Wirtschaft

Krisen- und Insolvenzticker – Adventsgrüße vom Zeitgeist: WDR-Format empfiehlt "Ausmistkalender"

Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind allein in diesem Jahr tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.
Krisen- und Insolvenzticker – Adventsgrüße vom Zeitgeist: WDR-Format empfiehlt "Ausmistkalender"© Screenshot: Facebook / kugelzwei
  • 29.11.2022 15:55 Uhr

    15:55 Uhr

    Adventsgrüße vom Zeitgeist: WDR-Format empfiehlt "Ausmistkalender"

    Das WDR-Format "kugelzwei" empfiehlt seinen Nutzern, Adventskalender "anders zu denken", das heißt: jeden Tag einen Teil der Wohnung "auszumisten" und die Sachen "Freund:innen oder Nachbar:innen" zu geben. In einem Facebook-Beitrag vom Sonntag heißt es (Rechtschreibung wie im Original):

    "Wir haben uns gefragt, wie wir Adventskalender auch anders denken können. Was hältst du von einem Ausmist-Kalender? Jeden Tag mistest du ein Teil aus deiner Wohnung aus, was du nicht mehr brauchst, das sowieso nur rumsteht oder was du schon viel zu lange nicht mehr benutzt hast. Im Adventskalender findest du dann Zettelchen, die dich beim Ausmisten unterstützen. So ist es einfacher und macht Spaß.

    Wenn die Sachen nicht kaputt sind, freuen sich ja vielleicht deine Freund:innen oder Nachbar:innen darüber. Oder die Sachen helfen Menschen, die gerade nicht so viel Geld zur Verfügung haben, ihre Heimat verlassen mussten und sich jetzt ein neues Zuhause einrichten. Oder du verkaufst die Sachen auf Kleinanzeigenportalen und gönnst dir damit etwas, was dir guttut."

  • 13:53 Uhr

    Reallöhne in Deutschland schrumpfen wie noch nie

    Die deutschen Reallöhne sind in der Zeit von Juli bis September 2022 um 5,7 Prozent gesunken. Das gab das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt. Das ist der größte Rückgang seit Beginn der Zeitreihe des Amtes 2008.

    Grund für die massiv schwindende Kaufkraft der Beschäftigten ist die starke Teuerung. Nominal hätten die Löhne voraussichtlich um 2,3 Prozent höher gelegen als im Vorjahresquartal. Die Verbraucherpreise seien im selben Zeitraum aber um 8,4 Prozent gestiegen.

  • 12:10 Uhr

    Jede Dritte Einrichtung vor der Pleite: Sächsische Krankenhäuser wegen Sanktionen und Personalmangel in Existenznöten

    Die Krankenhausgesellschaft Sachsen kämpft vor dem Winter mit großen Problemen, wie der MDR berichtet. Die hohen Energiekosten aufgrund der antirussischen Sanktionen, die Inflation und ein mittlerweile fast schon zur Tagesordnung gehörender Personalausfall schlagen bei den Krankenhäusern im Freistaat massiv ins Kontor. Mittlerweile müssen viele Krankenhäuser sogar Kredite in Anspruch nehmen, um Angestellte weiter bezahlen zu können.

    Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München, sagte dazu: "Die Krankenhäuser benötigen zunächst Finanzierungssicherheit, denn die Inflation setzt den Kliniken immer stärker zu." Anfang November hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach finanzielle Hilfen in Milliardenhöhe zugesagt - die immer noch nicht geflossen ist. München fordert, dass diese Hilfen spätestens im Januar bei den Krankenhäusern ankommen müssen, ansonsten sei "mindestens ein Drittel insolvenzgefährdet."

    Daneben stehe ein massiver Personalausfall von bis zu 25 Prozent der Belegschaft zu Buche. Grund seien laut MDR "coronabedingt[e]" Krankheitsfälle sowie die Überlastung der letzten beiden Jahre, München betonte: "Verschärft wird die Personalsituation dadurch, dass viele Beschäftigte, vor allem aus sensiblen Bereichen, nach den Strapazen der Corona-Jahre kräftemäßig am Ende sind. Sie fallen dann meist über einen längeren Zeitraum aus." Ein Twitter-Nutzer kommentierte die aktuelle Lage in deutschen Krankenhäusern beispielhaft und machte dafür auch einen Schuldigen aus:

    "Gestern wegen Fiebers bei meiner krebskranken Frau ab 18:00 Uhr in der Notaufnahme gewesen. SIEBEN STUNDEN! Eine EINZIGE Internisten für das ganze Krankenhaus. Das Personal kann nichts für diese Zustände, aber ein ganz bestimmter Verrückter fällt mir sofort ein."

  • 10:00 Uhr

    Projekt in Tschechien soll Energieeinsparpotential beim Bierausschank erforschen

    Auch in Tschechien leiden Gaststätten und Kneipen unter der Inflation und den hohen Energiepreisen. In einem neuen Forschungsprojekt soll nun untersucht werden, welches Energieeinsparpotential der Bierausschank hat. Wie der Sprecher der Brauerei Pilsner Urquell, Zdenek Kovar, am Montag mitteilte, wolle man den ganzen Ablauf vom Fass im Keller über den Zapfhahn hin zum Spülbecken für die Gläser mit Sensoren unter die Lupe nehmen. Kostenpunkt für das Projekt: Umgerechnet knapp 250.000 Euro. Der Großteil der Kosten wird vom Brauhaus in Pilsen übernommen.

    Im Rahmen des Projekts "Intelligenter Ausschank" werden insgesamt mehr als 1000 Sensoren in 45 Kneipen installiert – von der Dorfkneipe bis zu Touristenbars in Städten. Wie Kovar sagte, sollen über ein Jahr Daten gesammelt werden, um ein Bild über den Energieverbrauch in den verschiedenen Jahreszeiten und bei schwankender Besucherfrequenz zu erhalten. Gemessen werden sollen unter anderem die Temperatur des Bieres und der Wasser- und Stromverbrauch der einzelnen Geräte.

    Am Forschungsprojekt sind neben der Technischen Universität Prag und weitere Partner auch die Firma Microsoft beteiligt. Ziel ist es, mit konkreten Verbesserungsvorschlägen bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs einzusparen, ohne dass sich die Qualität des Bieres verschlechtert. Der durchschnittliche Tscheche trinke Branchenangaben zufolge 129 Liter Bier im Jahr. Damit liegt das Land beim Bierkonsum weltweit an der Spitze.

  • 28.11.2022 14:50 Uhr

    14:50 Uhr

    Durchhalten trotz hoher Inflation: ARD stellt Esten als Vorbild dar

    Das ARD-Europamagazin hat Estland in einem Beitrag vom Sonntag seinen deutschen Zuschauern als Vorbild dargestellt. Trotz einer hohen Inflation von etwa 20 Prozent und einem im Vergleich zu Deutschland niedrigen Lohnniveau zeigten die Esten Durchhaltevermögen, auch in ihrer Unterstützung für die Ukraine. Es gebe auch kaum Kritik an der Regierung. Beispielhaft für den Beitrag steht die Aussage einer Mutter, deren Familie sich aufgrund der gestiegenen Preise einschränken muss:

    "Jetzt gegen die eigene Regierung oder einzelne Unternehmen zu rebellieren, wäre nicht richtig. Die Probleme sind eben komplex. Aber der Auslöser für diese Energiekrise ist Russland. Putins Regime, das Energie als Waffe benutzt."

    Weiter sagte die Frau:

    "Man zieht sich jetzt halt einen Wollpulli und Wollsocken an. Das schaffen wir schon. Man muss empathisch bleiben. Wenn wir an das Leben der Menschen in der Ukraine denken, ist es doch nicht erwähnenswert, dass wir zu Hause 19 Grad haben."

    Die frühere Grünen-Politikerin Antje Hermenau kommentierte den Beitrag auf Twitter mit den Worten:

    "Von den Esten lernen, heißt siegen lernen? Lernen wir dann beim Kochen von der Sahelzone?"

  • 11:11 Uhr

    Zentralbanken warnen vor "potenziell dysfunktionalen" Finanzierungsmärkten aufgrund der schlechten Wirtschaftslage

    Die Singapore Monetary Authority sehe "wachsenden Stress" im internationalen Finanzsystem und warne vor "potenziell dysfunktionalen" Finanzierungsmärkten, so das Handelsblatt am Montag. Die derzeit hohen Risiken durch Finanzregulierungen und mögliche Zahlungsausfälle können sich auf die Banken auswirken und in der Folge auch in der Realwirtschaft zu massiven Problemen führen.

    Auch andere Zentralbanken haben sich zur Gefahr einer Beschleunigung der aktuellen Finanzkrise geäußert. Sowohl die Bundesbank als auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel warnen, wie auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin, vor "wachsenden Risiken". Christian Keller, Chefvolkswirt der britischen Großbank Barclays, wird konkreter: "Ich bin ziemlich pessimistisch hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung im kommenden Jahr. Eine Konstellation, bei der die Wirtschaft in den USA, Europa und China gleichzeitig schwächelt, hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben." Dazu kommen geopolitische Risiken und zum Teil immer noch gestörte Lieferketten aufgrund des Ukraine-Krieges und der Corona-Krise sowie die massive Erhöhung der Geldmengen in den vergangenen Jahren durch die Zentralbanken selbst. 

  • 27.11.2022 09:05 Uhr

    09:05 Uhr

    MDR-Umfrage: Jeder Dritte spart bei Weihnachtsgeschenken

    Laut einer MDR-Umfrage will jeder dritte Befragte dieses Jahr weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Dazu wollen bei der Weihnachtsbeleuchtung vier von zehn Menschen sparen. Das resultiert aus einer aktuellen Befragung von MDR, an welcher 27.000 Menschen aus Mitteldeutschland teilnahmen.

    Mit deutlichem Abstand ist die rasante Geldentwertung die Hauptursache dafür, weniger für Weihnachtsgeschenke ausgeben zu wollen.

  • 26.11.2022 19:35 Uhr

    19:35 Uhr

    Drohen dem Land abrupte Stromabschaltungen im Winter?

    Franziska Erdle, Hauptgeschäftsführerin der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM), teilte der Welt am Sonntag diesbezügliche Befürchtungen mit, die vor allem die produzierende Industrie betreffen:

    "Die Stromversorgung ist unter Stress und ihre Stabilität zunehmend in Gefahr – besonders jetzt im Winter."

    Größte Sorge der deutschen Unternehmen sei dabei der "ersatzlose Wegfall der Verordnung über abschaltbare Lasten (AbLaV)", ausgehend von den Vorgaben einer EU-Verordnung im Juli dieses Jahres. Dies könnte nun zu Jahresende zu abrupten Stromabschaltungen führen. Die Verordnung war die entscheidende Grundlage für vertragliche Vereinbarungen über Stromabschaltungen zwischen Industriebetrieben und Stromnetzbetreibern, um eine allgemeine Netzstabilität zu sichern. 

    "Mit der Abschaltverordnung ist das einzige Marktinstrument zum Abwurf industrieller Verbrauchslast weggefallen, das den Unternehmen eine gewisse Vorlaufzeit gewährt hatte, die Produktionsprozesse rechtzeitig auf den Wegfall der Stromzufuhr vorzubereiten", so Heinrich Nachtsheim, Referent für Energiepolitik im Verband der Chemischen Industrie (VCI), gegenüber der WaS.

    Aus Sicht des Energieexperten drohen durch unvorhersehbaren Stromwegfall ein plötzlicher Abbruch der Produktion, höhere Kosten wie auch "physische Schäden an den Produktionsanlagen".

  • 18:06 Uhr

    Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt nachdrücklich vor einer massiven Export-Schwächung des Standorts Deutschland

    Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des BDI, äußerte schwere Bedenken hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen im Land:

    "Die hohen Energiepreise und die schwächelnde Konjunktur treffen die deutsche Volkswirtschaft mit voller Wucht und belasten unsere Unternehmen im Vergleich zu anderen internationalen Standorten sehr. Das deutsche Geschäftsmodell steht enorm unter Stress."

    Ihr bereite große Sorge, dass Umfragen ergaben, dass "jedes vierte deutsche Unternehmen" über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nachdenke. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), erkennt die "energieintensive und exportorientierte Chemieindustrie" als besonders von den aktuellen Dynamiken betroffen. Er befürchtet:

    "Die brutalen Energiepreise knocken uns aus. Unsere Sorge ist groß, dass der Doppel-Wumms nicht in unseren Unternehmen ankommt. Das kann der K. o. für den Standort Deutschland sein."

    Die verantwortliche Regierung würde eine "Deindustrialisierung des Landes mutwillig in Kauf nehmen", sollte nicht zeitnah eine "funktionierende Preisbremse" erfolgen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert in der Springer-Zeitung Welt unmissverständlich:

    "Mehr Dynamik und Tempo, mehr unternehmerische Freiheit und Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Deutschland muss entfesselt und nicht durch die Politik gefesselt werden. Sonst bewegt sich Deutschland ungebremst auf einen gefährlichen Wendepunkt zu."

     

  • 11:15 Uhr

    Umfrage: Wegen Inflation schnallen Verbraucher den Gürtel enger

    Die Menschen in Deutschland schnallen nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ wegen der drastisch steigenden Preise den Gürtel enger. Gut die Hälfte der Verbraucher (52 Prozent) kaufe nach eigenen Angaben nur noch Produkte, die wirklich benötigt würden, berichtete NielsenIQ gestützt auf eine repräsentative Umfrage unter mehr als 10.000 Personen.

    Rund 44 Prozent der Befragten gaben bei der Umfrage an, auf Produkte zu verzichten, "die Spaß und Luxus sind", 31 Prozent würden versuchen, Restaurantbesuche zu reduzieren und sich lieber zu Hause etwas zu gönnen. Rund 30 Prozent der Befragten stimmten der Feststellung zu: "Ich kaufe weniger ein." Nur rund 10 Prozent der Bevölkerung machen sich der Umfrage zufolge wegen der Inflation überhaupt keine Sorgen: Das sind – wenig überraschend – vor allem Besserverdiener.

    NielsenIQ-Experte Lothar Staiblin erklärte gegenüber der dpa, dass die Menschen viele Sparstrategien nutzen würden:

    "Sie vergleichen stärker die Preise, achten mehr auf Sonderangebote, wechseln zu günstigeren Produkten wie Eigenmarken oder kaufen häufiger beim Discounter."

    Die Verbraucher würden laut dem Experten etwa auch ihre Konsumgewohnheiten verändern. So werde Butter durch Margarine ersetzt, Leitungswasser statt Mineralwasser getrunken oder auch einmal auf Deo komplett verzichtet.

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