die angekündigte 200-Euro-Sonderzahlung für Studenten verabschiedet. Für das Gesetz stimmten die Ampel-Parteien, die Union und Die Linke, die AfD enthielt sich. Im neuen Jahr sollen rund 3,4 Millionen Anspruchsberechtigte die 200 Euro bekommen, derzeit wird noch eine Antragsplattform dafür im Internet aufgebaut.

    Anspruchsberechtigt sind alle, die am 1. Dezember dieses Jahres an einer Hochschule eingeschrieben oder zu diesem Zeitpunkt in einer Fachschulausbildung sind. Voraussetzung ist ein Wohnsitz oder "gewöhnlicher Aufenthalt" in Deutschland zum Stichtag. Auch Teilzeit-Studenten, Teilnehmer an einem Dualen Studium, ausländische Studenten und Hochschüler, die gerade ein Urlaubssemester machen, können von der Zahlung profitieren. Die Einmalzahlung ist Teil des von der Ampel-Koalition vereinbarten dritten Entlastungspakets zur Abfederung der Folgen der Energiekrise. Eine Zustimmung zu dem Gesetz im Bundesrat ist nicht notwendig. Kritik an der Umsetzung kam unter anderem von der Union: Lars Rohwer (CDU) sagte:

    "Sie haben einfach drei Monate vertüdelt."

    Bis das Geld bei den Betroffenen ankommt, werde es noch weitere Monate dauern, da es bisher noch nicht einmal Antragsplattform gebe.

  • 17:49 Uhr

    EU einigt sich auf Obergrenze von 60 US-Dollar für russisches Öl

    Die EU-Staaten haben sich auf eine Preisobergrenze von 60 US-Dollar je Barrel für russisches Öl geeinigt, das über den Seeweg transportiert wird. Dies berichtet unter anderem das Handelsblatt unter Berufung auf Diplomaten. Bis zuletzt war eine Preisobergrenze umstritten. Polen und die baltischen Länder forderten, den Höchstpreis noch niedriger anzusetzen, konnten sich damit jedoch nicht durchsetzen. Ein EU-Diplomat erklärte nun gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Obergrenze mit einem Anpassungsmechanismus bei fünf Prozent unter dem Marktpreis gehalten werden soll.

    Polen muss der Vereinbarung noch zustimmen. Sofern dies geschieht, könnte die Einigung von allen EU-Regierungen in einem schriftlichen Verfahren bis Freitag genehmigt werde. Die Preisobergrenze soll das bereits im Mai beschlossene Ölembargo ergänzen, das am kommenden Montag in Kraft treten wird. Dabei gibt es Ausnahmen für per Pipeline geliefertes Öl, was vor allem Ungarn zugutekommt.

  • 30.11.2022 21:22 Uhr

    21:22 Uhr

    Internationale Arbeitsorganisation warnt vor sozialen Unruhen wegen weltweit gesunkener Reallöhne

    Nach einer Analyse der UN-Weltarbeitsorganisation (ILO) hat die steigende Inflation in vielen Ländern zu einem eklatanten Rückgang der Reallöhne geführt. Laut einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht sanken die monatlichen Reallöhne in der ersten Jahreshälfte weltweit um 0,9 Prozent. Infolgedessen verringerte sich die Kaufkraft von Familien der Mittelschicht. Haushalte mit niedrigem Einkommen wurden besonders hart getroffen. Die Organisation betonte die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Armut und Ungleichheit und warnte vor sozialen Unruhen.

  • 17:40 Uhr

    Handwerks-Präsident Wollseifer sieht viele Betriebe am Abgrund

    Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer erklärte gegenüber der Rheinischen Post:

    "Bäcker, Lackierer und Galvaniseure arbeiten besonders energieintensiv. Aber auch viele Bierbrauer, Textilreiniger und Karosseriebauer stehen am Rand eines Liquiditätsabgrundes, in den sie im Januar und Februar zu stürzen drohen."  

    Die geplanten Entlastungen seien nicht ausreichend. Es sei zwar vernünftig, dass Gas- und Strompreisbremse bereits ab Januar gelten sollen, da das Geld aber erst im März rückwirkend gezahlt werde, bleibe eine Liquiditätslücke im Januar und Februar. Wollseifer fordert daher eine schnellere Lösung für Härtefälle. Für die energieintensiven Betriebe müssen Bund und Länder daher eine Härtefallbrücke bauen, so Wollseifer. Konkret mahnte er die Länder, sich auf einen Härtefallfonds zu einigen.

    "Das Geld muss aber schnell und unkompliziert fließen. Es darf nicht erst im Frühjahr bei den Betrieben ankommen."

  • 17:02 Uhr

    Erdgas-Vertrag aus Katar ohne Auswirkungen auf die Preise


    Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) wird der Erdgas-Vertrag mit Katar keine Folgen für die Preisentwicklung haben. BDI-Präsident Siegfried Russwurm erklärte gegenüber dem Boulevard-Blatt Bild:

    "Die Gasmenge macht drei Prozent des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland aus. Für mehr Versorgungssicherheit und Energieunabhängigkeit müssen zügig weitere Gas-Verträge mit unterschiedlichen Ländern folgen."

    Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Gesprächen mit den Vorsitzenden der großen internationalen Wirtschafts- und Finanzorganisationen im Kanzleramt die Gaslieferungen aus Katar als "Baustein" für die künftige Energieversorgung Deutschlands bezeichnet. Man wolle demnach dafür sorgen, dass man viele unterschiedliche Länder habe, aus denen man Energie beziehe.

  • 16:16 Uhr

    EU-Länder kaufen LNG im Wert von 12,5 Milliarden aus Russland

    Für russisches Erdöl tritt nun bald ein Embargo in Kraft, andere Energiequellen aus Russland sind hingegen immer noch gerne gesehen: Die Einfuhr von LNG aus Russland ist im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen, wie aus Schiffs- und Hafendaten hervorgeht. Bis September haben die EU-Länder dafür 12,5 Milliarden Euro an Russland bezahlt – fünfmal mehr als im Jahr 2021.

    Da spätestens nach den Anschlägen auf die Nord Stream-Pipelines deutlich weniger Gas durch russische Pipelines fließt, müssen die Abnehmerländer das Gas ersetzen. Der Nachfrageschub aus Ländern wie Frankreich und Belgien hat Russland zum zweitwichtigsten LNG-Lieferanten Nordwesteuropas gemacht – zwar deutlich hinter den USA, aber noch vor Katar. Anne-Sophie Corbeau vom Center on Global Energy Policy der Columbia University sagte:

    "Russisches LNG muss weiter fließen. Die globale LNG-Bilanz ist ohnehin schon eng genug. Ich denke, dass die meisten europäischen Länder in dieser Hinsicht gerne ein Auge zudrücken."

    Ein Europa haben bisher nur Großbritannien und die baltischen Staaten den Kauf von LNG aus Russland eingestellt.

  • 29.11.2022 15:55 Uhr

    15:55 Uhr

    Adventsgrüße vom Zeitgeist: WDR-Format empfiehlt "Ausmistkalender"

    Das WDR-Format "kugelzwei" empfiehlt seinen Nutzern, Adventskalender "anders zu denken", das heißt: jeden Tag einen Teil der Wohnung "auszumisten" und die Sachen "Freund:innen oder Nachbar:innen" zu geben. In einem Facebook-Beitrag vom Sonntag heißt es (Rechtschreibung wie im Original):

    "Wir haben uns gefragt, wie wir Adventskalender auch anders denken können. Was hältst du von einem Ausmist-Kalender? Jeden Tag mistest du ein Teil aus deiner Wohnung aus, was du nicht mehr brauchst, das sowieso nur rumsteht oder was du schon viel zu lange nicht mehr benutzt hast. Im Adventskalender findest du dann Zettelchen, die dich beim Ausmisten unterstützen. So ist es einfacher und macht Spaß.

    Wenn die Sachen nicht kaputt sind, freuen sich ja vielleicht deine Freund:innen oder Nachbar:innen darüber. Oder die Sachen helfen Menschen, die gerade nicht so viel Geld zur Verfügung haben, ihre Heimat verlassen mussten und sich jetzt ein neues Zuhause einrichten. Oder du verkaufst die Sachen auf Kleinanzeigenportalen und gönnst dir damit etwas, was dir guttut."

  • 13:53 Uhr

    Reallöhne in Deutschland schrumpfen wie noch nie

    Die deutschen Reallöhne sind in der Zeit von Juli bis September 2022 um 5,7 Prozent gesunken. Das gab das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt. Das ist der größte Rückgang seit Beginn der Zeitreihe des Amtes 2008.

    Grund für die massiv schwindende Kaufkraft der Beschäftigten ist die starke Teuerung. Nominal hätten die Löhne voraussichtlich um 2,3 Prozent höher gelegen als im Vorjahresquartal. Die Verbraucherpreise seien im selben Zeitraum aber um 8,4 Prozent gestiegen.

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